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City Fish

New York. Über acht Millionen Menschen leben hier, der Bedarf an Lebensmitteln in dieser Großstadt ist gigantisch. Der Fischmarkt in der Bronx. Was hier gehandelt wird, hat schon eine weite Reise hinter sich, zum Beispiel aus Asien, Europa oder der Karibik. Fisch von der heimischen Küste ist längst eine Ausnahme. Nur ein kleiner Teil des Angebotes ist überhaupt noch Wildfisch, die meisten stammen aus Zuchtbetrieben vom anderen Ende der Welt und waren wochenlang tiefgefroren unterwegs. Am Brooklyn College arbeiten die Biologen an einem Experiment, das sich mit der Fischzucht der Zukunft beschäftigt.Der Biologe Martin Schreibman hat sich ganz dem Projekt "City Fish" gewidmet. Das heißt: Fischzucht mitten in der Stadt. In seinem Institut hat er eine Versuchsanlage installiert. Der Biologe züchtet hier Tilapias, in Deutschland als Victoriabarsch bekannte Süßwasserfische. Diese Tiere sind sehr genügsam, können rein vegetarisch ernährt werden und sind kaum krankheitsanfällig. Sie wachsen heran in einem geschlossenen System, in dem durch das rein pflanzliche Futter relativ wenig Schmutz anfällt. Das Brauchwasser, das regelmäßig durch frisches ersetzt wird, ist allerdings kein Abfall. Die darin befindlichen Schmutzpartikel und Exkremente, die die Fische krank machen würden, sind der ideale Nährboden für Schreibmans Algenzucht, aber auch Gemüse wie Kohl und Erbsen hat er darin schon gezogen. Und der Clou: Die Pflanzen reinigen dabei das Wasser. Ein System in perfekter Balance. In Trinkwasserqualität pumpt Schreibman das Wasser wieder in den Fischtank zurück. Martin Schreibman lässt kaum einen Tag vergehen, ohne die Gesundheit der Fische zu kontrollieren. Und die ist hervorragend. Medikamente wie sie in vielen klassischen Aquakulturen zum Standard gehören, musste er seinen Fischen noch nie geben. Weder Parasiten noch Pilze hat Schreibman je gefunden. Solange das Projekt "City Fish" noch im Versuchsstadium steckt, darf er den Fisch noch nicht verkaufen, aber er isst sie selber und verschenkt sie auch. Was hier im Kleinen funktioniert, hat Modellcharakter und könnte eines Tages auch im großen Stil möglich sein. Martin Schreibman, Biologe"Man kann nur gewinnen, weil man mehrere Organismen in einem System züchten kann, in dem man früher nur einen hatte. Die beiden sind symbiotisch. Die Pflanzen halten beispielsweise das Wasser sauber. So senkt man auch die Kosten, weil man zwei marktfähige Produkte herstellt." Für Schreibman gehört die Zucht raus aus den Buchten und rein in die Stadt. Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis in unseren Städten große Fischzuchtanlagen entstehen.

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