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Wie geht's... Buchrestaurierung

Der schreckliche Brand in der Anna-Amalia Bibliothek in Weimar. Tausende kostbarere Bücher vernichtet - durch Feuer und Löschwasser. Ein herber Verlust für das Erbe der Menschheit. Und eine riesige Herausforderung für Buch-restauratoren. Denn eine Zerstörung so apokalyptischen Ausmaßes hat es in jüngerer Vergangenheit nicht gegeben. Matthias Hageböck Buchrestaurator Anna-Amalia Bibliothek Weimar Im normalen Leben bin ich vielleicht ein Allgemeinmediziner fürs Buch und das ist jetzt halt Kriegszustand und plötzlich befindet man sich im Feldlazarett mit entsprechenden Verwendungen. Das ist natürlich nicht schön. Doch das Schlimmste könnte den Büchern noch bevorstehen. Denn feuchte Bücher fangen extrem schnell an zu schimmeln. Und dann ist meist nichts mehr zu retten. Deshalb werden die feuchten Bücher zuerst in Plastikfolie eingeschlagen - und kommen dann in ein Kühlhaus. Das Wasser in den Büchern liegt als Eis vor und unter diesen Bedingungen geht es direkt in den gasförmigen Zustand über, d.h. als Wasserdampf wird es den Büchern entzogen, wobei die Bücher während des ganzen Prozesses kalt sind. Diese "Gefriertrocknung" in der eiskalten Vakuumkammer schont Farbe und Papier. Und versetzt die Bücher in einen Zustand, in dem man mit der eigentlichen Restaurierung beginnen kann. Eines der größten Probleme bei solchen Bränden sind die schwarzen Aschenränder der angekohlten Bücher. Die Seiten werden instabil. Ein Umblättern kaum mehr möglich. Um die Seiten wieder zu stabilisieren, wird ein uraltes Verfahren angewendet. Die Blätter werden eingeweicht, eingeleimt und schließlich gespalten. Anstelle des Aschenrandes bekommen sie einen neuen Rahmen. und zwischen die gespaltenen Seiten wird ein hauchdünnes Blatt eingefügt, das dem Blatt Stabilität verleiht. Ein extrem aufwändiges Verfahren.. Die einzige Papierspaltmaschine der Welt steht in Leipzig. Matthias Hageböck Buchrestaurator Anna-Amalia Bibliothek Weimar Also wenn ich das hier so sehe, denke ich, man kann wohl auch das andere mit den größeren Ascherändern machen. Ich denke das funktioniert auch, aber auch das ist bisher natürlich noch nicht geschehen. Insofern ist das nur eine Prognose, eine positive, muss man abwarten, aber ich denke, das könnte klappen. Ein weiteres Problem: Das Löschwasser hat die uralten Ledereinbände vieler Bücher einschrumpfen lassen Es ist so, dass durch die Nässe das Leder geschrumpft ist und hier hinten ist das Leder fest mit dem Papier verbunden. So dass es jetzt wirklich hier hinten klammert, das Buch dann aufsperrt. Das kann man hier schön sehen. Und dann im Extremfall halt überhaupt nicht mehr zu öffnen ist. So, das ist jetzt das Hauptproblem, das wir haben bei den wassergeschädigten Einbänden. Alle beschädigten Buchdeckel werden einzeln geglättet werden. Dazu werden sie mit einer Lage Textilfaser, einer Lage feuchter Pappe und einer Plastikfolie bedeckt. Die Textilfaser lässt nur Wasserdampf hindurch. Dadurch wird das Leder erst nach und nach befeuchtet und wieder flexibel. Mit Gewichten beschwert kann der Deckel wieder geglättet werden. Matthias Hageböck Buchrestaurator Anna-Amalia Bibliothek Weimar: Wir würden, wenn wir jetzt die originalen Einbände zum Beispiel entfernen würden und gegen schöne neue historisierende Einbände austauschen würden, den Büchern einen ganz entscheidenden Teil ihrer Geschichte rauben. Und das wollen wir natürlich nicht. Der historische Rokokosaal der Anna-Amalia Bibliothek erstrahlt mittlerweile wieder in alter Pracht. Bis zumindest die geretteten Bücher wieder so weit sind, werden wohl noch einige Jahre ins Land ziehen.

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