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Frauen auf neuen Wegen

Riad. Die Hauptstadt des Königreiches Saudi Arabien. Seit der Staatsgründung in den 30er Jahren ist das Land eine autokratische Monarchie - die persönlichen rechte sind hier eingeschränkt, vor allem die der Frauen. Sie dürfen ohne einen männlichen Begleiter aus der Familie nicht mal aus dem Haus.Das ist die Realität für Kaussar Moussa. Die junge Künstlerin versucht mit einigen Mitstreiterinnen vorsichtig eine Presche zu schlagen. Sie will ihre Kunst zur Aufführung bringen: Lyrik, Gesang, Musiktheater. Selbstverständlichkeiten für Frauen in aller Welt, aber nicht in Saudi Arabien. Denn Kunst nach dem Selbstverständnis der Sittenwächter ist Männersache. Unter den Augen des Königs werden in diesen Räumen Vorträge über die Geschichte von Saudi Arabien abgehalten, manchmal auch Lesungen. Von Männern für Männer - aber auf keinen Fall Gesangstheater. Kaussar Moussa:"Singen sei verboten sagen die Sittenwächter, Theaterspielen unsittlich. Alles Unsinn. Privat haben viele Männer auch gar keine Einwände dagegen. Aber der gesellschaftliche Druck ist einfach zu groß. Was sollen die Leute sagen, wenn man aus der Reihe tanzt. Die "Ehrbare Fassade" muss um jeden Preis Aufrecht erhalten werden. Und so knicken sie ein." Kaussar komponiert seit ihrem 11. Lebensjahr. Veröffentlichen kann sie nur im Internet. Kein Verleger würde ihren lyrisch verpackten Ruf nach Freiheit hier drucken. Die Konventionen zu durchbrechen, ist nicht einfach. Doch Kaussar und ihr Mann gehen ihren eigenen Weg und zwar von Anfang an. Sie lernten sich im Internet kennen und lieben. Für Saudi-Arabische Verhältnisse geradezu ein Skandal. Mohamed Moussa:" Es ist üblich hier, dass ein Mädchen seinen Cousin heiratet oder zu mindestens ein Mitglied aus dem Familienclan. Einfach so jemanden kennenlernen ist fast unmöglich. Mit der Tradition auch fast unvereinbar. Die Ältern suchen hier den passenden Partner für ihre Kinder. Aber das Internet hat schon viel verändert." Einfach eine Ehe wie in London, Paris oder Berlin führen, das ist hier schwer vorstellbar. Ständig gilt es strenge Regeln zu beachten, vor allem für Frauen. Die Angst, religiöse oder sittliche Gebote verletzt zu haben ist allgegenwärtig. Kausar Moussa:"Männer haben hier ständig Furcht vor Veränderung vor etwas Neuem. Besonders wenn Frauen sich zu Wort melden. Meine Aufgabe ist es ihnen die Furcht zu nehmen, egal ob Vater, Bruder, oder Ehemann. Ich versuche ihnen die Gewissheit zu geben, dass das was ich mache, nichts verbotenes, nichts unsittliches, falsches ist. Natürlich darf ich die unsichtbare rote Linie dabei nie überschreiten." Im eigenen Land ignoriert, im benachbarten Ausland gefeiert. Bei Auftritten in Bahrain oder Dubai erfährt die Künstlerin Beachtung.Ihr Land verlassen möchte sie trotzdem nicht. Sie glaubt stattdessen, dass auch zuhause Veränderungen möglich sind, wenn sie nur lange genug darum kämpft.

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