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Der Robin Hood von Paris

"Madame - hätten Sie mal drei Euro?" "Das ist aber viel" "Nein, ist es nicht!" "Kamerad, wir wär's mit einem Schein, einem Scheck oder einer Münze?"Immerhin - eine Zigarette springt für ihn heraus. Jean-Marc Restou war 27 Jahre lang obdachlos - das hier ist sein "Büro, wie er es nennt. Arme, Bettler wie er gibt es unzählige in Paris. In der Stadt der Mode und des Geldes gibt es auch die immer zunehmende Armut. Und wohin sollten sich die Armen wenden, wenn nicht in die Stadt der Reichen. Jean-Marc ist zwar Bettler, aber äußerst ehrgeizig: Erst im Frühjahr wollte er Bürgermeister des piekfeinen Sechsten Arrondissements werden. Jean-Marc Restou "3,73 Prozent habe ich bekommen. 577 Stimmen - nur 13 Stimmen weniger als die Grünen. Ich habe nur 15 Tage Wahlkampf gemacht - die Grünen zweieinhalb Monate."Weil er weiß, dass viele es nicht mehr schaffen werden, will er sich dafür einsetzen, dass ihr Leben am unteren Ende anerkannt wird und lebenswert ist. Jean-Marc Restou "Als erstes würde ich all die Leute aus den Sozialwohnungen rausschmeißen, die da nicht hingehören. 60 Prozent der Sozialwohnungen im Bezirk werden bewohnt von Menschen, die wirklich genug verdienen, um anderswo zu leben."Und damit hat Jean-Marc gar nicht so Unrecht: Die Fehlbelegungen von Sozialwohnungen ist ein großes Problem in der französischen Hauptstadt. Oftmals sind sie gerade von denen besetzt, die selbst in der Verwaltung arbeitet oder dorthin Beziehungen haben. Hinzu kommt noch, dass es viel zu wenige Sozialwohnungen gibt. Immerhin - die Stadt baut ein paar Neue. Jean-Marc Restou "Das werden Lofts für Arme - mit gemäßigten Mieten - so für 1500 oder 2000 Euro im Monat. "Statt Obdachlose zu vertreiben sollte man sie integrieren. Das fordern viele. Es gibt nur wenige Anlaufstelle wie die Rue Clément Nummer 4: Die Soupe Populaire. In der ältesten Suppenküche von Paris bekommen sie jeden Mittag eine warme Mahlzeit. Kostenlos. Bis auf die Köchin und ihre Gehilfin arbeiten hier alle ehrenamtlich. Finanziert wird die Suppenküche aus Spenden. Vertreiben kann sie niemand, denn die Räumlichkeiten sind Eigentum der Stiftung. Alle hier sind sich einig: Nirgendwo ist es so schlimm für sie wie in Paris. Aber nirgendwo anders können sie wenigstens auch ein bisschen hoffen. Obdachlose "Es ist hart. Ich war vorher in Toulouse. Seit zwei Jahren Paris. Paris ist die Hölle." "Ich arbeite manchmal schwarz, ich bettle, ich war nie im Gefängnis und habe niemals jemanden bestohlen. Ich störe nicht."Täglich werden 140 Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben und es kommen nicht nur Obdachlose, erzählt die Chefin "Fanny Lavigne". "Fanny Lavigne" "Es sind oft Menschen, die Familie, Frau und Kinder und einen Job haben, aber sie kommen nicht über die Runden. Ihr Gehalt reicht nicht."Davon kann Jean-Marc ein Lied singen. Zurzeit hat er zwar ein Dach über dem Kopf, doch sein Schuldenberg wächst stetig an. In Paris geht das nicht anders. Aber das lässt ihn nicht den Mut verlieren, - dem Robin Hood von Paris.

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