wissen.de
Total votes: 75
VIDEO

Kurs auf die Erde

Die Wälder von Neuschwanstein. In der Nacht vom 06. auf den 7. April 2002 erhellt ein gleißendes Licht die Nacht. Bald wird klar, dass über Süd-Bayern ein Meteorit niedergegangen ist. Der Großteil ist beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht doch Teile von ihm haben den Erdboden erreicht. Hobbyastronomen machen sich auf die Suche und das mit Erfolg. Der Meteorit "Neuschwanstein" wurde nach seinem Fundort benannt. Himmelskörper nehmen Kurs auf die Erde, kein Einzelfall. Im Januar 2004 nähert sich ein Objekt von 500 Metern Durchmesser der Erde. Astronomen errechneten eine Aufpralls-Wahrscheinlichkeit von 25%. Damals hatten wir Glück, der Himmelskörper rauschte knapp an der Erde vorbei. Doch was wäre, wenn?Dieser Frage geht man im Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt in Berlin nach. Dr. Alan Harris ist führend auf dem Gebiet der Asteroidenforschung. Der Physiker arbeitet im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA an einer Mission zur Abwehr gefährlicher Himmelskörper. Dr. Alan Harris, Physiker: "Mit der heutigen Technik sind wir in der Lage Weltraummissionen bis zum Mars zu schicken. Wenn aber ein großer Asteroid oder Komet entdeckt würde, der sich auf Kollisionskurs befindet ist die Menschheit darauf völlig unvorbereitet. Es gibt keinen Plan wie wir mit einer solchen Situation umgehen sollen." Die ESA hat sich bereits entschieden, welche Variante von Abwehrmission sie für die einzig realistische und schlagkräftige hält. Projektname "Don Quijote": Zwei Sonden sollen nacheinander Kurs auf den Asteroiden nehmen. Die erste, "Sancho," soll ihn sechs Monate umkreisen, um möglichst viele Informationen über Form, Dichte und Schwerkraftfeld des Brockens zu sammeln. Für "Hidalgo," die zweite Sonde, stehen dann alle Informationen bereit um den Himmelskörper mit voller Wucht an der wirkungsvollsten Stelle zu treffen. Der Versuch soll zeigen, ob es möglich ist, auf diese Art einen Asteroiden vom Kollisionskurs mit der Erde abzulenken. Bei der ESA im niederländischen Noordwijk werden die Sonden auf Herz und Nieren geprüft, unzählige Faktoren können über das Gelingen oder das Scheitern einer Mission entscheiden. Frühestens in sieben Jahren können "Sancho" und "Hidalgo" ihre Reise antreten. Bis zum Start ist es noch ein weiter Weg. Ian Carnelli, Raumfahrtingenieur: "Hier schalten wir nacheinander alle Geräte ein um sicher zu gehen, dass sie sich nicht gegenseitig beeinflussen. Wenn sie im Auto Radio hören und ihr Handy klingelt, dann gibt es ein Störgeräusch. Wenn wir zur Sonde funken, wollen wir natürlich nicht dass sich plötzlich durch elektromagnetische Störungen zum Beispiel ein Donnensegel schließt." Doch auch im Idealfall, wenn alle Komponenten der Mission perfekt funktionieren, ist der Erfolg nicht garantiert. Dr. Alan Harris, Physiker: "Das Ziel eines Abwehrsystems ist es den Einschlag buchstäblich von der Erdkugel zu schieben, wenn es dabei aber eine Panne gibt, dann bewegen wir den Einschlagsort lediglich in einen anderen Teil der Welt. Zum Beispiel von den Vereinigten Staaten hinüber nach Russland." Dann entsteht neben der kosmischen Katastrophe auch ein massives politisches Problem.

Total votes: 75