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Unterwasserhöhlen des Mittelmeers

An der Küste des Mittelmeeres zwischen Marseille und Cassis befindet sich der berühmte Parc National des Calanques. Dieser enge, steilwandige Küsteneinschnitt im Kalkgestein zieht ganzjährig nicht nur Touristen, sondern auch die Wissenschaftler an. Vor allem die noch wenig untersuchten Gebiete unter Wasser wecken die Aufmerksamkeit der Spezialisten. Tiefe Höhlensysteme, die mehrere Hunderte Meter lang sind, bergen noch viele Geheimnisse. Schon bei 20 Metern unter dem Meeresspiegel treffen die Wissenschaftler auf eine Entdeckung - eine von Stalaktiten und Stalagmiten-besetzte Höhle. Das deutet darauf hin, dass dieser Raum nicht permanent mit Wasser bedeckt war. Die Umweltbedingungen in diesen Höhlen sind denen in ca. 3.000 Meter Tiefe sehr ähnlich. Die niedrige Temperatur und ständige Dunkelheit erlauben vielen Tiefseebewohnern sich hier wohl zu fühlen. Die steilen felsigen Wände sind von roten Korallen dicht bewachsen. Im Gegenteil zu der natürlichen baumähnlichen Form breiten sich diese hier eher flach aus. So erreichen sie mehr Widerstandskraft den größeren Wellen gegenüber. Viele Schwammarten fühlen sich hier offensichtlich wohl, wie auch ihre Fressfeinde - die Nacktschnecken. In den Spalten findet man einen sehr seltenen Tiefseebewohner dieser Gewässer - die Einhorngarnele. Sie sind an den blau aufleuchtenden Streifen an ihrem Körper zu erkennen. Diese Art der Garnelen ist sehr empfindlich den Wassertemperaturschwankungen gegenüber. In ihrer Nähe lebt eine Kolonie baumähnlicher gelber Anemonen. Auch sie scheinen diese tiefseeähnliche Umgebung zu genießen. Die steilen Felsen dieser Höhlen sind dicht mit seltenen Korallen und einzigartigen Schwämmen bewachsen. Ein gut geschütztes Naturwunder, der für die Forscher noch einige Überraschungen parat hält. Die Unterwasserhöhlen von Parc National des Calanques sind für die Wissenschaftler ein wahrer Segen, denn sie können ohne teuere Ausrüstung oder sogar einen U-Boot die natürliche Umgebung der Tiefseetiere untersuchen. Je tiefer man sich in die Dunkelheit der Höhle begibt - desto fahler werden die Farben. Rot wirkt im dunklen Blaugrün des Wassers wie schwarz, dient also hervorragend der Tarnung. Gut getarnt durch seine orange Streifen: ein Springkrebs wird vom Licht der Lampen angelockt. Diese Tiere leben in einer engen Gemeinschaft mit Anemonen und Feuerkorallen. Ein seltener Fund für die Wissenschaftler. Der Bärenkrebs. Ein sonst sehr scheues Tier, das sehr schwer zu finden ist. Die Tiefe der Kalkstein-Höhlen lockt die Wissenschaftler weiter. In der Dunkelheit der noch kaum erforschten labyrinth-ähnlichen Gänge verstecken sich Tiere, die sonst eine Tiefe von bis zu 3.000 Meter bevorzugen würden. So wie diese Schwammkrabbe. Sie ist ständig auf Nahrungssuche. Die zögerlichen und langsamen Bewegungen sind typisch für diese Art. Aufgrund der immer enger werdenden Gänge und sich ständig verändernden Umstände ist das Erforschen solcher Höhlen nur den Profis zu überlassen. Hier können Forscher auf typische Vertreter der Tiefsee, wie diese Scherengarnele, treffen. Die Bedingungen in diesen Höhlen des französischen Naturparks, wie die niedrige Wassertemperatur oder die Dunkelheit, sind sehr ähnlich denen in der 2.000 Meter Tiefe. Die hier gesammelten Proben werden für weitere Forschungen von unschätzbaren Wert sein. Es sieht zwar aus wie ein Farbklecks an der Wand, dabei handelt es sich um einen seltenen Schwamm, Namens Petrobiona massiliana. Es gehört zur Gruppe Hornschwämme und ist beinahe so hart wie ein Stein. Ein weiterer einmaliger Fund - die Chondrocladia-Schwämme. Diese Gattung wurde erst 1985 entdeckt. Bislang weiß man nicht sehr viel über sie, außer dass diese Schwämme Fleischfresser sind. Es ist an der Zeit die Höhlen von Parc National des Calanques zu verlassen. Die Wissenschaftler werden noch einige Zeit brauchen um die Ergebnisse ihrer Forschungen auszuwerten. Dieses fragile Biotop steht unter besonderem Schutz der Regierung. Es gibt hier sicherlich noch sehr viel zu entdecken.

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