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Städterecycling

Forscher versuchen, Städte als Rohstofflager zu erschließen. Der Grund: In einer Großstadt wie Wien kommen auf jeden Einwohner etwa 400 Tonnen Beton, Stahl, Kupfer und Kunststoff. Die Stadt ist eine riesige Mine. Wissenschaftler gehen davon aus: Durchschnittlich alle 40 Jahre werden Infrastruktur und Neubauten einer Großstadt komplett ersetzt. Die vollständige Wiederverwertung, das ist der Traum Wiener Wissenschaftler. Helmut Rechberger, Abfallwirtschaftler: "Wir bezeichnen die Städte als anthropogene Lagerstätten. Dort sind große Mengen an Rohstoffen für die Zukunft gespeichert. Immer pro Kopf gesehen, haben wir 200 bis 300 Kilo Kupfer. Wir haben eine Tonne Aluminium, eine Tonne Holz, wir haben eine Tonne Kunststoffe pro Kopf. Wir haben fünf bis zehn Tonnen Stahl. Jede Menge an mineralischen Baustoffen. Das wissen wir ungefähr. Wir wissen aber nicht, wo sind die Materialien wirklich. Das sind grobe Abschätzungen, aber man weiß es nicht genau." In einem ersten Projekt untersuchen die Mitarbeiter der TU Wien das Ressourcenpotenzial von zehn mehrgeschossigen Gebäuden. Aus dem Material werden Kabel sortiert, aus dem restlichen Bauabfall Proben genommen, um die Bestandteile zu analysieren. Metalle wie Kupfer und Aluminium, Beschichtungen wie Lacke und Gummi werden bestimmt und katalogisiert.Noch weiß man wenig darüber, was in der Vergangenheit genau verbaut wurde. Jedes Jahrzehnt hat sich anderer Materialien bedient. Der Traum der Forscher ist es, für sämtliche Bauwerke weltweit einen Gebäudepass zu entwickeln. Darin würde jeder Rohstoff vermerkt. Bei neuen Häusern soll dieser Pass zur Regel werden. Besonders wichtig ist den Wissenschaftlern dabei: Nur Rohstoffe, die recyclebar sind, dürfen verbaut werden. Schon beim Entwurf von Produkten und Gebäuden, so ihre Vision, wird an deren Wiederverwertung gedacht. Helmut Rechberger, TU Wien:""Design for Recycling" ist sicher ein sehr wichtiger Schritt, den wir in Zukunft gehen müssen für Gebäude, denn Gebäude sind ja nichts anderes als Produkte. Und wenn sie jetzt zum Beispiel dieses Mobiltelefon nehmen, dann wird jetzt bereits überlegt, wie kann ich das gestalten, damit ich dieses Mobiltelefon später bestmöglich recyclen kann." Die Vereinigten Arabischen Emirate: Demnächst entsteht hier eine Ökostadt, die dem Traum der Wiener Wissenschaftler relativ nahe kommt. Schon beim Bau sollen wieder verwertbare Rohstoffe den Vorzug bekommen. Eine Metropole als riesiges Wiederverwertungslager. Weltweit wird an der vollständigen Rückgewinnung von Rohstoffen geforscht. Eine 100 Prozentige Wiederverwertung bleibt aber vorerst Vision.

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