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Viktorianismus

Königin Viktoria prägt eine Ära

Mit ihrer fast 64-jährigen Regentschaft von 1837 bis 1901 prägte Königin Viktoria ihre Zeit so stark, dass man nach ihr gleich eine Epoche benannte: Das Viktorianische Zeitalter.

Typisch für diese Zeit sind ein geschlossenes, an den Moralprinzipien des Groß- und Kleinbürgertums ausgerichtetes Gesellschaftsbild sowie eine starke, nicht selten puritanisch gefärbte Religiösität. Hinzu kommen ein ungebrochener Fortschrittsglaube sowie eine gefühlsbetonte Verankerung der Monarchie im Volk.

Die ersten Jahrzehnte sind ferner durch einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung geprägt. Erst in den 1870er Jahren wird auch Großbritannien von den internationalen Konjunkturwellen erfasst. Zu dieser Zeit beginnt eine betont imperiale Außenpolitik. Der wichtigste Protagonist dieser Empire-Politik ist der konservative Politiker Benjamin Disraeli, 1868 und 1874 bis 1880 Premierminister. Er sichert England 1875 durch Aktienkauf maßgeblichen Einfluss auf den Suezkanal und veranlasst 1876 die Proklamation des Kaiserreichs Indien.

Die weltweite Machtausdehnung vertieft jedoch noch die Kluft zwischen Arm und Reich. Innenpolitisch sind diese Jahre geprägt von einer Blüte des Parlamentarismus und der Umgestaltung des Parteiensystems in Richtung auf moderne Wählerparteien. Die Wahlrechtsreformen von 1867 und 1884 fördern vor allem die Integration der Mittelschicht, erst später wird durch die Anerkennung der Gewerkschaftsbewegung und der Labour Party auch die Arbeiterschaft an den Staat herangeführt.

Chronik Verlag
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