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Deutsches Gedächtnis

Die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt - das Deutsche Gedächtnis. Hier landet fast alles, was je in Deutschland geschrieben und veröffentlicht wurde. Im Moment sind das gut 23 Millionen Texte. Gesammelt wird, was mehr als 5 Seiten Umfang hat und mindestens 10 mal gedruckt wurde. Stephan Jockel, Deutsche Nationalbibliothek: "Es gibt Dinge, die ausgeschlossen sind, weil sie einfach nicht notwendig sind, um das nationale Kulturerbe, das schriftliche Kulturerbe zu dokumentieren. Dazu gehören etwa Telefonbücher, Fahrpläne, also Dinge, die der reinen Geschäftsabwicklung oder der Verkehrsabwicklung dienen." Die Deutsche Nationalbibliothek geht mit der Zeit und wird immer digitaler. Sie sammelt nun auch das deutsche Internet. Zum aktuellen Zeitpunkt geht das aber nur Ausschnittsweise; Onlinedissertationen zum Beispiel sind ein großes Feld. Zukünftig soll das ganze deutsche Web erfasst werden, etwa Blogs und Foren. Dazu kommen dann moderne Methoden wie das Webharvesting zum Einsatz. Stephan Jockel, Deutsche Nationalbibliothek: "Webharvesting ist ein Verfahren, bei dem man einen Roboter ins Internet losschickt, der einfach alle Seiten, die bestimmte Bedingungen erfüllen, zum Beispiel der topleveldomain.de anzugehören, sammelt und zur Archivierung an eine Zentrale sendet." Im Keller der Deutschen Nationalbibliothek laufen schon heute jede Menge Datenströme. Die IT-Spezialisten müssen unter anderem Publikationen, die nicht in Buchform, sondern auf einem Speichermedium veröffentlicht wurden, archivieren. Unzählige Server gilt es zu verwalten. Hinzu kommt: diese Veröffentlichungen  müssen auch Jahre später noch nutzbar sein. Ein Beispiel: An diesem modernen Windows-Rechner läuft ein Commodore-64-Programm. Es wurde 1986 programmiert. Um derart alte Software auch heute noch lesen zu können, gibt es zwei Verfahren: Emulation und Migration. Stephan Jockel, Deutsche Nationalbibliothek: "Emulation ist das Verfahren, dass man auf einem heutigen Server ein veraltetes System nachbildet, Software-technisch, damit dann dieses Dokument dort wiedergeben kann oder dieses Produkt. Und die Migration ist das umgekehrte Verfahren, man wandelt einfach die Veröffentlichung so lange um, bis sie immer wieder in dem jeweils aktuellen lesbaren Format vorliegt." Bücher werden heutzutage auch immer häufiger digitalisiert, das heißt eingescannt. Vorteil hierbei: die Publikationen stehen dann auch online, im Webkatalog der Bibliotheken zur Verfügung. Besonders älteren Exemplaren bleibt die Ausleihe erspart und sie werden geschont. Viele Nutzer lesen ohnehin mittlerweile lieber am Bildschirm als in einem Buch - die Gewohnheiten ändern sich. Und die Deutsche Nationalbibliothek wird immer wieder vor neue Aufgaben gestellt.

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