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Korallenforschung

Nach 25 Stunden Flug kommen die ersten Bohrproben einer Expedition in Bremen an. Bis zu 200.000 Jahre alte Korallenbruchstücke aus der Südsee auf ihrem Weg ins Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Thomas Felis kann die Ankunft der Bohrproben kaum erwarten. Er erhofft sich eine möglichst große fossile Koralle. Dr. Thomas Felis, Paläoklimatologe: "Die Korallen sind für uns ein Klimaarchiv, ein Schlüsselloch, ein faszinierendes Schlüsselloch in die Vergangenheit, die uns Informationen über alle möglichen Klimaphänomene geben. Und es ist nur sehr schwierig, gute Korallen zu bekommen, die wir dann benutzen, ausbeuten, aus denen wir die Klimainformationen herausziehen. Das ist wirklich das, wenn sie erst einmal im Labor sind, dann wissen wir, was wir zu tun haben. Es ist aber schwierig, gutes Probenmaterial zu bekommen, weil das Skelett der Korallen sich im Laufe der Jahrtausende auch verändert, teilweise aufgelöst und dann gehen diese Klimainformationen die im Skelett gespeichert sind, verloren. " Doch das Probenmaterial ist gut. Es konnte sogar eine 3,50 Meter lange Koralle erbohrt werden. Optimale Forschungsbedingungen für die Wissenschaftler in Bremen. Das Auswerten der Korallen ist zeitraubend: Um an Daten zu kommen, müssen jedem Kern in regelmäßigem Abstand Proben entnommen werden. Jedes Stückchen könnte ein winziges Teil des Puzzles sein, das klären kann, wie sich das Klima in den letzten Jahrtausenden verändert hat. In einem Meter Koralle können bis zu 500 Jahre Klimageschichte gespeichert sein. Bringt man Einzelteile durcheinander, könnte das die Ergebnisse verfälschen. Auf diese unscheinbaren Klumpen hat die Fachwelt lange warten müssen. Thomas Felis nimmt sich Stück für Stück des Bohrkerns vor. Mit Hilfe der hier gewonnenen Proben soll das Ende der letzten Eiszeit rekonstruiert werden. Prof. Michael Schulz, Klimaforscher:"Wir haben durch den Übergang von der letzten Maximalvereisung in die heutige Warmzeit ein Paradebeispiel dafür wie Eisschilde zerfallen. Und je besser wir das also in den Griff bekommen von der Rekonstruktion her und es dann auch schaffen, das in Modellen nachzuempfinden, wie das passiert ist, dann haben wir natürlich ein größeres Vertrauen in diese Modelle, um beispielsweise anzuschauen, wie die Eisschilde sich in der Zukunft verhalten werden." Die fossilen Korallen sind ein kostbarer Schatz für die Wissenschaft. Deshalb wird ein Großteil der Proben im Bohrkernlager der Universität Bremen für die Zukunft aufbewahrt. 130.000 Bohrkerne aus allen Teilen der Welt warten hier auf ihre Analyse. Vielleicht verraten uns die versteinerten Zeugen der Vergangenheit irgendwann einmal mehr über unsere Zukunft, als wir glauben.

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