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Spinnenplage

Hafencity Hamburg. Die Biologin Anja Nioduschewski versucht ein Problem zu lösen, dass klein erscheint, aber große Folgen haben kann. Die Eindämmung der Spinnen. Die Tiere werden durch die Lage am Wasser fast magisch angezogen. Bislang ist kaum etwas über diese Spezies der Brückenspinnen bekannt. Für sie sind die Gebäude am Wasser wie Felsen - sonst ihr natürlicher Lebensraum. Zudem zieht das künstliche Licht die nachtaktiven Räuber an. In der Hafencity haben die Spinnen sich so stark ausgebreitet, dass Investoren die Erforschung der Spinne bezahlen. Die Hafencity-Manager fürchten, dass die Plage den Wert ihrer Gebäude mindern könnte. Anja Nioduschewski, Biologin:"Wir sind an verschiedenen Fassaden geklettert und haben, auch abends, uns ein Bild davon gemacht. Es ist schon so, dass vor jedem Fenster so bis zu sieben sehr große Spinnen hängen und manchmal können es aber auch zusätzlich achtzig ganz kleine sein, wenn da kleine Tiere geschlüpft sind. Und dann ist wirklich alles voller Netze. Man hat hier auch diesen Spinnenkot oder alte Reste von Netzen. Es hängen auch schon mal Häute drin, weil die Spinnen sich ja häuten, wenn sie wachsen. Oder in Ecken irgendwelche alten Gespinste von Kokons." In Deutschlands einzigem Spinnenlabor an der Universität Hamburg züchtet Anja Nioduschewski die Brückenspinne. Die Biologin konnte herausfinden, dass sie in Kolonien leben und im Gegensatz zu anderen Spinnen nicht kannibalisch sind. Doch dies ist nicht die einzige Erklärung für ihre massenhafte Ausbreitung. Die Brückenspinne ist ein Reproduktions-Weltmeister. Anja Nioduschewski, Biologin:"Wenn sie viel Nahrung haben, das habe ich im Labor entdeckt, können sie innerhalb von sieben Monaten bis zu 1500 Nachkommen zeugen. Und das von der Geburt an." Das Spinnenmännchen beginnt mit der Balz. Die Schwingungen im Netz müssen das Weibchen anlocken. Doch bevor es soweit kommt, müssen die Tiere erstmal zueinander kommen. De Biologin konnte herausfinden, dass die Tiere sich vor allem deshalb paaren, weil die Weibchen Sexuallockstoffe ausstoßen. Dies könnte ein Schlüssel zur Eindämmung der Plage sein. Anja Nioduschewski, Biologin:"Dann kann ich diesen Stoff gegebenenfalls synthetisieren. Und dann muss ich noch mal biologische Untersuchungen machen, dass ich einfach teste wie die Männchen auf diesen Stoff ansprechen, wenn ich den synthetisiert habe, wie der konzentriert sein muss und sich auch locken lassen und vielleicht sogar noch mehr als von einem Weibchen, dass wäre natürlich optimal." Bis sich die Spinnen in der Hafencity mit einem künstlichen Stoff in Fallen locken lassen, wird noch einige Zeit vergehen. Auf jeden Fall darf am Ufer der Elbe kein Gift eingesetzt werden, weil dieses auch die Fische töten würde. Deshalb versucht die Biologin, den Spinnen erst einmal Nahrung zu entziehen.Sie erforscht deshalb, ob Insekten von verschiedenen Lichtarten mehr angezogen werden als von anderen. In diesem Test kämpft Natriumdampflicht gegen das normale Straßenlicht. Das Ergebnis zeigt, dass das gelblich-orange Natriumdampflicht weitaus weniger Insekten anzieht. Weniger Insekten bedeutet weniger Futter für Spinnen. Ein verändertes Lichtkonzept könnte also ein Schritt in die richtige Richtung sein, um die Spinnenplage in der Hafencity zu stoppen.

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