„Übertreibung durch Fußball-WM möglich“ | wissen.de
Total votes: 22
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
wissen.de Artikel

„Übertreibung durch Fußball-WM möglich“

Klaus Lüpertz, Leiter der Private-Banking-Strategie bei der Investment-Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt, ist für seine messerscharfen Analysen bekannt. So warnte Lüpertz mitten in der großen Dot.com-Euphorie vor dem Platzen der Internet-Blase. In einem exklusiven Interview nimmt Lüpertz nun im Gespräch mit wissen.de die Sportartikelbranche unter die Lupe.

Die neuen Analysten-Lieblinge - Sportartikel-Aktien

Unternehmen aus dem Sportartikel-Sektor haben derzeit einen guten Stand bei den Investmenthäusern. Im Konsumgüter-Bereich schnitt der Sektor mit einer durchschnittlichen Analysten-Bewertung von 2,12 ab - das Rating reicht von der besten Bewertung 1 („Strong Buy“) bis zur schlechten Bewertung 5 („Strong Sell“). Damit wird der Sportartikel-Sektor im gesamten Konsumgüter-Bereich als am attraktivsten eingestuft - deutlich vor der klassischen Bekleidungs- (2,35), Nahrungsmittel- (2,53) und Getränke/Tabak-Industrie (2,56).

Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich bei den Einzelwerten ab: In zehn der letzten elf Analysten-Einschätzungen wurde etwa die Puma-Aktie zum Kauf empfohlen (Gesamt-Rating 2,0). Auch die Global Player Nike (2,10) und adidas-Salomon (2,46) werden bei Research-Studien überwiegend als „Kauf“ gehandelt. HSBC Trinkaus & Burkhardt-Analyst Klaus Lüpertz erklärt, warum Sportartikler derzeit so gefragt sind und was Anleger in Zukunft noch von der Branche erwarten dürfen.

Wissen.de: Wie beurteilen Sie die Sportartikelbranche aktuell: Wie attraktiv ist der Sektor im gegenwärtigen Börsenumfeld?

Klaus Lüpertz: Die allgemeine Wirtschaftslage zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Das gilt vor allem für die USA, aber auch in Europa deuten die ersten Indikatoren darauf hin; selbst in Japan sind erste Erholungstendenzen absehbar. Also gute News für die Branche - sollte man meinen, denn: Das „Sorgenkind“ in fast allen Wirtschaften ist noch der private Verbrauch, was vor allem vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit verständlich ist. Ich denke aber, dass diese Belastung des Sektors im Lauf der Zeit abnimmt und wir zum Jahresende hin auch eine Belebung des Konsums sehen werden. Von daher gilt für die Sportartikelbranche das, was auch für andere zyklische Sektoren gilt: In der Frühphase des wirtschaftlichen Aufschwungs sind diese Sektoren in einem Depot überzugewichten. Allerdings: Durch die Fußball-WM kann es zu temporären Übertreibungen der Kurse kommen.

Fußball-WM sorgt für verstärkte Aufmerksamkeit

Wissen.de:Glauben Sie, dass adidas-Salomon und Puma in nächster Zeit (12-18 Monate) entsprechend besser als der breite Markt (DAX) performen?

Klaus Lüpertz: Eine Outperformance der genannten Titel gegenüber dem DAX30 halte ich dennoch für eher unwahrscheinlich. Der DAX30 ist der mit großem Abstand zyklischste Index in ganz Europa und die entsprechenden Titel sollten in meinem Aufschwungszenario besser performen als die Sportartikelhersteller.

Wissen.de: Über die Fußball-Weltmeisterschaft in Japan wird enorm viel berichtet. Ist dieses - nach den Olympischen Spielen zweitwichtigste - Sportereignis ein ernst zu nehmender Faktor bei der Bewertung von Aktien wie adidas-Salomon, Puma, Nike oder Reebok?

Klaus Lüpertz: Den Aktien wird zweifellos im Rahmen dieser Veranstaltung wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Das gilt sowohl für die Medien, die wieder ausführlicher darüber berichten - wie auch dieser Beitrag zeigt -, als auch für die Anleger. In diesen Phasen gilt es aber immer kühlen Kopf zu bewahren, da häufig allein aufgrund der gestiegenen Aufmerksamkeit auch die Kurse ansteigen, ohne dass es dafür fundamental nachhaltige Gründe gibt. Die Bewertung droht in solchen Phasen immer etwas heiß zu laufen.

Sportartikelhersteller stoßen ins Mode-Segment vor

Wissen.de: Puma macht es vor: Lifestyle als Wachstumssegment. Haben die Sportartikelhersteller eine Chance, der klassischen Modebranche Anteile abzunehmen - oder sind die Wachstumsraten ausgereizt? Pointiert: Welcher Branchenzweig ist für Sie attraktiver: die Sportartikel- oder die Modehersteller?

Klaus Lüpertz: Die letzte Frage kann man so nicht pauschal beantworten. Sportartikelhersteller haben mit ihren Kollektionen, die sich an junge und jung gebliebene Leute richten, in dieser Käufergruppe mit Sicherheit gute Chancen. Die Ausweitung der Produktpalette über den reinen Sportbereich hinaus ist seit einigen Jahren zu beobachten und läuft in diesem Segment auch sehr erfolgreich. Daneben sind die „reinen“ Modehersteller aber in einer anderen Zielgruppe sehr erfolgreich, die auch kaum von den Sportfirmen angegriffen werden kann. Ich denke, dass beide Gruppen nebeneinander gut existieren können. Viel entscheidender für Erfolg oder Misserfolg ist aber die Konsumfreudigkeit der Menschen, die ihrerseits wieder eng mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage verknüpft ist.

Das Gespräch führte Nils Jacobsen

Klaus Lüpertz leitet den Bereich Private-Banking-Strategie bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Für das manager-magazin.de kommentiert Lüpertz in regelmäßigen Intervallen das Börsengeschehen. Im Herbst letzten Jahres veröffentlichte er zudem seinen ersten Buchtitel, „Internetaktien. Gewinnstrategien nach dem Crash“.

Total votes: 22
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.