Wolfgang Borchert
Die Nachkriegsliteratur
Für eine bestimmte Spielart der westdeutschen Literatur in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Begriff "Trümmerliteratur" geprägt. Man sprach auch vom literarischen "Kahlschlag", politisch von der "Stunde Null".
Die jungen, aus dem Krieg heimgekehrten Schriftsteller (z. B. Alfred Andersch, Günter Eich, Heinrich Böll, Günter Grass, Arno Schmidt, Wolfdietrich Schnurre oder Wolfgang Borchert) hatten den Kontakt zu den älteren, aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigrierten Autoren verloren und fanden ein nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch kulturell zerstörtes Land vor. Verantwortlich dafür waren Krieg, Terror und - was die kulturelle Produktion betraf - die NS-Gleichschaltungspolitik, die die Literatur auf Zivilisationsfeindlichkeit, Rassenideologie, nordisch-germanische Mythologie, Blut-und-Boden-Kult, Gemeinschaftsideologie und Führerverklärung festgelegt hatte. Der Anschluss an die Avantgarde der Welt war damit verloren gegangen.
Erst nach 1945 konnten die jungen Deutschen auf der "Suche nach einer bewohnbaren Sprache in einem bewohnbaren Land" (Böll) Weltautoren wie James Joyce, Marcel Proust oder Ernest Hemingway kennenlernen. Bei ihnen fanden sie insbesondere eine vom nationalsozialistischen Jargon unbelastete, für einen Neuansatz geeignete Diktion.
Ein zentrales Thema der aus Krieg und Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Autoren war die von ihnen selbst erlebte Vergangenheit und Gegenwart. Die so genannte "Trümmerliteratur" war der Versuch, Krieg und Nachkrieg mit den Themen Tod, Untergang, Gefangenschaft, Heimkehr, Not und Zerstörung im Zusammenhang mit der Frage der Schuld, darzustellen. Angesichts ihrer Erfahrungen, vor denen tradierte Werte keinen Bestand haben konnten, setzten diese Autoren mit schmerzlichen Bestandsaufnahmen erste Zeichen einer literarischen Avantgarde in Deutschland.
- Die Nachkriegsliteratur
- Biografie
- Werke
- Wirkung und Bewertung
Bibliografie:
- Gordon Burgess: Wolfgang Borchert. Ich glaube an mein Glück. Berlin 2007
- Harro Geehse: Wolfgang Borchert "Draußen vor der Tür", "Die Hundeblume" und andere Erzählungen. Interpretationen und Materialien, Analysen und Reflexionen, 2007
- Peter Rühmkorf: Wolfgang Borchert, Reinbek bei Hamburg 2007
Institution(en):
- Internationale Wolfgang Borchert-Gesellschaft e.V.Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg Statthalterplatz 3, D-22605 Hamburg









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