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Vogelflug

Das sind Vogelforscher bei der Arbeit. Wenn die Kraniche kommen, müssen Günter Nowald und sein Kollege jeden Tag raus. Vögel zählen. Sie wollen herausfinden, ob die Tiere ihr Zugverhalten ändern. Günter Nowald, Vogelkundler "Immer mehr Kraniche versuchen in Deutschland zu überwintern. Wir haben in den letzten Jahren, im letzten Winter beispielsweise, dreieinhalb, viertausend Kraniche, die in Deutschland geblieben sind, im super milden Winter. Davor, 2006, 2007 waren es sogar über 15.000 Kraniche, die in Deutschland geblieben sind. Das lag daran, dass das Wetter einfach warm war und entsprechend zeitiger können die Brutpaare ihre Reviere wieder besetzen und eher mit der Brut beginnen." Millionen Zugvögel aus nördlicheren Breiten überqueren im Herbst und im Frühjahr Deutschland. Unter ihnen eine viertel Million Graukraniche. Das die Tiere heute früher und länger bei uns auftauchen, ist für Forscher ein Hinweis auf den Klimawandel. Denn das Verhalten der Zugvögel ist nichts anderes als eine Anpassung an veränderte Klimabedingungen. Peter Berthold, Vogelkundler "Die Vogelwelt verändert sich jetzt schon, deutlich spürbar und dramatisch. Um Zahlen zu nennen, wir haben ungefähr 45 verschiedene Arten, die jetzt vom Mittelmeerraum allmählich nach Norden vorrücken und auch von Nordafrika." Einer dieser Einwanderer: Der Bienenfresser. Eigentlich lebt er im Mittelmeerraum. Doch neuerdings scheint sich der Exot auch bei uns wohl zu fühlen. Rund 500 Paare brüten bereits in Deutschland und es könnten noch mehr werden. Peter Berthold, Vogelkundler "Ich halte es nicht mehr für lächerlich zu sagen, dass in 50 Jahren evtl. hier Flamingos stehen und hier in zwei, drei abgestorbenen Bäumen mindestens 3 verschiedene Papageienarten brüten. Das ist schon, sagen wir, fast in greifbare Nähe gerückt, das wir solche Veränderungen bekommen werden." Um diesen Wandel wissenschaftlich nachzuweisen, müssen die Forscher jedes Jahr eine Art Volkszählung der Zugvögel durchführen. Nach strengen Regeln, die sich seit Jahrzehnten nicht verändert haben. Wer zum ersten Mal gefangen wird, bekommt einen Ring mit einer Nummer. Stirbt der Vogel und wird gefunden, dann dient dieser Ring als Ausweis. Jede Vogelwarte nimmt solche Ringe entgegen und meldet den Fund. So erfahren die Forscher, wohin die Vögel geflogen sind. Auf diese Weise entsteht nach und nach ein Bild davon, wie sich das Verhalten der Zugvögel über die letzten Jahre verändert hat. Peter Berthold, Vogelkundler "Also die Vögel sind, auch was die Klimaveränderung anbetrifft, die besten Bioindikatoren, die es in der ganzen Welt gibt. Aus dem ganz einfachen Grunde, die Vögel sind am besten quantitativ beobachtet von allen Tiergruppen, so dass wir wenn heute ein Kuckuck 5 Tage früher in irgend einer Stadt eintrifft oft Daten haben, die bis 50, 100 Jahre zurück einem sagen können, so früh war der vor 100 Jahren nicht da." Doch die genaue Beobachtung der Vogelforscher deckt auch weniger erfreuliche Entwicklungen auf. Sie vermuten beispielsweise, dass auch das Aussterben der Störche in Deutschland mit dem Klimawandel zu tun hat.

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