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Wie Placebos wirken

Lange ging man davon aus, dass allein der Wirkstoff dafür verantwortlich ist, dass ein Medikament heilt. Doch Studien belegen auch Placebos, also Tabletten ohne Wirkstoff, die nur aus Milchzucker oder Stärke bestehen, können Heilungsprozesse beeinflussen. Den stärksten Effekt hat eine Spritze, schon ihr Anblick kann Schmerzen lindern. Solche Mechanismen wirken aber erst, wenn Arzt und Patient miteinander reden. Dadurch wächst der Glaube an Heilung - Grundvoraussetzung für den Placebo-Effekt. Prof. Dr. Manfred Schedlowski, Medizinpsychologe: "Das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin, diese vertrauensvolle Beziehung selber wirkt als Placebo. Das ist in vielen Untersuchungen mittlerweile sehr gut dokumentiert, dass dieses vertrauensvolle Verhältnis die Erwartungshaltung bezüglich der Heilbringenden Wirkung der Medikation oder der Behandlung, die da verabreicht wird, eben verstärkt." Ohne positive Erwartung also kein Placebo-Effekt. Man weiß, das menschliche Gehirn bzw. die Psyche sind am Placebo-Effekt beteiligt. Aber was passiert genau im Gehirn? Prof. Dr. Dr. Harald Walach, Psychologe: "Diese Veränderungen im Gehirn, die sind basiert auf der Ausschüttung bestimmter Substanzen, die unser Gehirn zur Weiterleitung von Botschaften verwendet. Und all diese Substanzen haben immer auch immunologische, also Immunsystem verändernde und Stoffwechselmoderierende Effekte. Und das ist die Basis, das Rückgrat des Placeboeffektes." Bildgebende Verfahren zeigten, der Placebo-Effekt ist das Ergebnis einer Interaktion zwischen Therapeut und Gehirn des Patienten. Sie wird zukünftig ein wichtiger Therapiebaustein sein. Prof. Dr. Manfred Schedlowski, Medizinpsychologe: "Heute wissen wir über diese neuropsychologischen Mechanismen, dass Placebo so etwas ist, wie die Aktivierung der körpereigenen Apotheke, wie Kollegen das mal treffend formuliert haben. Und dass es jetzt eigentlich darum geht, rauszufinden, wie können wir diese Wege, diese neuropsychologischen Wege am besten nutzen, um solche Placebowirkungen auch gezielt und noch effektiver einsetzen zu können." Der Patient heilt sich selbst, so könnte man die Wirkung von Placebos umschreiben. Damit das gelingt, wird die Psyche des Patienten in der Medizin der Zukunft sicher eine bedeutende Rolle spielen.

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