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THEMEN

Woodstock

Das größte Ereignis der Rockgeschichte

Vom 15. bis zum 17. August 1969 fand auf dem 243 Hektar großen Farmgelände von Max Yasgur bei Bethel im US-Bundesstaat New York (in der Nähe der Musikerkolonie Woodstock) das Ereignis der Rockgeschichte statt: das Freiluftkonzert "Woodstock Music and Arts Fair".

Mit knapp 100 000 Zuschauern hatte man gerechnet, mehr als 400 000 wurden es schließlich, die bei Sonne, Regen und Sturm 32 Bands und Einzelinterpreten hörten. Wie viele Menschen tatsächlich in die "Hörweite" des Festivals gelangten, kann man bis heute nicht genau sagen. Manche Schätzungen gehen davon aus, dass etwa die gleiche Zahl derjenigen, die es bis ans Ziel schafften, noch in Staus stecken geblieben waren. Der ROLLING STONE-Autor Greil Marcus berichtete im Rückblick: "Scheiße, schließlich waren sie gekommen, um hier drei, vier Tage zu kampieren, und das wollten sie auch tun. Viele von ihnen sind über zwanzig Kilometer durch Regen und Schlamm marschiert, nur um zwei Kilometer vorm Gelände aufzugeben und umzukehren. Auch sie haben Spaß gehabt. Ihr Lager hatten sie am Highway...Sie fanden es toll, schlossen Freundschaften, tanzten zur Musik der Autoradios und machten mit ihren eigenen Gitarren ihr eigenes Fest."

Ursprünglich wollten die vier jungen Amerikaner, die das Spektakel veranstalteten, damit natürlich auch Geld verdienen. Doch aufgrund dieses riesigen Besucherandrangs waren sie mit der Organisation so hoffnungslos überfordert, dass sie das Open Air zum Gratiskonzert deklarierten.

"Three Days Of Peace & Music"

Dieses "bedeutende planetarische Ereignis" (Allen Ginsberg) verlief absolut friedlich. Die Besucher kampierten in Autos und Zelten, pafften Marihuana. Im damaligen Polizeibericht wurde vermerkt, "dass man schon vom Einatmen der Luft benebelt wurde." Über dem ganzen Gelände schwebte eine Wolke Marihuana-Rauch. Der Drogenhandel florierte - oftmals sogar vor den Augen des Gesetzes.

Bei keinem Musik-Festival zuvor oder danach wurde die Rock-, Soul-, Blues- und Folksongkultur der jungen Generation so vollständig und repräsentativ dokumentiert. Die Songs boten musikalisch eine Mischung aus christlichen Botschaften (z.B. von Joan Baez, Arlo Guthrie), munterem Rock (Creedence Clearwater Revival, Sweetwater), politischem Slapstick (Country Joe McDonald, Sha-Na-Na) oder auch ausgeflipptem Hippietum (Melanie, Ravi Shankar). Sie handelten von verlassenen Kindern (z.B. "Sometimes I Feel Like A Motherless Child"), von Verzweiflung ("I Can't Help It Anymore"), von der Suche nach dem verlorenen Zuhause ("I'm Going Home"), von der strahlenden Sonne ("Birthday Of The Sun"), schönen Menschen ("Beautiful People"), der Gnade des Friedens ("Amazing Grace"), natürlich von der Liebe ("To Love Somebody"), von der Last mit der Freiheit ("Find The Cost Of Freedom") oder von Freundschaft ("With A Little Help From My Friends").

Die Band The Grateful Dead behauptete hinterher, nie wieder so schlecht gespielt zu haben: "Andere Musiker erlebten dort den großen Knall in ihrer Karriere. Es war wirklich ein ganz besonderer Moment. Unsere Vorstellung war ein musikalisches Desaster." Schließlich waren auch die Bühne und damit die Mikros durch den Regen beschädigt worden. Die Gitarristen erhielten jedes Mal einen kleinen Stromschlag, wenn sie die Gitarrensaiten berührten.

Der Regisseur Michael Wadleigh fing das Festival auf 100 Kilometer (!) Farbfilm ein, der später auf der ganzen Welt Millionen einspielte. Die Plattenfirma "Cotillion" feilschte monatelang um die Rechte an den Künstlern, bevor deren Plattenverlage die mitgeschnittenen Sampler-Alben "Woodstock" und "Woodstock Two" zur Veröffentlichung frei gaben.

Wer trat in Woodstock auf?

