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Deichbau in Norddeutschland

Zum typischen Bild von Norddeutschland gehören die Deiche. Die aufgeschütteten Erdhügel sollen das Land vom Wasser trennen. Und zu den Deichen wiederum gehören die Schafe, die hier weiden. Sie halten das Gras kurz und trampeln die Erde fest. Das Gras soll Erdabtragungen verhindern und mehr Stabilität liefern.Wie wichtig der Küstenschutz durch Deiche ist, zeigt sich bei Ebbe. Dann werden alte Siedlungsgebiete sichtbar, Reste von Häusern beispielsweise, die das Wasser unter sich begraben hat. Hans-Joachim Kühn, Archäologe: "Die Menschen haben durch Deichbau und Warftbau in dieser Region immer wieder versucht, sich den Angriffen des Meeres entgegenzusetzen. Und das hat immer Ruhephasen gegeben, wo man sich sehr sicher gefühlt hat und dann ist das Meer wieder eingebrochen und hat diese ganze Sicherheit wieder zerstört und man hat einen hohen Zoll gezahlt an Menschenleben und auch an Leben der Haustiere in dieser Region." Deichbau hat daher notwendigerweise eine lange Tradition. Es werden nicht nur einfach künstliche Dämme aufgeschüttet, heutige Deiche sind ein ausgeklügeltes System. Häufig bestehen sie aus einem Sandkern. Um die Wellen zu brechen, liegt vor dem Deich das Vorland. Früher diente diese Fläche der Landgewinnung und wurde vor allem als Ackerland genutzt. Heute hat das Deichvorland einen ökologischen Nutzen. Hier werden mehr und mehr Biotope ausgewiesen, die Natur bleibt sich selbst überlassen. Das aber stößt auf Widerstand. Viele Anwohner glauben, der Naturschutz werde zu wichtig genommen und dem Küstenschütz übergeordnet. Sie befürchten: Das Land hinter dem Deich ist nicht mehr sicher. Dr. Bernd Scherer, Leiter Meeresschutz: "Es sind wahrhaftig nicht alle Schäfer und Bauern, aber es ist richtig, dass einige Menschen glauben, dass der Naturschutz den Küstenschutz beeinträchtigt. Nichts ist aber weniger der Fall, denn der Naturschutz ist immer dann, wenn es um Menschenleben und um Sicherheit geht nachrangig und wir kümmern uns nur dann um den Erhalt von Vögeln, von Würmern und von Schnecken, wenn dadurch menschliches Leben und Sicherheit nicht beeinträchtigt werden." Die Küsten verändern ständig ihr Aussehen. Vor allem seit durch die Klimaveränderung der Meeresspiegel steigt, werden Deichbau und Küstenschutz immer wichtiger .Hans-Joachim Kühn, Archäologe: "Wenn man in die Geschichte zurück schaut, da sind Ereignisse, die sich immer wieder wiederholt haben. Und wir haben überhaupt keinen Anlass zu glauben zur Zeit, dass es nicht immer wieder kommt, dass nicht Sturmfluten kommen, die alles übertreffen, was wir bisher erlebt haben. Und deshalb muss man eben äußerst wachsam sein und den Küstenschutz immer wieder anpassen an die sich verändernden Sturmfluthöhen und Sturmflutheftigkeiten in dieser Region." Damit die Küsten Norddeutschlands sicher bleiben, müssen die Deiche stetig kontrolliert und ausgebessert werden. Küstenschutz ist eine Mammutaufgabe und niemals abgeschlossen.

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