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Promille im Tank

Auf der Autobahn zwischen Rio de Janeiro und Sao Paulo. Motorjournalist Henrique Koifmann testet einen VW Polo, gebaut in Brasilien. Im Tank 45 Liter Alkohol. Flex- Power nennt sich das, der Wagen fährt mit Benzin oder Ethanol. Oder mit einem Gemisch aus beidem. Henrique Koifmann, Motorjournalist: "Der Alkohol ist ergiebiger im Motor, das heißt das Auto fährt zügiger, ist leistungsstärker und es hat ein besseres Drehmoment, als wenn man Benzin tankt. Das Auto ist allerdings auch ein klein wenig lauter, wenn man mit Ethanol fährt." Eine Fahrt in die Berge zu den Zuckerrohrfeldern. Hierher kommt der Stoff, der den Motor antreibt. Klimafreundliche Agroenergie. Das Auto ist CO2-neutral und belastet die Umwelt nicht mit Bleiemissionen. Es ist Erntezeit hier in den Zuckerrohrfeldern. Jährlich vermeldet Brasilien neue Rekordernten. Im letzten Jahr fast eine halbe Milliarde Tonne. Genug Stoff für Zucker und für Alkohol. Und das Land ist groß: Bequem könnte man die Anbaufläche sogar verdoppeln, sagen die Ethanolproduzenten. Ohne den Regenwald am Amazonas abzuholzen. In der Zucker- und Alkohol-Industrie herrscht Goldgräberstimmung. Die Nachfrage nach Ethanol steigt von Jahr zu Jahr. Und die Firmen investieren. Über 100 neue Fabriken sollen in den nächsten Jahren gebaut werden, damit die Vorräte an hochprozentigem Sprit nicht ausgehen: Luiz Magno de Brito, Manager: "Wir können in Brasilien unser Anbaugebiet vergrößern ohne dabei die Produktion von Nahrungsmitteln in unserem Land zu gefährden. Deshalb glaube ich, dass es eine große Chance für unser Land ist an diesem Boom von Bio-Treibstoff und darauf wollen wir gut vorbereitet sein." Exportiert wird Ethanol in über 40 Länder. Vor allem nach Europa, Asien und in die USA. Mit Alkohol verdient Brasilien inzwischen mehr Geld als mit dem traditionellen Fleischexport. Der Nachteil der hochprozentigen Tankfüllung: Mit Alkohol verbrauchen die Flex- Power-Autos rund ein Drittel mehr als mit Benzin. Dafür ist der Liter Ethanol günstiger als normaler Treibstoff. Volkswagen in Sao Paulo produziert für den brasilianischen Markt nur noch Flex- Power-Autos. Während in Europa noch gefeilscht wird, wie viel Ethanol dem Benzin beigemischt wird, fahren in Brasilien immer mehr Fahrzeuge mit Promille im Tank. Alkoholmotoren sind eine Zukunftstechnologie, aber sie allein verhindern noch keinen Klimawandel. Die Industriestaaten bräuchten unvorstellbar große Ethanolmengen. Rund 200 Milliarden Liter Ethanol wären notwendig, um bis zum Jahr 2025 nur etwa 10 Prozent des Benzins zu ersetzen. Brasilien immerhin könnte die Hälfte davon liefern. Denn nirgendwo auf der Welt wird Ethanol so billig produziert wie hier. Für das Land eine große Chance, zu einem wichtigen Energielieferanten der Welt zu werden.

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