Bis wenige Wochen vor dem Festival war noch nicht geklärt, welche Bands eigentlich auftreten würden. Die Beatles traten nicht mehr live auf; die Rolling Stones waren bezüglich der Gage außerhalb jeder Vorstellung. Jimi Hendrix, Janis Joplin und The Who wurden mit Luxusgagen geködert. Joan Baez würde sowieso kommen; für sie war es eine Sache der Moral, in Woodstock dabei zu sein. Bill Graham, einer der wichtigsten Konzertveranstalter und Promoter der USA, sicherte sich die Zusage, dass seine Lieblingsband Santana am Samstag auf die Bühne durfte.

Folgende Bands und Einzelinterpreten traten schließlich auf:

Richie Havens, Country Joe McDonald, John B. Sebastian, The Incredible String Band, Sweetwater, Bert Sommer, Tim Hardi, Ravi Shankar, Melanie, Arlo Guthrie, Joan Baez, Quill, Keef Hartley, Santana, Canned Heat, Mountain, Janis Jopli, Sly & The Family Stone, The Grateful Dead, Creedence Clearwater Reviva, The Who, Jefferson Airplane, Joe Cocker, Country Joe & The Fish, Ten Years After, The Band, Blood Sweat & Tears, Johnny Winter, Crosby, Stills, Nash & Young, Paul Butterfield Blues Band, Sha-Na-Na, Jimi Hendrix

Mehrere der gebuchten Gruppen wurden am Ende vermisst. Jeff Beck und seine Band mochten doch nicht kommen, weil ihnen die Gage zu niedrig schien. Joni Mitchell behauptete, es wegen des riesigen Staus nicht geschafft zu haben. Andere Quellen besagen, dass sie dem Auftritt in Dick Cavetts Talkshow den Vorzug gab. Iron Butterfly saßen am Flughafen fest. Judy Collins gar wurde gesehen, aber nicht auf die Bühne geladen.

"Woodstockgeneration"

Am Anfang des "Woodstock"-Films sind ein circa 18-jähriger Junge und seine etwa gleichaltrige Freundin zu sehen, ängstlich-neugierig unterwegs zum Festival. Auf die Frage, was ihn denn so bewege, antwortet der junge Mann: "Ich weiß nicht, meine eigenen Werte will ich herausfinden, wissen, was für mich wichtig ist, nicht, was man mir sagt... ". Dieser Ausschnitt dokumentiert sehr treffend den gemeinsamen Zweifel der "Woodstockgeneration": Eine gut ausgebildete, ohne materielle Sorgen herangewachsene Jugend der Mittelschicht, welche die Werte der Väter nicht mehr umstandslos akzeptieren will.

Mit Hilfe des Festivals übte eine ganze Generation Kritik am "American Way Of Life" - Jugendliche, Künstler, Studenten, die nicht einverstanden waren mit einer Politik der Stärke, mit dem Vietnamkrieg, mit der Verteufelung des Kommunismus und der Kommunistenhatz der McCarthy-Ära. Zudem mussten viele der jungen Männer, die zum Festival kamen, befürchten, einen Einberufungsbescheid zu bekommen. Und nach Vietnam wollte niemand von ihnen. Die britische Band The Who sang auf dem Festival ihr Lied "My Generation", das sie in den Ohren vieler Achtundsechziger unsterblich gemacht hat: "People try to put us down / Just because we get around / Things they do look awful cold / Hope I die before I get old" (die Leute versuchen uns niederzuhalten, einfach weil wir da sind; die Sachen, die sie machen, sehen schrecklich kalt aus; ich hoffe zu sterben, bevor ich alt werde).

1978 baute der Schweißer Wayne Saward ein Woodstock-Denkmal, das heute noch in den Catskill Mountains steht. Als Aufschrift ist zu lesen: "Es ist unmöglich, endgültige Worte über Woodstock 1969 zu schreiben. Es ist zum historischen Symbol mit verschiedenen Bedeutungen für Tausende von Menschen geworden."

  1. Das größte Ereignis der Rockgeschichte
  2. Woodstock II
  3. Woodstock III

Bibliografie:

  • Jan Feddersen: Woodstock. Ein Festival überlebt seine Jünger, Berlin 1999
  • Jim Marshall: Not Fade Away. Die Rock & Roll-Fotografien, Edition Olms, 1999
  • Uwe Schultz: Das Fest. Eine Kulturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, München 1988
  • Michael G. Symolka: Hippie-Lexikon. Psychedelic, Peace & freie Liebe - Das ABC der Flower-Power-Ära, Berlin 1999
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