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Die Cowboys der Toskana

Ganz im Süden der Toskana, die Maremma. Bis vor 80 Jahren noch waren das hier Sümpfe. Mitten im heutigen Naturpark ein staatliches Gut, die Azienda Agricola di Alberese. Hier züchtet man eine lokale Pferderasse, vor allem aber die berühmten Rinder der Maremma. Und um die kümmern sich die Butteri, die toskanischen Cowboys. Bei Wind und Wetter reiten sie aus, 365 Tage im Jahr. Ein harter Job. Buttero, der Name geht aufs lateinische zurück und bedeutet Viehhüter. Den Ausdruck Cowboy hingegen hört man hier nicht so gerne, man hat schließlich eine viel längere Tradition als die amerikanischen Kollegen. Und da sind sie, die Maremma Rinder. Grau in allen Schattierungen, mit besonders langen Hörnern. Sie wären heute ausgestorben, wenn es die Butteri nicht gäbe. Gerade ist Deckzeit, 9 Stiere haben ihren Harem auf der Azienda. Der hier heißt Magiolino und 26 Bräute darf er versorgen. Alessandro Zampieri, Azienda Agricola di Albarese "Diese Rasse überlebt nur, weil es noch Güter wie das unsere gibt. Wir sind sogar verpflichtet diese Rasse zu erhalten. Diese Rinder können nur überleben, weil wir diese Weiden und diese Wiesen haben, diese Sümpfe und ehemalige Sümpfe und diese Pinienhaine. Diese Tiere sind über Jahrhunderte daran gewöhnt in dieser Umwelt zu leben." Acht Monate im Jahr leben die Maremma Rinder draußen unter den Pinien. Auf der Azienda befindet sich das Zentrum der Zucht, hier werden auch Tiere von anderen Gütern aus der Maremma untersucht und erfasst. Die Zucht ist eine der Hauptaufgaben der Butteri, die aber auch noch ganz andere Talente haben: 1911 gewannen die toskanischen Viehzüchter einen Wettkampf im Zureiten von Jungpferden, zu dem sie Buffalo Bill herausgefordert hatten. Auf diesen Sieg sind die toskanischen Cowboys heute noch stolzVon Herbst bis Frühjahr steht hier die Wägung der Jungstiere an. Zwischen November und Juni werden sie alle 3 Wochen gewogen. Entscheidend für die Zucht sind nicht nur Erbanlagen und Gesundheit, sondern auch Körperbau und Wachstum. Der hier heißt Triumpho und wiegt 540 Kilo, er kommt übrigens von einer anderen Azienda. 16 junge männliche Tiere sollen in diesem Jahr ausgewählt werden, um die Rasse der Maremma Rinder zu erhalten. Das Erbe erhalten bei der Zucht der Rinder und der Pferde der Maremma, das ist eine der wichtigsten Aufgaben der Butteri. Auch deshalb lassen sie sich nur ungern vergleichen mit den Cowboys aus der neuen Welt. Denn die Butteri, die Viehhüter des alten Europa, gibt es hier an der toskanischen Küste immerhin schon seit der Antike.

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