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Vor 40 Jahren: Die Entführung der "Landshut"

Am 13. Oktober 1977 begann eines der dramatischsten Terror-Ereignisse der deutschen Geschichte: Terroristen entführten die Lufthansa-Maschine "Landshut" und nahmen mehr als 80 Passagiere als Geiseln. Fünf Tage lang irrte das entführte Flugzeug durch Europa, bevor einem Sondereinsatzkommando in Mogadischu die Befreiung der Geiseln gelang. Jetzt kommt das Flugzeug nach Deutschland zurück.

Lufthansa-Maschine Landshut in Manchester
Die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" im Oktober 1977 zählt zu den dramatischsten Terrorereignissen der deutschen Geschichte.

 

 

Ihren Heimflug aus dem Mallorca-Urlaub haben sich die gut 80 Passagiere an Bord der "Landshut" wohl ganz anders vorgestellt. Als die Fluggäste am 13. Oktober 1977 in Palma de Mallorca in die Lufthansa-Maschine mit Flugziel Frankfurt am Main einsteigen, ahnen sie noch nichts Böses, alles scheint wie immer: Es gibt Getränke, die Stewardessen kümmern sich wie gewohnt um die Passagiere.

RAF-Terror im "Deutschen Herbst"

In Deutschland allerdings sieht zu dieser Zeit keineswegs alles rosig aus – im Gegenteil: Der Terror durch die linksradiale Rote Armee Fraktion (RAF) erreicht im sogenannten "Deutschen Herbst" gerade seinen Höhepunkt. Bereits im April 1977 hat ein Terrorkommando den Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter ermordet. Im Juli wird der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, in seinem Haus erschossen.

Noch während die Urlauber auf Mallorca auf ihren Abflug warten, muss der am 5. September 1977 entführte Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer um sein Leben fürchten. Seine Entführer fordern die Freilassung von elf gefangenen RAF-Terroristen. Doch die deutsche Bundesregierung unter Helmut Schmidt weigert sich, die Forderung der Entführer zu erfüllen.

Die Entführung

Genau an diesem Punkt holt die düstere Wirklichkeit des Terrors die Mallorca-Urlauber ein. Denn was sie nicht wissen: An Bord ihrer Maschine sind vier Terroristen von der mit der RAF verbündeten "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP). Versteckt in Kosmetikkoffern und einem Radio haben die zwei Männer und zwei Frauen zwei Pistolen, Handgranaten und Plastiksprengstoff an Bord geschmuggelt.

Nach einer guten halbe Stunde Flugzeit, die "Landshut" nähert sich gerade der Küste von Südfrankreich, stürmen die Terroristen das Cockpit und zwingen die Piloten, den Kurs zu ändern.  Diesen bleibt nichts anderes übrig, als den Anweisungen der Flugzeugentführer Folge zu leisten. Denn diese drohen, sonst die Maschine in die Luft zu jagen. Neues Ziel des Fluges soll nun Larnaka auf Zypern sein.

Flugroute der Landshut (Oktober 1977)
Flugroute der "Landshut" nach ihrer Entführung durch die vier RAF-Terroristen.

Irrflug durch Europa

Doch das erste Problem tritt schon über Italien auf: Schnell wird klar, dass der Treibstoff der Maschine nicht mehr bis Zypern reichen wird. Die "Landshut" muss in Rom zwischenlanden. Dort nutzen die Terroristen die Gelegenheit, um ihre Forderungen zu stellen: Wie die Entführer von Hanns Martin Schleyer fordern sie die Freilassung der elf RAF-Terroristen und zusätzlich von zwei PLFP-Terroristen, die in der Türkei inhaftiert sind. Außerdem wollen sie 15 Millionen US-Dollar.

Die deutsche Bundesregierung weigert sich und bittet die italienischen Behörden stattdessen, die Reifen der "Landshut" zu zerschießen, damit das Flugzeug nicht mehr starten kann. Doch das erscheint der italienischen Regierung zu riskant, sie fürchtet um das Leben der Geiseln an Bord. Papst Paul VI. bietet der deutschen Regierung an, sich gegen die Geiseln austauschen zu lassen, doch diese lehnt dies ab.

Nach dem Auftanken fliegt die "Landshut" nun weiter nach Zypern und landet gegen 20:30 Uhr auf dem Flughafen von Larnaka.  Hier schalten sich PLO-Vertreter in die Verhandlungen ein und versuchen die Entführer zur Aufgabe zu bewegen – vergeblich. Stattdessen zwingen die Terroristen die beiden Piloten, das Flugzeug erneut zu starten und Kurs auf Beirut zu nehmen. Sie hoffen im Nahen Osten sozusagen auf Heimvorteil und Unterstützung für ihre "Sache".

Doch sie irren: Weder der Flughafen von Beirut, noch die daraufhin angesteuerten Ausweichziele Damaskus, Bagdad und Kuweit erteilen der entführten Lufthansa-Maschine Landerlaubnis. Stattdessen werden die Landebahnen gesperrt, um die Landung zu verhindern. Besatzung und Passagiere stehen nun Todesängste aus, denn der Treibstoff wird allmählich knapp. Als auch Dubai zunächst die Landung verweigert, fürchten alle das Schlimmste.

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NPO, 13.10.2017
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