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Historische Tsunami

Rom. Das Staatliche Institut für Geophysik und Vulkanforschung ist gleichzeitig auch Erdbebenwarnzentrum für Italien. Hier laufen alle seismologischen Messungen zusammen.

Italien ist neben Griechenland und der Türkei seit langem Tsunami-gefährdet. Und darum sind die Wissenschaftler hier besonders engagiert beim Aufbau eines europäischen Tsunami-Warnsystems.

Geophysiker und Vulkanologen arbeiten seit einiger Zeit an einem Tsunami-Katalog für ganz Europa.

Eine Arbeitsgruppe am Institut ist darauf spezialisiert historische Tsunamis zu erforschen. Sie suchen nach alten Bildern, die Tsunamis darstellen und nach Berichten von Zeitzeugen in der Literatur. Am 5. Februar 1783 gab es beispielsweise zwischen Süditalien und Sizilien ein starkes Erdbeben. Die Wissenschaftler rekonstruieren alle Überschwemmungen. Und erstellen so eine Liste der Orte, die schon einmal von einem Tsunami betroffen waren. Auf einer Karte werden so allmählich immer mehr historische Riesenwellen im Mittelmeer sichtbar. Allein für Italien sind in diesem Katalog inzwischen mehr als 70 Tsunamis erfasst. Die historischen Informationen helfen Studien über mögliche Risiken und Gefahren zu erstellen. Denn Riesenwellen könnten jederzeit wieder die Mittelmeerregion treffen. Zusätzlich zu den Literaturrecherchen werden Erdproben aus den Tsunami-Gebieten auf Rückstände der Riesenwellen untersucht.

All diese Ergebnisse fließen in den Tsunami-Katalog mit ein - die Ereignisse der Vergangenheit sollen mithelfen, einen möglichen Tsunami in der Zukunft zu simulieren.

O-Ton Stefano Lorito, Instituto Nationale di Geofisica e Vulcanologia:

"Das Ziel am Ende ist, eine Datenbank zu haben, mit vorkalkulierten Ereignissen, die zeigen, wie in Realzeit die möglichen Tsunamis ablaufen würden. Im Moment sind wir aber noch am Anfang und auf der Suche nach weiteren Datenquellen in Europa. Um möglichst viele Ereignisse zu simulieren, das wäre dann eine gute Grundlage für ein Warnsystem."

Das gefährliche an einem Mittelmeer-Tsunami ist der Badewanneneffekt. Das Meer ist klein und schmal und die Welle erreicht sehr schnell viele Länder. Ein Tsunami-Frühwarnsystem für die Länder am Mittelmeer soll helfen Katastrophen wie im Pazifik künftig zu verhindern.
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