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Leben im 21. Jahrhundert: Multitasking

Eigentlich machen die meisten Leute ab und zu mehrere Sachen gleichzeitig. Manche kochen, lesen, telefonieren und sehen dabei auch noch fern. Viele trinken und hören Musik beim Arbeiten. Und fast alle haben Erfahrungen mit dem gleichzeitigen Essen und Gehen - doch selbst so ein relativ einfaches Multi-Tasking funktioniert nicht immer. Stellen sie sich vor, sie gehen von Punkt a zu Punkt b in einer ihnen völlig unbekannten Gegend. Hier hat ihr Gehirn schon genug damit zu tun, auf den Weg zu achten. Wo bin ich, gibt es Löcher oder Pfützen auf dem Bürgersteig, bin ich noch richtig? Ihre ganze Aufmerksamkeit ist allein mit dem Wegsuchen beschäftigt. Doch irgendwann gehen sie dieselbe Route zum zweiten Mal, zum dritten Mal, zum zehnten und irgendwann zum hundertsten Mal – ihr Gehirn kennt jetzt den Weg. Sie brauchen ab sofort weniger Informationen und Aufmerksamkeit. Ein paar markante Objekte genügen, damit sie nicht stolpern oder um Hindernisse herum kommen. Ihr Gehirn arbeitet jetzt routiniert, das heißt im Sparmodus. Dadurch wird es enorm entlastet und kann seine Kapazität auch für andere Beschäftigungen nutzen. Nicht nur zum Gehen, sondern auch zum Eis essen etwa. Oder zum Telefonieren. Oder alles gleichzeitig. Die Voraussetzung für Multitasking ist, dass alle Sachen mit halber Aufmerksamkeit funktionieren. Übernimmt eine Handlung jedoch die Oberhand, bricht das System zusammen. Wird zum Beispiel das Telefongespräch plötzlich ernst, halten sie vermutlich an und hören auf zu essen. Verläuft die Unterhaltung wieder in gewohnten Bahnen, hören sie wieder mit halbem Ohr zu und gehen weiter. Nehmen wir mal an, sie hören von einer guten Freundin dieselbe Geschichte nun schon zum fünften Mal. In diesem Fall können sie sich erlauben nebenbei noch so einiges zu erledigen. Doch plötzlich bekommt die Geschichte eine unerwartete Wendung – das Gehirn reagiert sofort und fokussiert seine ganze Aufmerksamkeit auf den neuen Reiz. Diesen Reflex kann man nicht abstellen, er funktioniert unbewusst. Doch das hat Folgen. Wir verpassen nicht nur, was sonst noch los ist, nach circa drei Sekunden gehen sogar die Daten für andere Aufgaben aus dem Kurzzeitgedächtnis verloren. Wir vergessen zum Beispiel, dass wir neben dem Telefonieren auch noch am Kochen sind - das Gemüse brennt an. Die Psychologie sagt, Multitasking ist nicht unendlich möglich. Man hat herausgefunden, sieben plusminus zwei Objekte kann ein Mensch zugleich verfolgen und dabei einfache Entscheidungen treffen – vorausgesetzt, er wird nicht abgelenkt. Schwieriger wird es, je mehr Muskeln und Bewegungen koordiniert werden müssen. Manchmal ist es deshalb sogar verboten mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, zum Beispiel Telefonieren und Fahrrad- oder Autofahren. Diesen Tätigkeiten sollte man die volle Aufmerksamkeit widmen.

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