Weimarer Republik: Die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie
Die erste demokratische Wahl
Um die politischen Verhältnisse in Deutschland zu stabilisieren, hatte der Erste Generalquartiermeister Wilhelm Groener dem Reichskanzler Friedrich Ebert am 10. November 1918 die Unterstützung des Heeres angeboten.
So konnte Ebert eine erste republikanische Regierung aus SPD und USPD bilden. Sie bestand auf paritätischer Grundlage aus einem Rat der Volksbeauftragten und einem durch linksradikale Arbeiter und Soldaten gewählten Aktionsausschuss, dem Vollzugsrat. Damit war eine Vorentscheidung zugunsten einer parlamentarischen Demokratie und nicht für eine Räterepublik gefallen. Ebert und Scheidemann suchten die politische Neugestaltung Deutschlands auf die Staatsform zu beschränken und eine soziale Revolution zu vermeiden. Ihr Bestreben war es, durch die baldige Einberufung einer verfassunggebenden Nationalversammlung eine parlamentarische Republik zu errichten. Teile der USPD und eine Minderheit der Rätebewegung befürworteten dagegen eine Fortführung der Novemberrevolution. Der Spartakusbund erstrebte eine Entwicklung nach sowjetischem Vorbild.

Zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele schienen Ebert und dem Rat der Volksbeauftragten Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung vordringlich zu sein.
Vom 16. bis 20 Dezember 1918 fand in Berlin der Reichsrätekongress statt. Dabei wurde der Wahltermin für die Nationalversammlung auf den 19. Januar festgelegt. Im Vorfeld dieser Wahlen kam es zu Erhebungen der revolutionären Linken. Außerdem hatte sich am 1. Januar 1919 aus dem Spartakusbund und kleineren linksextremistischen Gruppen aus dem Hamburger Raum die Kommunistische Partei Deutschlands gebildet. Am 5. Januar („Januaraufstand“) versuchte die radikale Linke, die Regierung Ebert-Scheidemann zu stürzen. Militärische Freiwilligenverbände (Freikorps) und Regierungstruppen schlugen den Aufstand blutig nieder. Am 15. 1. 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin ermordet. Diese Ereignisse überschatteten die Wahlen am 19. Januar, die überraschenderweise den Parteien der parlamentarischen Demokratie eine überwältigende Mehrheit brachten: die Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) gewinnen 163 , das Zentrum 91 und die linksliberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) 75 Sitze. Die USPD konnte hinter der DNVP (Deutschnationale Volkspartei) mit 44 Mandaten und vor der Deutschen Volkspartei mit 19 Mandaten zusammen mit der KPD nur 22 Sitze gewinnen. Die Wähler hatten den Austritt der USPD aus dem Rat der Volksbeauftragten nicht positiv gewertet. Bei den Wahlen hatten erstmals die deutschen Frauen das aktive und passive Wahlrecht.
- Die erste demokratische Wahl
- Die neue Verfassung
Bibliografie:
- Heiko Bollmeyer, Der steinige Weg zur Demokratie: Die Weimarer Nationalversammlung zwischen Kaiserreich und Republik. Frankfurt am Main 2007
- Bernd Buchner u. a., Weimar und die Republik. Geburtsstunde eines demokratischen Deutschlands. Weimar 2009
- Eberhard Kolb, Der Frieden von Versailles. München 2005
- Jutta Limbach, Roman Herzog, Dieter Grimm, Die deutschen Verfassungen. München 1999
- Hugo Preuß, Gesammelte Schriften Bd. 4: Politik und Verfassung in der Weimarer Republik. Tübingen 2008









1 Kommentar