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Tipps für Angehörige Demenzkranker

Im Jahr 2013 sind laut den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes insgesamt 24.738 Menschen aufgrund von Demenz verstorben. Zu erkennen ist die Krankheit an verschiedenen Symptomen, welche vor allem für die nächsten Angehörigen eine große Belastung darstellen können. Zur Entlastung können sie die Betreuung teilweise oder sogar ganz abgeben.

Entwicklung der demenziellen Symptome

Im Laufe der Demenzerkrankung nehmen die kognitiven Fähigkeiten immer mehr ab. Die Orientierungsfähigkeit sowie das Denk- und Sprachvermögen werden zunehmend schlechter. Erste Symptome, auf die die Angehörigen achten können, sind Schluck- oder Schlafstörungen sowie die Vernachlässigung der Körperpflege. Wenn die Person zudem unter Antriebslosigkeit, Depressionen oder Reizbarkeit leidet, sollte sie unter ärztliche Beobachtung gestellt werden. Auch wenn der Arzt meist erst nach circa einem halben Jahr eine gesicherte Diagnose stellen kann. Mit der Erkrankung geht außerdem die Fähigkeit verloren, die eigene Lebensführung selbstständig zu übernehmen. Dann ist der Betroffene oft auf die Hilfe seiner Angehörigen angewiesen. Denn tägliche Handlungen, wie das Urinieren, das Laufen und Stehen oder die Nahrungsaufnahme, sind nicht mehr alleine zu bewältigen. Jedoch stellt die intensive Pflege oft eine extreme Belastung für die Angehörigen dar. Wenn die Angehörigen nicht in der Lage sind, den Betroffenen alleine zu pflegen, gibt es verschiedene Betreuungsmöglichkeiten, die Entlastung verschaffen können.

Frustrierter, verzweifelter Mann
Ein Demenzkranker ist im Laufe der Erkrankung nicht mehr fähig, sein Leben selbstständig zu führen.

Geriatrische Behandlung

Wenn der Erkrankte neben den demenziellen Symptomen andere Begleiterkrankungen aufweist, wie zum Beispiel eine Herzerkrankung oder ein gebrochenes Bein, das er sich aufgrund der eingeschränkten Motorik zugezogen hat, sollte der Demenzpatient von den Angehörigen in eine geriatrische Klinik eingewiesen werden. In vielen Krankenhäusern gibt es bereits eine geriatrische Abteilung, die auf Alterserkrankungen spezialisiert ist. Dort werden ältere Patienten ab fünfundsechzig Jahren behandelt und von speziell ausgebildeten Fachkräften betreut. Meist besteht das Team der geriatrischen Klinik aus Physiotherapeuten, Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden sowie spezialisierten Pflegekräften und Ärzten. Dann ist nicht nur die ärztliche Versorgung – zum Beispiel eines Herzfehlers –gewährleistet, sondern auch die Behandlung der demenziellen Symptome. Die Logopäden trainieren mit den Demenzkranken das richtige Schlucken und die Artikulation. Zudem werden im ergotherapeutischen Bereich die kognitiven Fähigkeiten und die Motorik geschult. Im Rahmen der Therapie werden aber auch die Angehörigen beraten. Sie werden nicht nur im Umgang mit dem Demenzkranken geschult, sondern können daneben ihre Sorgen mit den Psychologen der Abteilung besprechen.

Pflegeheime, Tagespflege und Pflegedienste

Wenn die Pflege des Demenzkranken im häuslichen Umfeld nicht mehr möglich ist, kann dieser auch in ein Pflegeheim untergebracht werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, eine Tagespflege zu nutzen, die den pflegenden Angehörigen für ein paar Stunden am Tag Entlastung verschaffen kann. Aber auch Pflegedienste können Erleichterung bringen. Die Angestellten sind neben der Pflege bei der Hausarbeit, der Medikamentengabe oder beim Anreichen der Nahrung behilflich.

Mögliche zukünftige Betreuungsform

In den Niederlanden gibt es ein Dorf, das nur von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, bewohnt ist. Den Menschen wird dort ein möglichst „normales“ Leben geboten. Es soll nicht das Gefühl entstehen, dass sie sich in einem Pflegeheim befinden. Sie leben mit ihren Pflegern zusammen, die aber „getarnt“ sind, da sie nicht in weißen Kitteln, sondern in ihrer Alltagskleidung durch die Häuser gehen. Es gibt Einkaufsläden, Cafés sowie Naherholungsgebiete. Der Ein- und Ausgang zu dem Dorf wird bewacht. Auch in Deutschland soll dieses Projekt umgesetzt werden.

Ruderboot im Gegenlicht
In der letzten Lebensphase sollten die Angehörigen den Sterbenden begleiten.

Letzte Lebensphase: Angehörige sind besonders wichtig

Egal, wie der Erkrankte seinen Lebensabend verbringt, Demenz sei aufgrund des absehbaren Krankheitsverlaufs nach dem Psychiater Dr. Klaus Maria Perrar vom Zentrum für Palliativmedizin der Universitätsklinik Köln in jedem Fall eine palliativmedizinische Erkrankung, wie hier nachgelesen werden kann. Denn die Lebenserwartung ist begrenzt und durchschnittlich bestimmbar – bei einem 65-Jährigen etwa 8,3 Jahre und bei einem 90-Jährigen 3,4 Jahre ab dem Zeitpunkt der Diagnose. Der Patient wird meist im Rahmen der „Palliative Care“ behandelt. Diese palliative Pflege erleichtert dem Patienten und seinen Angehörigen den Sterbeprozess. Denn die körperlichen Schmerzen und seelischen Belastungen werden frühzeitig behandelt und die Lebensqualität in der letzten Phase für den Sterbenden und seine Angehörigen bestmöglich erhalten. Dabei spielen vor allem die Angehörigen in der letzten Lebensphase eine entscheidende Rolle bei der Sterbebegleitung. Denn diese wissen meist genau, was die Interessen und Abneigungen des Kranken sind und können so den Sterbeprozess möglichst angenehm gestalten. Es ist immer schwer sich während der Sterbephase über den Tod zu unterhalten und besonders demente Personen haben aufgrund ihres schwachen Denkvermögens oft nicht die Möglichkeit, sich über ihre Wünsche zu äußern. Nach dem Tod stellt das Begräbnis dann oft die nächste Belastung für die Angehörigen dar. Die genauen Abläufe und Behördengänge, die zu erledigen sind, sowie eine hilfreiche Kostenaufstellung bietet folgende Seite. Auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Begräbnis kurzzeitig Ablenkung verschafft, sollte der Tod danach unbedingt verarbeitet werden. Das fällt nicht leicht. Denn, wenn der Erkrankte von den Angehörigen bis zum Ende begleitet und gepflegt worden ist, bestand ein enger Bezug zu dieser Person.

Umgang mit dem Tod

Für die Trauerbewältigung braucht jeder Mensch etwas anderes. Vielen reicht eine Schulter zum Anlehnen oder ein Gespräch mit einer nahestehenden Person. Jedoch kann es auch hilfreich sein, die eigene Trauer aufzuschreiben. Der Brief kann dabei an die verstorbene Person gerichtet werden. Aber auch Selbsthilfegruppen können unterstützen. Verschiedene Beratungsstellen sind auf die Hilfe bei der Trauerbewältigung von Angehörigen verstorbener demenzkranker Menschen spezialisiert. Weitere Informationen bietet dieser Artikel.

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