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Vor 350 Jahren: Die erste Bluttransfusion beim Menschen

Eine blutige Geschichte: Die erste dokumentierte Bluttransfusion liegt bereits 350 Jahre zurück. Im Juni 1667 verabreichte der französische Arzt Jean-Baptiste Denis seinem schwerkranken Patienten Blut von einem Lamm - und angeblich überlebte der Behandelte sogar. Nachfolgende Empfänger hatten da hingegen weniger Glück. Denn eine wirklich sichere Bluttransfusion wurde erst durch die Entdeckung der Blutgruppen möglich, die Karl Landsteiner im Jahr 1900 machte.

Blutkonserven
Blut ist auch heute noch "ein ganz besondrer Saft" - da lag Goethe schon ganz richtig.
Seit jeher übt der tiefrote Körpersaft eine mythische Faszination auf die Menschen aus. In alten Kulturen war Blut oft zentraler Bestandteil von Opferungen und magischen Ritualen. So zum Beispiel im alten Ägypten: Um ihre Lepraerkrankung zu heilen, badeten ägyptische Könige im Blut geopferter Menschen - ein echtes Blutbad also, das jedoch nichts gegen die Erkrankung ausrichten konnte.

Im alten Rom empfahl der Schriftsteller Plinius Epilepsie-Patienten das Trinken von Gladiatorenblut. Vermutlich hoffte er, die Stärke und Körperbeherrschung der Arenen-Kämpfer so auf die Kranken zu übertragen. Trotz ausbleibender Erfolge solcher Behandlungen blieb der Glaube an die Heilkraft des Blutes bestehen. So soll der im Sterben liegende Papst Innozenz VIII Blut von drei Zehnjährigen getrunken haben - als Verjüngungskur. Der Papst starb trotzdem, ebenso wie die drei Jungen.

Historische Darstellung  der ersten dokumentierten Bluttransfusion
Am 15. Juni 1667 gelingt Jean Baptiste Denis, einem der Leibärzte Ludwigs XIV., eine Bluttransfusion zwischen einem Lamm und einem 15-jährigen Jungen - der Patient überlebt.
Das erste Mal: von einem Lamm

Im 17. Jahrhundert nach Christus kam dann die Idee auf, Blut von einem Lebewesen auf ein anderes mittels Infusion zu übertragen. 1666 wurde sie erstmals in die Tat umgesetzt. Der englische Arzt Richard Lower übertrug einem Hund das Blut eines anderen Vierbeiners. Dabei übertrieb er jedoch: Die Transfusion wurde erst beendet, als der Spenderhund durch die Abgabe des vielen Blutes verstorben war. Wenigstens dem Empfänger aber soll es kurz nach dem Eingriff wieder blendend gegangen sein.

Bereits im folgenden Jahr erhielt schließlich der erste menschliche Patient eine Bluttransfusion - nicht ganz freiwillig wie man sich denken kann. Doch der französische Arzt Jean-Baptiste Denis sah am 15. Juni 1667 keine andere Möglichkeit, seinen fünfzehnjährigen Patienten zu retten, als ihm etwas Blut von einem Lamm zu übertragen. Der kleine geschwächte Junge hatte einfach zu viel eigenes Blut bei vorhergehenden Aderlässen verloren - eine damals übliche Behandlung für alle möglichen Erkrankungen, bei der dem Patienten wortwörtlich Blut aus den Adern entlassen wurde.

Ein Erfolg - viele Fehlschläge

Erstaunlicherweise soll der Junge die artübergreifende Bluttransfusion sogar überlebt haben. Daher wurde diese Technik in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder angewendet. Die meisten Empfänger hatten allerdings nicht so viel Glück wie der fünfzehnjährige "Patient Null". Trotz der verheerend geringen Erfolgsquote sollen manche Chirurgen aber bis ins 19. Jahrhundert Soldaten dazu geraten haben, sich ein Schaf auf dem Rücken festzuschnallen. So sollten sie in der Schlacht notfalls schnell eine Bluttransfusion durchführen können.

Glücklicherweise machte der Chirurg Richard Volkmann 1883 mit derart grotesken Vorschlägen Schluss. In seiner Leichenrede für die Tierbluttransfusion stellte er pointierend klar: "Zur Übertragung von Schafsblut gehören drei Schafe: eines, dem man das Blut entnimmt, ein zweites, das es sich übertragen lässt und dazu ein drittes, das die Übertragung durchführt."

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CLU, 14.06.2017
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