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Vorsicht Gift! Mit der Pilzsaison sprießen auch tödliche Doppelgänger

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Grüner Knollenblätterpilz (links) und Wiesen-Champignon (rechts)
Fatale Doppelgänger: Der berüchtigte Grüne Knollenblätterpilz (links) sieht dem essbaren Wiesenschampignon (rechts) sehr ähnlich und wird daher oft mit ihm verwechselt.

Tödlicher Doppelgänger

Der Klassiker unter den fatalen Doppelgängern ist der Knollenblätterpilz: Er sieht dem essbaren Wiesenschampignon sehr ähnlich und wird daher oft mit ihm verwechselt. Schon ein einzelner verspeister Knollenblätterpilz kann jedoch tödlich sein, weil sein Gift speziell das lebenswichtige Organ Leber schädigt. Für die lebensbedrohliche Wirkung des Knollenblätterpilzes sind sogenannte Amatoxine verantwortlich, vor allem das alpha-Amanitin.

Typischerweise treten die Vergiftungssymptome nicht sofort auf, sondern erst nach sechs bis maximal 24 Stunden. "Der Klassiker ist, dass am Abend Giftpilze gegessen werden und erst am nächsten Morgen bekommt man Übelkeit, Erbrechen und Durchfall", erklärt Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum-Nord. Besteht dann der Verdacht einer Pilzvergiftung, muss es schnell gehen. Denn ohne Behandlung kann der Betroffene innerhalb weniger Tage an Leberversagen sterben.

"Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte man sich sofort an das nächste Krankenhaus wenden oder den Notarzt rufen", rät Michael Manns von der Deutschen Leberstiftung. Um die Diagnose zu erleichtern, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben und an den Arzt weitergegeben werden. "Eine frühe Diagnose der Vergiftung und ein unverzüglicher Beginn der Behandlung sind für die Heilungsaussichten extrem wichtig." Im Spätstadium der Vergiftung kann nur noch eine Lebertransplantation den Vergifteten retten.

Pantherpilz (links), Perlpilz (rechts)
Verwechslungsgefahr: Der hochgiftige Pantherpilz (links) ähnelt dem beliebten Perlpilz (rechts).

Auch hier herrscht Verwechslungsgefahr

Doch neben dem Knollenblätterpilz gibt es noch weitere fatale Doppelgänger. So ähnelt der Pantherpilz (Amanita pantherina) dem beliebten Perlpilz (Amanita rubescens). Beide besitzen einen bräunlichen Hut mit pickelartigen Flecken und helle Lamellen auf der Hutunterseite. Doch der Pantherpilz enthält ein Gift, das schlimmstenfalls sogar tödlich sein kann. Es löst Erbrechen, Durchfall und Krampfanfällen aus, wirkt aber auch auf das Zentralnervensystem und kann Krampfanfälle, Koma und eine Atemlähmung verursachen.

Ebenfalls tückisch ist der Doppelgänger des essbaren Stockschwämmchens (Kuehneromyces), der Gifthäuptling (Galerina marginata). Beide sehen sich nicht nur sehr ähnlich, sie wachsen auch beide auf dem gleichen Untergrund: abgestorbenem, halbvermoderten Holz. Unterscheiden kann man sie nur an Details ihres Stiels. Das Gift des Gifthäuptlings ist chemisch dem des Knollenblätterpilzes sehr ähnlich. Wie dieses schädigt es vor allem die Leber und löste die ersten Symptome meist mehrere Stunden nach der Pilzmahlzeit aus.

Wer sich vor solchen fatalen Verwechslungen schützen will, sollte daher lieber nicht auf Versuch und Irrtum vertrauen, sondern lieber auf Nummer sicher gehen.

NPO, 21.09.2017
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