Hotelurlaub der anderen Art

Alt-Ägypten in Las Vegas: das Hotel Luxor
Hotelurlauben haftet nicht selten der Geruch verwohnter Zimmer mit Einheitslook an. Statt der im Prospekt versprochenen Wohlfühlatmosphäre erwartet einen beim Anblick des gebuchten Hotelzimmers oft die standardisierte Tristesse eines Wohncontainers: Ein Tisch, ein Sofa, ein Bett, alles sehr zweckmäßig, natürlich. Wer auf dieses gewohnte Bild in seinem Urlaub verzichten möchte, hat mittlerweile die Möglichkeit, sich einer Wohnatmosphäre der ganz anderen Art hinzugeben. Immer mehr Hotels in aller Welt verschreiben sich dem Konzept des Besonderen und bieten Ihren Gästen ein Ambiente, das mit Alltag überhaupt nichts zu tun hat. Im Gegenteil, hier sind Unterhaltung und Erlebnis Programm – und das nicht nur im extravaganten Spielerparadies Las Vegas.
In Las Vegas werden Träume von anderen Kulturen und Welten wahr: Ein Themenhotel nach dem anderen schießt aus dem Boden der Wüstenmetropole. Urlauber können zwischen den römischen Brunnen und Statuen des Caesar’s Palace spazieren oder abends vor dem Treasure Island den Kampf zwischen einem originalgetreu nachgebauten Piratenschiff und der Fregatte Brittannia beobachten. Das pyramidenförmige Luxor wiederum ist auf Alt-Ägypten getrimmt.
Aber nicht nur Las Vegas bietet für die schönste Zeit des Jahres eine Scheinwelt. So fühlen sich die Besucher des Hotels “Sittavia” im ostsächsischen Zittau in die Zeit des Kalten Krieges zurückversetzt. Auf dem Weg zur Rezeption müssen sie einen Schlagbaum und ein Wachhäuschen passieren. Bei der Anmeldung werden sie zu einem Zwangsumtausch von Geld in “Sittavia-Mark” verpflichtet. Ausgestattet ist die ehemalige Kaserne mit Pressspanmöbeln im DDR-Stil.
Auf etwas mehr Moderne setzt das Berliner “City Lodge Art Hotel”. Ob das in violettes Neonlicht gehüllte Therapiezimmer, das Spiegelzimmer für den Narzisten oder die Gummizelle – für jeden Geschmack ist etwas passendes dabei.
Urlaub hinter “schwedischen Gardinen”

Auf der zu Stockholm gehörenden Halbinsel Langholmen können Reisende in einem (ehemaligen) Gefängnis übernachten.
Zellen gibt es auch im “Hotel Kronohäktet”. Doch wo einst harte Pritschen standen, liegen die “Häftlinge” nun gemütlich und weich. Und der Wärter schiebt das Essen auch nicht mehr durch eine kleine vergitterte Klapptür in die Zelle. Heute ist der ehemalige Knast-Komplex in Schwedens Hauptstadt Stockholm ein gut gebuchtes Hotel. Der letzte “Knacki” des 1835 auf der Halbinsel Langholmen errichteten Gefängnisses verließ 1972 seine Zelle. 1986 zogen die ersten freiwilligen Gäste in das renovierte Gebäude. Den Besuchern stehen seitdem 89 Einzel- und 14 Doppelzellen zur Verfügung.

Das Knasthotel von innen.
Besonders die schweren Eisentüren der Zimmer erinnern heute an die ursprüngliche Bestimmung des alten Gemäuers. Aber auch außerhalb der Zellen wird den Urlaubern ein wenig Vollzugsanstalt-Flair geboten: Bei der im Animationsprogramm enthaltenen Morgengymnastik im Gefängnishof trägt man Sträflings-Dress. Der Preis für eine Knastnacht mit Frühsport liegt ab 76 € (Einzelhaft) bzw. 126 € (Doppelzelle). Früher war die Unterbringung im “Kronohäktet” zwar umsonst – aber dafür kann man jetzt gehen, wann man will.
Frieren am Polarkreis

Das Icehotel in Jukkasjärvi gibt's nur in der Wintersaison – im April schmilzt es nämlich.
Ein noch kühleres Ambiente als das Knasthotel in Langholmen umgibt eine Herberge einige Breitengrade nördlich von Stockholm. In Jukkasjärvi, jenseits des Polarkreises, sind minus 40 Grad keine Seltenheit. Die Gäste des lappländischen “Icehotel” lassen sich von solchen Temperaturen jedoch nicht abschrecken. Im Gegenteil: Sogar Prominente wie Top-Model Naomi Campbell und die gesamte Van Halen-Combo übernachteten schon in einem der wohnlich ausgebauten Iglus. Um einiges höher als die Temperaturen sind die Preise: Eine Übernachtung im Eisbett inklusive Frühstück und Saunagang kostet immerhin ab 195 € (Doppeliglu ab 214 €).
Dafür wird einem allerdings auch einiges geboten. Highlight des kalten Komplexes ist die Hotelbar, in der man gut temperierte Drinks aus Design-Eisgläsern schlürfen kann. Auch sonst ist die Innenausstattung recht edel: Sämtliches Inventar des Eishotels wird von Künstlern gefertigt. Aus Eisblöcken formen sie neben der Bar auch Stühle, Tische, Säulen und Lampen. Leider haben die bewohnbaren Meisterwerke ein relativ kurzes Leben. Im April, nach nur vier Monaten Saison, schmilzt das Icehotel.
Ferien in der Steinzeit
Wer seinen Urlaub in einer wärmeren, günstigeren und trotzdem außergewöhnlichen Umgebung verbringen möchte, sollte vielleicht nach Andalusien reisen. In unmittelbarer Nähe des südspanischen Touristenziels Granada findet sich das Höhlenhotel “Casa Cueva”. Anfang der 90er Jahre besann sich der Fremdenverkehr des Dörfchens Galera auf das Erbe der steinzeitlichen Vorfahren und renovierte die Felsenwohnungen. Seitdem ist Galera ein Landrefugium für alle, die eine Pause machen möchten vom Trubel rund um die Alhambra.
Schon die Erbauer der Höhlen suchten dort Schutz – allerdings eher vor dem Klima der andalusischen Ebene: Die Temperaturen schwanken zwischen brütenden 45 Grad und 10 Grad minus. In den Höhlen hingegen lässt es sich bei einer Durchschnittstemperatur von 18 Grad ungleich angenehmer leben. Heute ist sogar der Komfort, auf den die Bewohner der Steinzeit wohl verzichten mussten, in die Behausungen integriert. Ab 50 € pro Nacht bekommen die Gäste ein Zimmer mit Kamin, elektrischem Licht, warmem Wasser und eine hoteleigene Küche, die regionale Köstlichkeiten auf den Tisch bringt.
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