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Walschutz in Gefahr?

Umweltschützer befürchten ein baldiges Ende des seit 1986 bestehenden Fangverbots

Erstmals seit 20 Jahren haben die Befürworter des Walfangs mit Japan und Norwegen an der Spitze bei einer Abstimmung der Internationalen Walfangkommission (IWC) eine knappe Mehrheit errungen. Von Naturschützern wird dies als der Anfang vom Ende des Walschutzes gewertet.

Mit 33 zu 32 Stimmen haben sich die Anhänger der Jagd auf Wale bei der IWC-Tagung auf der Karibikinsel St. Kitts durchgesetzt. Verabschiedet wurde eine Resolution, die den Fortbestand des seit 1986 geltenden Verbots des kommerziellen Walfangs als unnötig bezeichnet. Der IWC solle sich künftig weniger um den Schutz der großen Meeressäuger als vielmehr um die Kontrolle des Walfangs kümmern. Begründet wird dies in dem Papier vor allem mit der Armutsbekämpfung durch die wirtschaftliche Nutzung von Walen. Außerdem würden die Tiere große Mengen Fisch fressen, dadurch habe das „Management von Walen“ eine große Bedeutung für die Ernährung der Küstenregionen.

Zwar hat die Verabschiedung dieser Resolution zunächst keine praktischen Auswirkungen. Denn zur Aufhebung des 1986 verhängten Moratoriums, das den kommerziellen Walfang untersagt, bedarf es einer Dreiviertel-Mehrheit. Doch dass es Japan erstmals gelungen ist, eine einfache Mehrheit von Walfangbefürwortern hinter sich zu bringen, wird als Symbol gewertet. Dafür stimmten neben Norwegen unter anderen Dänemark, Island und Russland. Zu den Gegnern zählen Deutschland, Australien, Neuseeland und die USA. Seit Jahren schon versucht Japan das IWC zu dominieren, um das Moratorium auszuhebeln. Umweltschützer werfen Japan vor, Stimmen gekauft zu haben. Mit Entwicklungshilfe würden Länder wie Mali oder die Mongolei auf die Linie Japans gebracht werden. „Die Scheckbuchdiplomatie Japans scheint erfolgreich zu sein“, sagte Ralf Sonntag, Meeresbiologe des Internationalen Tierschutz-Fonds (IFAW). Die Organisation befürchtet, dass bald das Walschutzgebiet rund um die Antarktis aufgehoben werden könnte. Einen entsprechenden Antrag hatte Japan gestellt, kam damit aber nicht durch. Die Anträge anderer Staaten, im Südpazifik und in Westindien Walschutzgebiete einzurichten, wurden jedoch gar nicht erst zur Abstimmung zugelassen.

Das Moratorium, das gewährleisten soll, dass bedrohte Walarten überleben und ihre Bestandsentwicklung regelmäßig überprüft wird, spaltet das IWC seit Jahren in Walschützer und Befürworter des Fangs. Die einen werfen den anderen Stimmenkauf vor, während die Befürworter Binnenstaaten unterstellen, dass sie in ihrem Widerstand gegen den Walfang eine einfache Möglichkeit zum Image-Gewinn in Sachen Umweltschutz sähen.

Den Walfangnationen geht die im Moratorium festgeschriebene Kontrolle zu langsam. Nicht alle Walarten seien schutzbedürftig, sagen sie. So habe sich der Zwergwal beispielsweise derart vermehrt, dass er mit rund 100.000 Tieren zu einer Bedrohung der Fischbestände geworden wäre. Umweltschützer bezweifeln das Anwachsen der Bestände nicht, doch sind sie überzeugt, dass eine nachhaltige Regulierung des Walfangs nicht möglich sei. Ohnehin fangen Japan, Norwegen und Island seit Jahren Wale zu „wissenschaftlichen Zwecken“. Das hindert sie aber nicht daran, das Fleisch zu verkaufen. Umweltschützer sind nach der Abstimmung der IWC überzeugt: Jetzt fühlten sich die Pro-Walfangstaaten in ihren Bemühungen gestärkt, das kommerzielle Fangverbot so rasch wie möglich aufzuheben.

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von Iris Hilberth, wissen.de
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