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Woher kommt der Linksverkehr?

Wer nach Großbritannien reist, der sieht schnell was Briten angeblich ausmacht. Sie lieben ihren Tee, die Queen, das britische Pfund und den Linksverkehr. Marotten, mag da manch ein Kontinental-Europäer denken. Aber Achtung: Der Linksverkehr ist keine Marotte nach dem Motto "Hauptsache Anders als der Rest der Welt". Vielmehr haben die Briten angeblich als erste herausgefunden, wie wir am besten und sichersten auf der Straße aneinander vorbei kommen. Lang ist es her, da gab es noch keine motorbetriebenen Vehikel, vielmehr waren Pferde und Kutschen unterwegs. Na ja, und noch mehr Fußgänger. Da man sich nie so ganz sicher sein konnte, wem man denn nun auf der Straße begegnen würde, musste man auf der Hut sein. Für die Mehrheit der Rechtshänder bedeutete das, Links gehen ist besser. Denn so hatte Mann im Zweifel schneller den Degen am oder genauer im Gegner. Aber das ist nur eine von vielen unbewiesenen Legenden zu den Wurzeln des Linksverkehrs. Überliefert ist ebenfalls, dass das gemeine Volk früher eher rechts lief. Dagegen wurde es vor allem unter Aristokraten als besonders höflich empfunden, links aneinander vorbei zu kommen. Doch dann kam die französische Revolution: Und es hieß Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Nun war es auch für den Adel schick und überlebenswichtig, auf der rechten Seite zu gehen. Rechts fahren wurde zum Zeichen der Demokratie und mit Napoleons Siegeszug durch Europa weiter verbreitet. Die Niederlande, die Schweiz, Russland, Polen und auch Deutschland, alle fahren seit dem auf der rechten Seite. Der Siegeszug des Linksverkehrs beschränkte sich dagegen auf die britischen Kolonien. Gut, von denen hatte das Königreich einige, doch stolze Nordamerikaner wollten mit der Unabhängigkeit nicht nur die Engländer sondern auch den Linksverkehr loswerden. Rechnet man alle Staaten zusammen, dann fährt man heute in 74 Ländern links und in 166 Ländern rechts. Das heißt knapp 2 Milliarden Menschen halten sich links und 4 Milliarden rechts auf der Strasse. Ob wir je alle eines Tages auf der gleichen Seite fahren werden? Das letzte Mal als man im Mutterland des Linksverkehrs über einen Wechsel nachdachte war in den sechziger Jahren. So ein Richtungswechsel kostet viel Geld und ist nicht ganz ungefährlich. Zudem lassen sich Gewohnheiten nicht ohne weiteres ändern. Nirgendwo weiß man das besser als hier. Und so werden Touristen an Fußgängerübergängen dezent darauf hingewiesen - "schau nach links" oder "rechts". So sind sie die Briten. Sie lieben nicht nur ihren Tee, die Queen, ihr Pfund und den Linksverkehr, sondern auch ihre Gäste. Thank you, Great Britain. Thank you.

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