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Tierversuche – Töten im Namen der Medizin

Wofür Tiere ihr Leben lassen müssen

Hielte man Passanten auf Deutschlands Straßen einschlägige Fotos unter die Nase, klänge es wohl unisono aus allen Mündern, Tierversuche gehörten verboten. Und dennoch fielen 2011 in deutschen Labors rund drei Millionen Ratten, Kaninchen, Mäuse, Hunde, Meerschweinchen, Hamster und Affen Experimenten zum Opfer – die Zahl ist von 1997 an kontinuierlich gestiegen. Hier dürfen wir uns fragen, ob bei dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik das Töten zu Forschungszwecken überhaupt noch nötig ist. Und ob die mageren Erfolge von medizinischen Versuchen an Tieren deren unvorstellbares Leid rechtfertigen. Außerdem: Warum tut sich der Bundestag so schwer, eine neue EU-Tierschutzrichtlinie in nationales Recht umzuwandeln? Das nämlich hätte bis Ende November 2012 geschehen sollen.

Vom Himmel auf Erden in den Tod

Mauritius ist ein Paradies. Blaues Meer und weißer Strand säumen eine üppig bewachsene, leuchtend grüne Landschaft, aus der sich hier und dort felsige Hügel erheben. Doch inmitten dieses Idylls hat auch das Grauen seinen Platz: Erbärmliches Geschrei dringt aus einer Ansammlung von Wellblechverschlägen. Es stammt von Makaken – einer auf Mauritius beheimateten Affenart –, die darin gefangen sind. Fallensteller hatten sie zuvor aus ihrer Umgebung und ihren Familienverbänden gerissen. Nun fristen sie ein monate-, viele auch jahrelanges Dasein in kahlen engen Käfigen, um entweder selbst qualvoll in einem Forschungslabor in Übersee zu enden oder um Nachschub für den Export zu zeugen.

Makake
Makake auf dem Weg ins Labor

Die Ähnlichkeit mit dem Menschen wird sein Verhängnis sein.

Der Handel mit Primaten für Tierversuche ist ein Riesengeschäft. Jedes Jahr werden in der EU mehr als 10.000 dafür verwendet – Makaken, Mehrkatzen, Paviane und Krallenaffen. Große Exportländer sind Mauritius, Barbados, Vietnam, China und Kambodscha. Hier, in den Mangrovenwäldern, gehen die Fänger besonders grausam vor: Sie breiten ein Netz um den Stamm eines Baumes im Wasser aus und jagen die Affen so lange, bis sie vor Angst hineinspringen und sich im Netz verheddern. Anschließend stopfen sie die verängstigten Tiere in Säcke und verstauen sie wie eine Ware im Bootsrumpf. Nicht einmal auf säugende Junge nehmen die Männer Rücksicht. Heimlich gedrehte Aufnahmen der Britischen Union für die Abschaffung von Tierversuchen (BUAV) zeigen, wie sie sie mit unglaublicher Brutalität von ihren Müttern trennen.

Die für den Export vorgesehenen Affen erwartet die nächste Tortur auf der Reise ins Bestimmungsland. Von Mauritius in die EU zum Beispiel kann es bis zu 70 Stunden dauern. Eingesperrt in winzigen Holzkisten leiden die Tiere während des Flugs im Frachtraum von Passagiermaschinen an mangelnder Belüftung, Lärm und extremen Temperaturschwankungen. Zwar gibt es keine offizielle Statistik über die Todesrate beim Transport, aber die BUAV hat einige Fälle dokumentiert, bei denen Affen den Stress an Bord nicht überlebten.

 

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von wissen.de-Autor Jens Ossa, Januar 2013
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