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Roms neue U-Bahn

Rom - die ewige Stadt im ewigen Stau. Drei Millionen Einwohner im Großraum Rom, dazu jährlich etwa sieben Millionen Touristen und Pilger muss die Stadt verkraften. Überfüllte Busse, uralte Straßenbahnen und überall Blechlawinen - Rom braucht dringend eine neue U-Bahn, doch die Stadtplanung steht auf Kollisionskurs mit der Geschichte. Auch unter der Piazza Venezia soll ein Umsteigebahnhof entstehen, mitten im historischen Zentrum Roms. Doch die Denkmalschutzbehörde hat sich schon eingeschaltet, antike Funde dürfen nicht den Baumaschinen zum Opfer fallen. Es heißt Rom wurde nicht nur auf den sieben Hügeln erbaut, sondern auch sieben Mal wiedererbaut. Mit jedem Mal erhob sich aus den Ruinen der alten Stadt eine Neue. Viele Fundstücke der über zweieinhalb tausend jährigen Geschichte sind bis heute im Untergrund verborgen. Die archäologische Schicht ist hier bestimmt 12-15 Meter dick und genau diese würde durch einen U-Bahnhof zerstört werden. An keinem anderen Ort der Welt liegt so viel Geschichte über und unter der Erde. Ein Blick in unsere Vergangenheit: Schicht für Schicht, Jahrhundert für Jahrhundert. Die Archäologen vermuten hier Schätze aus der Renaissance, dem Mittelalter bis hin zu den Anfängen Roms. Carla Pischedda, Archäologin "Die Wichtigkeit der Funde, die wir hier gemacht haben, besteht darin, dass zum ersten Mal hier an dieser Stelle Roms ein Stück Geschichte freigelegt wurde, von dem wir absolut nichts wussten. Von der Geschichte des frühen Mittelalters bis zum späten Mittelalter." Die Planer der U-Bahn setzen auf einen Kompromiss. Die geplante Trasse wird unter die archäologische Schicht in eine Tiefe von 20-25 Meter verlegt. Bleibt dennoch das Problem mit den Bahnhöfen, irgendwo müssen die Zugänge zur U-Bahn hin, gerade im Stadtzentrum gibt es keine Alternative. Aber die Rolltreppen und Lüftungsschächte der Bahnhöfe würden sich durch die archäologischen Schichten bohren. Der Ingenieur Giovanni Simonacci will sich schließlich selbst ein Bild machen. Rechtfertigen die Grabungsergebnisse der Archäologen ein Aus für den U-Bahnhof? Mit jedem Fundstück wächst die Sorge der U-Bahnbauer. Giovanni Simonacci, Technischer Leiter U-Bahn Gesellschaft "Diesen Umsteigebahnbahnhof zu verlieren würde bedeuten, den Zugang zum historischen Zentrum Roms zu verlieren. Für den öffentlichen Nahverkehr ist das nicht zu machen." Auf Kollisionskurs mit der Geschichte. Ein Kompromiss bringt die Lösung - der U-Bahnhof wird gebaut, allerdings werden die Eingänge verschoben, so dass die Zeugnisse der Geschichte auch für die Nachwelt erhalten bleiben. Ein Kompromiss für eine staufreie Zukunft der ewigen Stadt.

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