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Jumbojet im Boxenstopp

Boeing 747 mit der Kennung Victor Charly zum D-Check. Der große Vogel hat 89.000 Flugstunden auf den Flügeln. 11.000 Starts hinter sich gebracht, Blitzeinschläge verkraftet, Temperaturschwankungen von über 40 Grad überlebt und enorme Druckbelastungen weggesteckt. Nach 25 Millionen Kilometern steht der Jumbo wie ausgeweidet im Hangar. Bunte metallische Kabel ragen aus dem ausgehöhlten Torso der Boing 747. Was aussieht wie ein gigantisches Chaos, wo keiner den Überblick behalten kann, ist ein explizit geplantes Unternehmen. Die Vorplanungen zum Gesundheitscheck des Riesen Jumbos sind schon seit sechs Wochen in vollem Gange. Die Boing 747 hat zum dritten Mal den sogenannten D-Check, die größtmögliche Wartung, wo keine Schraube auf der anderen bleibt. Jeder Schritt ist genauestens festgelegt. Strikt nach Handbuch wird Handgriff für Handgriff durchgeführt. Die empfindliche Außenhaut der Flugmaschine besteht aus Aluminiumplatten, Nieten und Bolzen. Das alles wird jetzt Millimeter für Millimeter mit Ultraschall abgetastet um auch jede kleinste Verletzung aufzuspüren. Gute Augen reichen in diesem Job nicht aus. Schließlich steht das Leben von Passagieren und Crew auf dem Spiel. Auch auf die Flügel wartet medizinisches Gerät. Um Beschädigungen auszuschließen werden sie bis in die tiefsten Strukturschichten mittels Röntgentechnik durchleuchtet. Schergewichte haben keine Chance bei den Technikern, die die Röntgenplatten im Tank anbringen. Nur eine schmale Öffnung führt in den dunklen kerosingetränkten Raum. Bei der Operation Röntgen steht Sicherheit an erster Stelle: geröntgt wird nur Nachts, mit einem 8-Mann Team. Wenn die fahrbaren Röntgenpistolen zum Einsatz kommen wird die Maschine im Hangar großräumig abgesperrt. Noch in der gleichen Nacht werden die Bilder kontrolliert und ausgewertet. Die Wartung des Triebwerkes und der Turbinen ist sicher der Höhepunkt des D-Checks. Mit einem Boroskop werden alle 4000 Schaufeln der Triebwerke unter die Lupe genommen. Eine bewegliche Optik wird durch vorgesehene Löcher in das Triebwerk eingeführt, so stehen den Technikern detailreiche Aufnahmen des Innenlebens zur Verfügung. Nur wenn dieses Verfahren auffällige Ergebnisse liefert, bauen die Techniker den Motor komplett auseinander. Bei 50.000 Einzelteilen wird streng nach Demontageplan gearbeitet, damit keiner den Überblick verliert. 250 Mann arbeiten 6 Wochen lang an der Wartung der Boing 747. Beim sogenannten run up werden die Turbinen in der Lärmschutzhalle zum ersten Mal wieder auf Hochtouren gebracht. 50.000 PS röhren und bäumen sich auf. Boing 747 Victor Charly will endlich wieder fliegen!

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