Erstmals wurde in der Bundesrepublik, die gedanklich noch an den Folgen von RAF-Terror und Ölkrise der 70er litt, das Thema Umwelt auf die Tagesordnung gepackt - den "Grünen" sei Dank. Atomkraft, Waldsterben, Algenpest sind die Stichwörter. Außerdem stand das Jahrzehnt unter den Vorzeichen massiver atomarer Aufrüstung und einer sich dagegen stemmenden Friedensbewegung. Und dann kam Gladbeck, das von den Medien zügellos begleitete Geiseldrama, das die Bevölkerung in eine Schockstarre versetzte. Bis sich die Mauer in Berlin am 9. November öffnete und der Weg für ein vereintes Deutschland frei wurde. Der 80er waren Gänsehaut pur. Klicken Sie auf das erste Bild, um die Fotostrecke zu starten.

Im März verabschieden 791 Delegierten der GRÜNEN, die 16.000 Mitglieder vertreten, auf einem Programmparteitag die programmatischen Grundsätze grüner Politik. In der Präambel ihres Programms bezeichnen sich die Grünen als "Alternative zu den herkömmlichen Parteien" und formulieren vier Kernpunkte:Ökologisch: "Ausgehend von … der Erkenntnis, dass in einem begrenzten System kein unbegrenztes Wachstum möglich ist, heißt ökologische Politik, uns selbst und unsere Umwelt als Teil der Natur zu begreifen."Sozial: "'Sozial' hat vor allem eine ökonomische Komponente … Sowohl aus der Wettbewerbssituation als auch aus der Konzentration wirtschaftlicher Macht … gehen jene ausbeuterischen Wachstumszwänge hervor, in deren Folge die völlige … Verwüstung der menschlichen Lebensbasis droht."Basisdemokratisch: "Wir gehen davon aus, dass der Entscheidung der Basis prinzipiell Vorrang eingeräumt werden muss… Kerngedanke ist dabei die ständige Kontrolle aller Amts- und Mandatsinhaber und Institutionen durch die Basis (Öffentlichkeit, zeitliche Begrenzung) und die jederzeitige Ablösbarkeit, um Organisation und Politik für alle durchschaubar zu machen und um der Loslösung einzelner von ihrer Basis entgegenzuwirken."Gewaltfrei: "Gewaltfreiheit gilt uneingeschränkt und ohne Ausnahme zwischen allen Menschen, also ebenso innerhalb sozialer Gruppen und der Gesellschaft als Ganzem als auch zwischen Volksgruppen und Völkern. Das Prinzip der Gewaltfreiheit … schließt sozialen Widerstand in seinen mannigfachen Varianten ein."Oktober 1983 / Stuttgart Friedensdemonstration, Massen von Demonstranten, mit Transparenten (der Grünen); gegen Nuklearwaffen, gegen Atombombe."

Bei der Detonation einer Bombe vor dem Haupteingang des Oktoberfestes werden 13 Menschen, darunter vier Kinder, getötet und über 200 zum Teil schwer verletzt. Unter den Toten ist auch der mutmaßliche Attentäter, der 21-jährige Geologiestudent Gundolf Köhler, der aktive Verbindungen zu der verbotenen rechtsextremistischen "Wehrsportgruppe Hoffmann" unterhalten hat. Die Bombe explodiert um 22.19 Uhr, zu einer Zeit, als Tausende Oktoberfestbesucher sich auf den Heimweg machen und daher mit zahlreichen Opfern gerechnet werden muss. Dass auch der Attentäter selbst ums Leben kommt, ist nach Ansicht der Polizei darauf zurückzuführen, dass die Bombe früher als erwartet detoniert ist.Das Attentat ist der bislang schlimmste Terrorakt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Über die Bewertung des Anschlags und des Bombenlegers kommt es in der Bundesrepublik zu einer heftigen innenpolitischen Kontroverse. Wenige Tage vor der Bundestagswahl schrecken einige Politiker nicht davor zurück, das Attentat zum Wahlkampfthema zu machen.

