wissen.de
Total votes: 187
VIDEO

Kambodscha - Die Tempelanlagen Angkor Wat   

Mitten im kambodschanischen Dschungel tanzen Elfen und lächeln die Götter. Ihr Antlitz schmückte die Tempel der einst größten Städte der Welt: Angkor. Etwa eine Million Menschen haben im Mittelalter hier gelebt. Nicht Könige regierten das Riesenreich der Khmer - es waren die Götter, so die Sage. Wenn von Angkor die Rede ist, ist zumeist Angkor Wat gemeint - der bekannteste Tempel im Zentrum der einstigen Riesenstadt. Bis heute gehört er den größten Sakralbauten der Welt. Vor ungefähr tausend Jahren wurden die Tempelanlagen aus kunstvoll bearbeiteten Sandsteinen zusammengesetzt. Im 15. Jahrhundert verließen die Khmer plötzlich ihre unzerstörten Tempel. Niemand kennt heute den Grund dafür. Erst vor 150 Jahren entdeckten die französischen Kolonialherren das versunkene Königreich. "Wenn man sich überlegt, wann das gebaut wurde, mit welcher Menge, Masse an Material hier gearbeitet worden ist und man hört, sechshunderttausend Menschen haben hier an diesen Tempelbauten gearbeitet, das sind also unwahrscheinliche Zahlen sind das, also das ist schon...toll." Ohne die steinernen Reliefs an den Tempelwänden wüsste man heutzutage kaum noch etwas über das Angkor-Reich. Die Könige ließen Porträts in den Sandstein meißeln - von sich und den schönsten ihrer Konkubinen, von vierarmigen Vishnus, tanzenden Shivas und Apsaras (Tänzerinnen), von lächelnden Buddhas, Hindu-Göttern und Fabelwesen. Eine bunte Mischung also von buddhistischer und hinduistischer Religion. Angkor ist Legende und Mythos. Hier wurde weltliche Macht in Stein geschlagen und die Götter in prächtigen Kunstwerken dargestellt. Fast zweitausend unterschiedliche steinerne Figuren zieren die Tempelwände des Angkor Wat. Doch die Götter und Elfen von Angkor haben ein Problem: Sie zerfallen. Sandstein zerbröckelt im tropischen Klima. Trotz intakter Fassade brechen die Tänzerinnen in sich zusammen. Professor Hans Leisen aus Deutschland ist Experte für solche Härte-Fälle. Er ist Schönheitschirurg für die Damen aus Stein und arbeitet daran, dass diese ihr bezauberndes Lächeln behalten. Vor vielen Jahren verließ er Deutschland, um in Angkor zu retten, was zu retten ist. Jeden Tag schaut er seinen jungen Kollegen über die Schulter und gibt Hilfestellungen. Sie kratzen Fledermauskot von den Schultern der Göttinnen, rupfen Schlingpflanzen von ihren Beinen und verteilen Steinfestiger in den Rissen der Reliefs. "Sie sehen ja hier, da ist nun der Bereich oben fertig, das bleibt so wie es ist. Das ist verloren, wir wissen nicht, was für Reliefs hier waren, was für Figuren. Das hat ja alles einen mythologischen Hintergrund. Das ist immer eine Geschichte, die erzählt wird. Wir können das nicht rekonstruieren, das wäre auch aus zeitlichen und finanziellen Gründen natürlich gar nicht möglich. Das ist ein Patient und was natürlich hier langfristig auch weiter passieren muss, dass es ständig kontrolliert wird und wieder nachkonserviert wird. Also es wird nie fertig werden." Hans Leisen reist immer wieder hierherl, um die Khmer so gut in der Kunst des Restaurierens auszubilden, dass die Einheimischen irgendwann selbst für die Erhaltung ihres Kulturerbes sorgen können. Angkor Wat ist das Nationalsymbol Kambodschas und ist auf Nationalflagge und Geldscheinen abgebildet. Aber in der Nähe von Angkor Wat gibt es noch hunderte weitere Tempel, die es zu schützen gilt. Die Tempel von Angkor sind das Vermächtnis der Khmer-Zivilisation an die Welt. Wenn man etwas lernen kann an diesem historischen Ort, dann ist es Demut: Vor der Größe menschlichen Schaffens, aber auch vor seiner Vergänglichkeit.

Total votes: 187

Post new comment

0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.