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'Macheros' - Die Muscheltaucher an der chilenischen Küste

Vor der Küste Chiles in der stürmischen See liegt die Insel Chiloe. Jeden Morgen kurz nach Sonnenaufgang treffen sich hier an einem einsamen Strand fünf Freunde. Mit ihrem alten, verbeulten Chevy sind sie aus der Stadt Ancud gekommen. Sie wollen nach Machas tauchen - einer Edelmuschel, die in den Fischrestaurants Südamerikas als teure Delikatesse gilt. Daher nennen sich die Männer "Macheros". Einer von ihnen muss an Land bleiben. "Er passt auf, dass der Kompressor läuft. Wenn der stehen bleibt, kriegen wir keine Luft mehr." Ein alter Kompressor, zerschlissene Neopren-Anzüge und zerkratzte Taucherbrillen. So wie Gustavo, der Boss der verwegenen Truppe, hängt sich jeder Machero vierzig Kilo schwere Bleigewichte um, damit man auf dem Meeresboden gehen kann. Es ist ein gefährlicher Job. Gustavo "Das Meer ist böse hier - stürmisch an der ganzen Küste. Und hier, wo die Strömung am Stärksten ist, sind die meisten Machas." Auf geht's: Die Muscheltaucher marschieren los auf dem Weg in die Tiefen des Meeres. An dem alten vierhundert Meter langen Gartenschlauch hängt ihr Leben. Wenn der knickt oder sich verknotet, ist es aus. "Der Schlauch muss immer stramm und glatt sein - darf keine Schlingen werfen, sonst geht die Luft nicht durch." Die Zeit verrinnt. Doch das einzige, was zu hören ist, ist das Dröhnen des Kompressors. Nun sind schon drei Stunden vergangen und noch immer nichts. Doch da - endlich tauchen die Macheros wieder auf. Und sie sind nicht mit leeren Händen zurückgekommen. Der Tauchgang hat sich gelohnt. Sie haben fette Beute mitgebracht. Gustavo ist zufrieden. "Es war hart, aber wir halten was aus. Eine gute Ernte. Wir haben viele Machitas gesammelt. Achtzig Kilo hat jeder von uns." "Gut, sehr gut. Diese hier sind groß. Die Muscheln haben Streifen. Daran sieht man, wie alt sie sind. Diese hier zum Beispiel ist drei Jahre alt." Als die wertvolle Fracht aufgeladen ist, kann es losgehen. Die Fahrt durch die Mittagshitze zurück nach Ancud dauert eine Stunde. In der Stadt wartet bereits der Großhändler. "Achtzig, siebzig, Vierundachtzig. Insgesamt dreihundertzwölf Kilo." "Ich bin sehr zufrieden mit dem Gewicht. Aber der Markt ist schlecht zurzeit - mal sehen, was wir heute für einen Preis bekommen." "Vierundneunzigtausend chilenische Pesos - das sind hundertneunzig Dollar." "Für uns alle. Wir teilen nachher durch fünf." Hundertneunzig Dollar dafür, dass vier Menschen ihr Leben riskiert haben. Aber es ist viel Geld für Gustavo und seine Freunde. Geld, das sie dringend benötigen, denn ihr dreißig Jahre alter Chevy muss in die Werkstadt.

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