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Wie träumen Blinde?

Sehen ist für uns so selbstverständlich wie atmen. Unsere Augen sagen uns oft wo es lang geht, sie zeigen uns unsere Umgebung und vermitteln uns einen Eindruck. Wer sein Leben ohne Augenlicht meistern muss, ist stärker auf seine anderen Sinne fokussiert. Peter Krämer ist von Geburt an blind und kämpft täglich mit den Tücken des Alltags. Er ist vor allem auf sein Gehör angewiesen - dass er wie eine Fledermaus einsetzt. Nicht nur Geräusche sondern auch deren Echos helfen ihm seinen Weg in der Welt der Sehenden zu finden. Im Gegensatz zu einem spät erblindeten, der sein Augenlicht durch eine Krankheit verloren hat, hat Peter Krämer kaum eine bildhafte Vorstellung von unserer Welt. Denn seine Eindrücke beschränken sich meist auf Details in seiner näheren Umgebung. Peter Krämer: "Alles, was mir in die Finger kommt, wird abgetastet. Das sind bei kleineren Gegenständen, führt das zu kompletten Bildern, bei größeren Gegenständen muss man oft die Form zusammensetzen. Das heißt man tastet es nacheinander ab und fügt es dann in einen Gesamtrahmen. Ich sag hier bewusst nicht Bild. Und fügt es bewusst in einen Gesamtrahmen ein." Das gilt auch für Träume. Denn die können immer nur abbilden, was ein Mensch in der Realität wahrnimmt. Wer nicht sehen kann, träumt tatsächlich auch bildlos. Und Geschichten müssen dann im Traum über die anderen Sinne ablaufen. Peter Krämer: "Jeder hat völlig abweichende Möglichkeiten sich Dinge vorzustellen und sich Dinge zu erarbeiten. Ich habe das Gefühl, das ich manchmal Hörspiele träume. Ich habe auch körperliche Eindrücke dann. Man kennt diesen Albtraum, dass man weglaufen muss aber nicht vom Fleck kommt. Das kenne ich." Wer hingegen erst später im Leben erblindet, träumt noch weiterhin bildhaft. Allerdings ausschließlich aus der Erinnerung heraus. Diese optischen Eindrücke lassen mit der Zeit aber nach. Vor allem Farben werden schnell vergessen und übrig bleiben meist nur hell dunkel Vorstellungen. Blindgeborene wie Peter Krämer wissen nicht einmal, wie Farben aussehen. Peter Krämer: "Ich kenne keine Farben. Ich muss aber mit den Farbwörtern umgehen können, weil ich mit meinen Mitmenschen rede, die diese Farben sehen. Und das muss mich veranlassen, nach einer Hilfe zu suchen. Ich muss eine Hilfsvorstellung zusammen basteln damit ich die Farben, die Farbwörter nicht zu sehr verkehrt anwende. Ich glaube es gibt keine blauen Äpfel. Es gibt aber rote Tomaten. Ich muss sehen, dass ich wie meine Mitmenschen die Worte an die richtige Stelle setze." Die Vorstellung blinder Menschen von unserer Welt unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Dennoch sind sie auch ohne Bilder im Bilde, haben Wünsche und träumen.

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