In den 1980er Jahren prägen sich verschiedene Jugendkulturen aus. Dazu zählen Punks, Popper, Dinks, Skins und Alternative (auch Ökos genannt). Die Punks bauen eine Gegenkultur zur Welt des freien Marktes auf; mit zerlumpter Kleidung, gefärbtem Irokesenschnitt, Ratten als Haustieren, Sicherheitsnadeln im Gesicht und der Straße als Wohnung wollen die Außenseiter das Bürgertum provozieren. Dagegen heißt die Devise der Popper - Anpassung. Elbschwenker, Collegeschuhe und Faltenrock werden zu Markenzeichen. Politik interessiert nicht, Hauptsache, man ist elegant. Alternative setzen auf Harmonie statt Aggression. Lässige Kleidung und Friedensengagement zählen zu ihren Markenzeichen. Unser Bild zeigt Punks im Juli 1982 in einem Münchner Park.

In der Wilstermarsch bei Brokdorf (nordwestlich von Hamburg) kommt es zum bislang größten Massenprotest von Kernkraftgegnern in der Bundesrepublik. Nach Angaben des Bundesverbandes Bürgerinitiative Umweltschutz (BBU) demonstrieren trotz eines höchstrichterlichen Verbots 100.000 Menschen gegen den Bau des Kernkraftwerkes Brokdorf. Ihnen stehen 10.000 Polizisten und Einheiten des Bundesgrenzschutzes gegenüber. Es kommt zu schweren Zusammenstößen, wobei es auf beiden Seiten mehr als 100 Verletzte gibt. Die Kosten für das Kernkraftwerk, das Ende 1986 in Betrieb genommen werden soll, werden auf rund 2,5 Mrd. DM beziffert. Und wirklich - trotz der Katastrophe von Tschernobly im April 1986 - wird Brokdorf Ende 1986 ans Netz angeschlossen.

30 000 im Hamburger Volksparkstadion und Millionen am Fernsehschirm feiern Abschied. Der deutsche Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer gibt seinen Ausstand. Beckenbauer zeigt nochmals 90 Minuten lang seine unnachahmlich-elegante und ästhetisch-perfekte Art, Fußball zu zelebrieren: Raumöffnend-zielgenaue 50-m-Pässe, lässig-gekonntes Ball-Lupfen über den Gegenspieler, traumhaft-sichere Kombinationen, vorausahnend-schnelle Stellungswechsel, ansatzlos-harte Distanzschüsse.Hermann Neuberger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, schwärmt beim Gala-Diner vor 500 Gästen über den DFB-Rekordspieler: "Er hat das Kunstvolle, das Schöne und das die Zuschauer Faszinierende beherrscht und sich als Vorbild von Zehntausenden um den internationalen Fußballsport sehr verdient gemacht."Zufrieden mit seiner 18-jährigen Karriere ("Ich würde alles noch mal genauso machen, nur nicht mehr die Freizeit im Trainingslager mit Kartenspielen verplempern!"), lässt sich der beste Libero aller Zeiten weder durch schöne Worte noch durch gutes Geld zum Weitermachen bewegen.

Helmut Kohl verfolgt seine politische Karriere bereits in jungen Jahren mit Willen und Zielstrebigkeit. Sein "dickes Fell", das ihm den Ruf eines "Aussitzers" einträgt, und sein Gespür für Taktik, bringt ihm die Kanzlerkandidatur ein. Nachdem 1982 die FDP-Fraktion einen Koalitionswechsel von der SPD zur CDU/CSU vollzogen hat, wird Bundeskanzler Helmut Schmidt am 1. Oktober 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt und Kohl zum Kanzler gewählt. Er ist mit 52 Jahren der bis dahin jüngste Bundeskanzler.1983 verkündet Helmut Kohl für die Bundesrepublik die "geistig-moralische Wende" (die freilich ausbleibt). Nach den für die CDU/CSU-FDP-Koalition erfolgreichen Bundestagswahlen 1983, 1987, 1990 und 1994 wird er jeweils wieder gewählt. 1998 beendet eine Wahlniederlage seine 16-jährige Kanzlerschaft, die längste aller Amtsinhaber seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland.

