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Urlaubsziel Gesundheit

Health Holidays voll im Trend

Zwei Tage zu Geschäftpartnern nach New York, danach zu Sondierungsgesprächen nach Moskau und dazwischen: eine entspannende Ayurveda-Massage in Goa. Ein neuer Trendmarkt macht’s möglich: Health Holidays sind der neue Boom in der Tourismusbranche. Ob Klima-Therapie am Toten Meer oder Auftanken in einem Alpenkurbad - für jeden Geschmack ist etwas dabei.

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Fit für den Mega-Markt

Laut Reiseanalyse 2002 ist die Nachfrage nach Gesundheits- und Wellnessferien seit 2000 sprunghaft gestiegen. Das Interesse am Wellnessurlaub (Schwerpunkt Relaxen) wuchs um 125 Prozent. 51 bzw. 46 Prozent mehr Deutsche zeigten sich zu einem Fitnesstrip bzw. einem Urlaub mit medizinischer Betreuung geneigt.

Die Tourismusbranche ist voll auf das Geschäft mit der Gesundheit abgefahren. Es ist ein "Megamarkt", begeistert sich der Geschäftsführer der Österreich Werbung, Arthur Oberascher. Immer mehr Erholungssuchende sind bereit, für ihr Wohlbefinden tief in die Tasche zu greifen. Im Schnitt gibt der Wellness-Urlauber täglich 22 Euro mehr aus als Otto Normalreisender.

Rund zehn Milliarden Euro beträgt das geschätzte Marktvolumen von Gesundheitsreisen in der Bundesrepublik pro Jahr. Die Zahl derjenigen, die sich ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen, ist groß. Heilpraktiker empfehlen sich als Gesundheits-Coachs, Existenzgründer finden mit Kräuterwanderungen oder Trommeln in der Toskana eine Marktnische, General-Interest-Anbieter machen mit sprechenden Namen wie "Mediplus Reisen" oder "Dr. Holiday" auf sich aufmerksam. Der Hannoveraner Reiseveranstalter TUI ist auf den Zug aufgesprungen und präsentiert mit "Vital" einen Spezialkatalog für Urlaubsreisen mit Gesundheitseffekt.

Fit für den Riesen-Run machen sich auch die gebeutelten rund 330 deutschen Kurorte. Nach der Gesundheitsreform war ihnen erst einmal die Hälfte aller Gäste weggeblieben. Heute haben die meisten von ihnen dank Selbstzahler die Krise überwunden.

Die Qual der Wahl

Das Angebot ist nahezu unüberschaubar. Bevor sich der erholungsbedürftige Tourist bequem in seiner Fangopackung ausstrecken kann, hat er die Qual der Wahl: Kneipp oder TCM (Traditionelle Chinesische Medizin), Heilfasten oder Verwöhnpaket, Fünfgang-Menü im First-Class-Hotel oder Kartoffelsuppe im Heubadehof ...

Unterscheiden lassen sich vor allem drei Haupt-Typen von Gesundheitsreisenden:

  • Die Preisbewussten wollen möglichst günstig zu einer Behandlung kommen. Sie verbinden zum Beispiel die Bäderstadt Budapest mit einem Besuch beim Zahnchirurgen. Oder kombinieren in Südafrika Schönheitschirurgie und Safari.
  • Chronisch Kranke oder Allergiker suchen Linderung für ihr Leiden. Hoffnung versprechen Thermalbäder von Bad Heilbrunn bis Montegrotto oder Klimakuren von der Nordseeinsel Borkum bis Ein Bokek am Toten Meer.
  • Die Gestressten wollen im Urlaub einmal so richtig ausspannen und sich rundum durchchecken lassen. Je nach Gusto und Geldbeutel wandeln sie auf den Spuren von Kaisern und Königen in berühmten Kurorten wie dem tschechischen Karlsbad. Oder gönnen sich eine Verschnaufpause in einem der letzten Paradiese der Welt. Nur ein Beispiel: der Agastya Ayurveda Garden im indischen Kerala. Auf dem ca. 50.000 Quadratmeter großen Areal am Meer sorgen zehn hauseigene Masseure und ein Arzt für ca. 30 bis 40 Gäste.

Die Preise sind so variabel wie das Angebot. Superschnäppchen wie die Wochen-Schnupperkur im niederbayrischen Bad Füssing gibt es schon ab rund 200 Euro. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Ab ca. 1000 Euro bekommt man eine Woche Totes Meer inkl. Flug ebenso wie drei Tage in dem exklusiven Ayurveda-Parkschlösschen Traben Trarbach.

Etikettenschwindel

Angesichts der verwirrenden Fülle dürfte es den meisten schwerfallen, sich für ein Ziel zu entscheiden. Zumal es keine offiziellen Gütesiegel gibt. "Wellness ist kein geschützter Begriff", warnt die Gesundheitsexpertin Ulrike Pilz-Kusch von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen vor "Etikettenschwindel". Eine Entscheidungshilfe bieten die Verbraucherzentralen mit dem Ratgeber "Gesucht: Wellness".

In Deutschland haben sich rund 500 Hotels das webewirksame Wort auf die Flagge geschrieben. Die schwarzen Schafe der Branche besitzen manchmal nur eine Kellersauna, mit der sie eine neue, zahlungswillige Klientel anlocken wollen.

Nur 41 Häuser gehören dem Qualitätsverbund Wellness-Hotels-Deutschland an. Sie lassen ihr Wohlfühl-Ambiente regelmäßig durch externe Tester bewerten. Allerdings genügten auch sie nicht alle den strengen Anforderungen der Stiftung Warentest. Die Verbraucherstiftung prüfte 22 deutsche Wellness-Hotels und fand dabei zum Teil erhebliche Qualitätsunterschiede.

Wer tatsächlich erholt von seinem Urlaub zurückkommen will (und nicht mit vor Ärger erhöhtem Blutdruck), sollte sich vor der Buchung umfassend informieren.

Qualitätskriterien

Kriterien für ein sinnvolles Preis-Leistungsverhältnis sind unter anderem:

  • Ausführliche Unterlagen über das Behandlungsprogramm. Welche Anwendungen sind im Preis enthalten, für welche Erkrankungen eignet sich der Aufenthalt besonders. So kann bei einem Kurbad die spezielle Zusammensetzung des Heilwassers wichtig sein.
  • Ist die Behandlung eine "Eintagsfliege" oder werden Tipps für zuhause gegeben?
  • Welche Ausbildung haben die Therapeuten? Ein fernöstliches Ayurveda-Studium dauert zwölf Semester - hierzulande kann man den Titel Wellness-Trainer teilweise schon in einem sechsmonatigen Schnellkurs erwerben.
  • Billige Angebote können manchem teuer zu stehen kommen. So warnen ärztliche Fachverbände vor Schönheitsoperationen zu Dumping-Preisen. Spezialisten klagen über Kunstfehler ausländischer Kollegen wie verrutschte Brust-Implantate, die in heimischen Gefilden wieder korrigiert werden müssen.
  • Die Zeitplanung muss stimmen. Eine Woche Ayurveda in Indien wird kaum von Erfolg gekrönt sein. Denn der Körper braucht mehrere Tage Erholung, um sich an das fremde Klima zu gewöhnen.

 

Monika Wittmann
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