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Logistik der Massen

Das Einfallstor in die Stadt Tokyo ist der Bahnhof Shinjuku. Gemessen an den Fahrgastzahlen - der größte Bahnhof der Welt. Drei Millionen Menschen strömen pro Tag durch den Bahnhof. Eine logistische Herausforderung, denn die Bewegung der Massen muss immer im Fluss bleiben. Denn es gilt Chaos und Panik zu verhindern. Das RTRI. Das japanische Institut für Bahntechnologie am Stadtrand von Tokyo. Die halbstaatliche Forschungseinrichtung ist maßgeblich an der Entwicklung des japanischen Transportwesens beteiligt. Die Anforderungen haben sich über die Zeit gewandelt in Japan. Die Bewältigung von Massen auf den Bahnhöfen ist das große Thema. Norii Thomi erforscht den Fluss von Menschen auf japanischen Bahnhöfen. Mit einem speziellen Simulationsprogramm können die Bewegungen der Menschenströme analysiert werden. Sichtbar werden vor allem die Staupunkte. Die Simulation zeigt den verbesserten Fluss nach durchgeführten Umbaumaßnahmen z.B. durch den Einbau zusätzlicher Treppen. Norii Tomi, Informatiker"Man muss erst einmal Daten darüber sammeln wie viele Menschen sich im Bahnhof zu bestimmten Zeiten bewegen. Und vor allem wie. Auf dieser Basis lassen sich Simulationen erstellen. Die Schwierigkeit besteht darin, mit einer weiteren Simulation eine Prognose zu erstellen, wie sich die Menschenbewegungen nach Umbaumaßnahmen verändern könnten." Norii Thomi berechnet die Anzahl der Personen pro Quadratmeter und die jeweils unterschiedlichen Laufgeschwindigkeiten bei veränderter Dichte. Dort, wo sich Menschenströme kreuzen, entstehen Problemfelder. Der Fluss der Menschen wird verlangsamt. Der Forscher hat bereits Anfragen aus Mekka erhalten. Auch dort will man seine Simulationen einsetzen. Damit alles fließt, muss es gleichförmig zugehen in Japan. Wer nicht im Strom mitläuft, ist ein Störfaktor. Um auch sehbehinderte Menschen in den Strom zu integrieren, wird einiges getan. Bahnhöfe und andere öffentliche Orte sind mit Markierungen versehen. Damit sich Blinde besser zurechtfinden, arbeitet das Eisenbahninstitut an einem sprachgesteuerten Navigationssystem. Die gelben Markierungen sind mit Chips versehen, die an einen Sensor am Ende des Stockes Informationen übermitteln. Die Daten werden auf das Navigationssystem im Handy übertragen und in Sprache umgewandelt. Spricht man sein Wunschziel ein, leitet das System dorthin. Die neuen Leitsysteme sollen nun so umgerüstet werden, dass auch Nicht-Sehbehinderte sie nutzen können. Denn Tokios Bahnsystem ist selbst für den geübten Bahnfahrer eine echte Herausforderung.

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