Auf einer Pressekonferenz präsentiert das Hamburger Magazin "stern" die angeblichen Tagebücher Adolf Hitlers. Der Abdruck soll in der Ausgabe vom 28. April beginnen. "stern"-Chefredakteur Peter Koch erklärt, die Geschichte des Dritten Reiches müsse "nun in großen Teilen neu geschrieben" werden. Nach eingehender Prüfung erweisen sich die Tagebuchaufzeichnungen, die Hitler in der Zeit vom 22. Juli 1932 bis Mitte April 1945 angefertigt haben soll und deren Echtheit Historiker von Anfang an bezweifelt hatten, als grobe Fälschung. Ein journalistischer Offenbarungseid für den "stern".

"You have a second home, why not a second watch?" Aus dieser Frage, die einem provisorischen Werbeslogan für die neue Uhr entstammte, entwickelt sich der Name des künftigen Modells: Swatch. 1983 liegt nach vierjähriger Entwicklungsphase das Resultat vor: eine Kunststoffuhr, die sich als stoßsicher und wasserdicht erweist. Trotz des vereinfachten Uhrwerks stellt sich die Swatch als überaus ganggenau und zudem großserientauglich heraus. Armbänder und Zifferblatt können mit allen beliebigen Farben und Motiven versehen werden. Die Uhr wird ein Renner in Deutschland. 1985 sind bereits 10 Millionen Uhren verkauft. Unser Bild zeigt die hundertmillionste Swatch, die im Jahr 1992 produziert wird.

In der Bundesrepublik Deutschland werden seit 1981 großflächige Waldschäden beobachtet. Die Schäden - sie reichen von Blattverlust bis hin zum Baumtod - zeigen sich zunächst bei der Weißtanne. Aber auch andere Baumarten, insbesondere Kiefer und Buche, sowie Eiche, Roteiche, Ahorn, Esche und Vogelbeere sind betroffen. Die erste Waldschadenserhebung in der Bundesrepublik Deutschland wird 1983 vom Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Zusammenarbeit mit den Ländern durchgeführt. Die Entwicklung der Waldschäden wird seitdem durch eine jährliche Schadenserhebung verfolgt.Als der Begriff des "Waldsterbens" populär wird, entsteht eine neue Welle des Umweltbewusstseins. Wie wichtig die Umweltprobleme in der Bevölkerung genommen werden, zeigt das Erstarken grüner Parteien und Organisiationen wie Robin Wood (1982). Übrigens gilt unseren französischen Nachbarn "le waldsterben" als typisch deutsche Umweltpanikmache.

Am vorletzten Tag seines Aufenthalts in der Bundesrepublik besucht US-Präsident Ronald Reagan mit Bundeskanzler Helmut Kohl die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen und den Soldatenfriedhof Bitburg. In der Öffentlichkeit war der Friedhofsbesuch auf Kritik gestoßen, weil dort auch 49 Angehörige der Waffen-SS beerdigt sind. Kohl will mit der Geste an sein Zusammentreffen mit dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand bei Verdun anknüpfen. Diese "Versöhnung über Gräbern" war ein Ausgleich dafür, dass Kohl den Feiern zum 40. Jahrestag der Invasion am 6. Juni 1984 in der Normandie fernbleiben musste – damals waren nur Vertreter der Staaten zugelassen, die an der alliierten Landung beteiligt waren, nicht aber der einstige Kriegsgegner Deutschland. Angesichts der vielfältigen Proteste wird der Aufenthalt auf dem Soldatenfriedhof auf zehn Minuten gekürzt. Die beiden Politiker legen Kränze nieder, die Soldaten reichen einander wortlos die Hand, ein Bundeswehr-Trompeter spielt "Ich hatt' einen Kameraden".

Im Frühjahr liegen tote Robben an deutschen Nordseestränden. Vorausgeganen waren Meldungen über tote Fische und riesige Algenteppiche an den Küsten Norwegens. Das Ökosystem von Nord- und Ostsee gerät aus dem Gleichgewicht. Als die Seuche zum Stillstand kommt, sind mehr als 10.000 Seehunde verendet. Ursache dafür sind allerdings nicht giftige Algen, sondern ein Staupevirus, der die Tiere aufgrund genereller Abwehrschwäche befallen hat. Diese hat ihre Ursache im "chemischen Stress", dem die Meeresbewohner durch die Verschmutzung der See ausgesetzt sind. Trotz aller Appelle und Maßnahmen infolge des Robbensterbens werden Nord- und Ostsee immer noch als kostengünstiger Müllabladeplatz missbraucht.

