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Party-Anarchie: Illegale Partys über und unter der Erdoberfläche

Mitten in Paris bahnt sich etwas an. Die Menschen ganz in weiß gekleidet haben einen Plan und geben letzte Informationen per Handy durch. Von allen Seiten strömen Gleichgesinnte schwerbepackt heran. Sie alle haben das selbe Ziel: Die Champs-Élysées. Immer an einem prestige-trächtigen Ort an einem Donnerstag im Juli findet alljährlich dieses Abendessen in weiß statt - das "Dinner En Blanc". Kristallgläser, Champagner - an alles hat die feine Festgesellschaft gedacht. Zwar sind die Teilnehmer brave Bürger und stammen aus gutem Hause, doch erlaubt ist die Veranstaltung nicht. Aber das macht für sie gerade den Reiz aus: Auch mal aus der Reihe zu tanzen und ein wenig Anarchie zu proben. Was für die Einen die Ausnahme ist, gehört für die Anderen zum Alltag. Auch sie sind auf dem Weg zu einer anarchischen Feier - doch eine etwas andere. Alles muss schnell gehen - Abstieg in den Bauch von Paris. Den Deckel hat Lazard extra aufgeschweißt. Kopfleuchten sind Pflicht und man muss stets eng beisammen bleiben. Libi geht voraus: Sie schiebt sich rückwärts in ein schmales Loch - ein vermutlich beklemmendes Gefühl. Doch für sie und Lazard ist der Abstieg eine alltägliche Übung. Insgesamt dreihundert Kilometer Stollen wurden in vergangenen Jahrhunderten unter Paris gegraben. Hier besorgte man sich die Steine für die prächtigen Pariser Bauwerke. Doch irgendwann fingen Teile an einzustürzen, weshalb man Ende des 18. Jahrhunderts die Steinbrüche schloss. Seitdem wacht eine Generalinspektion über das Labyrinth. Wer sich hier aufhält, verstößt gegen das Gesetz. Auf der Oberfläche speisen mittlerweile zehntausend weiße Gesetzesbrecher nur vom Feinsten. Die Organisation ist perfekt. Deutsche Teilnehmerin: "Das ist einfach ein militärisch organisiertes Zusammentreffen von Leuten, die gerne stilvoll Essen gehen und sich einfach den Spaß erlauben möchten, friedlich zusammen zu kommen. Die Stadt Paris kennt dieses Dinner En Blanc schon seit Jahren. Es wird beobachtet, aber sie wissen auch, dass es friedlich abgeht und dass alles nachher auch blitzeblank wieder sauber gemacht wird und die Leute verschwinden, wie sie gekommen sind."Sie wollen einfach nur Spaß haben - an Revolution denkt hier keiner - also duldet die Polizei das DinnerEn Blanc. Doch wer nimmt hier eigentlich Teil? Französin "Eingeladen werden nur Freunde und Freunde von Freunden."Vor zwanzig Jahren hat es mit fünfhundert Freunden angefangen, jetzt ist das Dinner En Blanc ein Massenspektakel. Doch wer an der Spitze steht, bleibt ein gut gehütetes Pariser Geheimnis. Geheim ist auch der Weg zur "bar à la argue", doch Libi und Lazard haben uns sicher dorthin geführt. Seit vier Jahren wird in dem Club der unterirdischen Regelbrecher gefeiert. Der Strom kommt aus angezappften Leitungen und das Rauchverbot gilt hier auch nicht. "Hier gibt es keine Regeln. Wir brechen keine Gesetze. Wir leben hier untern in einer Welt ohne Regeln." "Ich komme regelmäßig - jeden zweiten Abend. Das ist mein Hauptquartier."Bis in die 80er Jahre gab es viele solcher Bars in den Katakomben unter Paris. Zu gefährlich befand die Stadt und versiegelte 99 Prozent der Eingänge. Doch die Gäste haben sich ihre Welt zurückerobert - nur hier unten fühlen sie sich frei. Ob in den dunklen Steinbrüchen unterhalb der Stadt oder ganz in weiß auf der Champs-Elysées - es gibt auf jeden Fall äußerst originelle Weisen in Paris einen Drink zu nehmen.

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