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Einsatz in den Schweizer Bergen

Mit gutem Zureden schmeckt selbst die bitterste Medizin. Bauer Domeni: "Medizinaltechnik auf der Alp. Na, ist das gut. Ja, das ist gut. Wunderbar, Wunderbar, wunderbar. Na komm, Brot ist besser." Ein kranker Ochs verdirbt Bergbauer Domeni noch lange nicht die Laune. Schon eher, wenn er mal wieder die Tiere irgendwo einfangen muss. Wenn Domeni über die Zukunft der Bergbauern nachdenkt, ist er ratlos. Es ist sein Traumjob hier oben in den Bergen. Mit den Tieren hat er viel Arbeit, Geld bringen sie ihm aber keines. Bauer Domeni: "Wenn das noch 20 Jahre so weiter geht wie jetzt, wo man sagen muss, das ist fast sinnlos, dann glaube ich läuft das langsam aus." Für sie fängt das Bergbauernleben erst an, allerdings nur für eine Woche. Seit vielen Jahren schickt die Caritas in der Schweiz ehrenamtliche Helfer in die Berge. Ohne Lohn wollen sie Bauer Domeni zur Hand gehen. Wer sich für diesen Einsatz meldet, muss richtig anpacken. Ferien auf dem Bauernhof sehen anders aus. Stallbursche Stephan hat die Neulinge im Auge. Stephan Stallbursche: "Die Städter machen sich ziemlich gut. Beim Mähen mit der Sense gibt's noch ein paar kleine Probleme, aber sonst sind sie tüchtig." Diese steilen Berghänge rauben nicht nur den Städtern die Kräfte. Immer weniger junge Schweizer wollen die Höfe übernehmen. Zu viel Arbeit für zu wenig Lohn. Da gehen die meisten lieber im Tal arbeiten. Auch Domeni war immer auf ein festes Gehalt angewiesen: Bauer Domeni: "Meine Frau hat einen vollen Lohn. Der bewegt sich so um die 5000 Franken im Monat. Jetzt nicht mehr, aber damals lange Jahre. Und das geht, davon kann man schon eine Familie ernähren. Man kann auch noch in die Landwirtschaft investieren, dass geht auch noch. Ich denke, ich hätte das alleine nie geschafft." Nach der Arbeit kümmert sich Domenis Frau noch um den Haushalt. Voller Einsatz für den Berghof, doch auch das reicht nicht aus. Die meisten Bergbauern gibt es heutzutage nur noch, weil der Schweizer Staat ihnen mit Subventionen unter die Arme greift. Geld alleine reicht aber nicht. Tatkräftige Unterstützung muss her. Die ehrenamtlichen Helfer der Caritas tragen mit ihrem Einsatz zu einer der wichtigsten Aufgaben in den Alpen bei: Der Landschaftspflege. Daniel Krossenbacher, Caritas: "Das ist ein schönes Landschaftsmuseum, aber das hat seinen Grund, dass es das überhaupt ist. Das ist nämlich eine gepflegte Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte entstanden ist. Und verantwortlich dafür sind die Bergbauern. Und wenn wir diese Landwirtschaft wollen und wenn wir auch die Produkte wollen, die produziert werden, dann müssen wir etwas dafür tun. Und eine Möglichkeit ist eben diese Bewirtschafter, die das noch tun zu unterstützen. Und genau das machen wir." Landschaftspfleger zu sein, damit hat Domeni kein Problem, er arbeitet gern und viel. So viel, dass die Helfer ins staunen geraten. Freiwilliger Helfer der Caritas: "Da hab ich manchmal fast ein schlechtes Gewissen, wie ich dann lebe, wie ich unten lebe, mit diesem Luxus und der Bequemlichkeit, meine Arbeit ist gegen diese Arbeit hier nichts, überhaupt nichts." Nach einer Woche Sensen und Rechen zieht es die freiwilligen Helfer wieder in die Stadt. Domeni bleibt, auch freiwillig. Im Tal könnte er als Angestellter arbeiten. Er hätte dann ein ruhigeres Leben, mehr Zeit, mehr Möglichkeiten. Aber ein anderer Arbeitsplatz als dieser hier oben, kommt für ihn überhaupt nicht in Frage.

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