Bei einer Flugschau auf dem pfälzischen US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein fordert der Zusammenstoß dreier Düsenjets 70 Todesopfer. Mehrere hundert Menschen erleiden schwere Verletzungen. Rund 350 000 Menschen haben sich zu einem "Tag der offenen Tür" eingefunden, um eine Flugschau mit internationaler Beteiligung zu beobachten. Als die italienische Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" gegen 16 Uhr mit ihrer Darbietung beginnt, kommt es zur Katastrophe. In der Nähe des Kontrollturms stoßen drei Düsenjets bei einem riskanten Manöver in geringer Höhe zusammen. Eine Aer Macchi MB 339 A stürzt nahe der Ehrentribüne in die Zuschauermenge und explodiert. In Sekundenbruchteilen verwandeln herumfliegende Trümmer und entzündetes Kerosin das Gelände im Umkreis von mehreren hundert Metern in ein flammendes Inferno.Das Ausmaß der Katastrophe ist erschreckend. 34 Menschen kommen bei der Explosion unmittelbar ums Leben. 345 Zuschauer erleiden zum Teil schwerste Verbrennungen, an deren Folgen viele noch auf dem Weg ins Krankenhaus sterben. Die Zahl der Todesopfer erhöht sich in den folgenden Wochen auf 70. Der Unfall löst sowohl in der Bundesrepublik als auch im Ausland heftige Diskussionen über Sinn und Verantwortbarkeit derartiger Veranstaltungen aus.

"Privatreisen nach dem Ausland können ohne Voraussetzungen beantragt werden." – Mit dieser eher beiläufigen Erklärung des Berliner SED-Chefs Günter Schabowski bricht eine neue Epoche an: Mauer, Stacheldraht und schwerbewachter Grenzstreifen, die die Deutschen in Ost und West 28 Jahre lang trennten, werden durchlässig. Noch in der Nacht strömen Zehntausende DDR-Bürger in den Westen, wo sie begeistert empfangen werden.Die Ereignisse: 21.00 Uhr. In Ost-Berlin wartet eine unüberschaubare Menschenmenge vor den Kontrollstellen in der Invalidenstraße, der Sonnenallee und der Bornholmer Straße darauf, in den Westen durchgelassen zu werden. Wer Reisepapiere besitzt, wird sofort abgefertigt.22.00 Uhr. Tausende von DDR-Bürgern steuern mit Trabants und Wartburgs auf die Grenzübergänge zu. Die Zollbeamten fertigen die Wartenden nur schleppend ab.23.14 Uhr. In Ost-Berlin gibt ein Hauptmann angesichts des ungeheuren Menschenandrangs den Befehl, die Schlagbäume zu öffnen. Tausende stürmen auf Westberliner Gebiet. An den Sektorengrenzen spielen sich bewegende Szenen ab. Fremde fallen sich weinend um den Hals. Jubelnde Westberliner bilden ein Spalier für die DDR-Autos. Auf beiden Seiten des Brandenburger Tors versammeln sich Tausende von Menschen. Unbehelligt von der Grenzpolizei überwinden sie die Absperrungen und klettern auf die Mauerkrone. Die meisten Ostberliner zieht es zum Kurfürstendamm. Die Straßen in der City sind in kürzester Zeit hoffnungslos überfüllt.Am nächsten Morgen hält der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Walter Momper (SPD), der just an diesem Tag das Amt des Bundesratspräsidenten übernimmt, in Bonn verspätet seine Antrittsrede. Seine Entschuldigung: "Ich habe heute Nacht nicht geschlafen – und viele von Ihnen sicher auch nicht. Wer diese Nacht in Berlin erlebt oder diese Nacht am Fernsehschirm verfolgt hat, der wird den 9. November 1989 nie vergessen. Gestern Nacht war das deutsche Volk das glücklichste Volk auf der Welt. Es war der Tag des Wiedersehens zwischen den Menschen aus beiden Teilen Berlins. Es war die Nacht, in der die Mauer ihren trennenden Charakter verloren hat. Das Volk der DDR hat sich diese Freiheit auf der Straße erkämpft – und es hat gestern zum ersten Mal diese Freiheit gefeiert."









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