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Was man über Tapeten und Tapezieren wissen sollte

Einfach mal die Tapete wechseln – was umgangssprachlich als Synonym fürs Verreisen oder einen Umzug benutzt wird, bekommt im Heimwerkerbereich seine ganz eigene Deutung. Wer eine neue Wohnung bezieht oder endlich in die eigenen vier Wände einzieht, steht irgendwann vorm Tapeziertisch. Aber auch wenn Familien bereits seit Jahren in ihrer Wohnung leben – Veränderungen gehören dazu. Allein 2016 haben Malerzubehör und Anstrichmittel laut Branchenverband BHB mehr als 1,2 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz der Heimwerkerbranche beigetragen. Und das Tapezieren ist einer jener klassischen Bereiche, in dem das Credo Do it Yourself zu Hause ist.

Auf den ersten Blick scheint es keine große Herausforderung zu sein, die Tapete an die Wand zu bringen. Aber: Jeder Heimwerker, der sich schon als „Maler“ versucht hat, wird den Moment kennen indem das Frustpotenzial immer höher wird. Die Auswahl der richtigen Tapete ist genauso wichtig wie das Zubehör. Denn: Wird Tapete fehlerhaft verleimt, ist das Bild teils so unschön, dass am Ende doch noch der Profi ranmuss. Worauf sollte beim Kauf von Tapete und beim Tapezieren im Detail geachtet werden?

Handwerker beim Tapzieren
Tapezieren ist grundsätzlich gar nicht so schwierig, wie es zunächst scheinen mag. Trotzdem liegt auch hier die Tücke im Detail.

Arten von Tapeten - ein Überblick

In der Praxis haben sich unterschiedliche Tapetenarten entwickelt. Wahrscheinlich besonders bekannt ist die sogenannte Raufasertapete. Hierbei handelt es sich um ein Produkt, welches aus mehreren Lagen Papier besteht, in welche Holzfasern eingearbeitet werden. Ein Merkmal der Raufasertapete ist die Oberfläche. Aufgrund der Tatsache, dass diese Tapete robust ist und überstrichen werden kann, wird sie heute von vielen Heimwerkern eingesetzt. Für welche Tapeten können sich Haushalte noch entscheiden?

  • Vliestapete: Dabei handelt es sich um eine Tapete mit einem Vliesträgermittel. Zu den Vorteilen dieser Tapeten gehört die Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit. Daher kann eine Vliestapete auch im Nassbereich verarbeitet werden. Aufgrund der Tatsache, dass für die Verarbeitung keine Weichzeit nötig ist, kann hier mit der Wandklebetechnik gearbeitet werden.
  • Vinyltapete: Diese Tapetenvariante besteht aus einem Träger und einer darauf aufgebrachten Kunststoffbeschichtung. Aufgrund einer ausgezeichneten Strapazierfähigkeit kann Vinyltapete im Bad- und Sanitärbereich sowie in der Küche eingesetzt werden. Bei der Verarbeitung sind die vorgeschriebenen Weichzeiten zu beachten.
  • Struktur- oder Profiltapete: Die Besonderheit dieser Tapete ist der aufgeschäumte PVC-Auftrag. Dieser verleiht der Profiltapete ihre besondere Haptik und 3D-Wirkung. In der Verarbeitung sollte auf die Verwendung des passenden Klebers und eine angemessene – aber nicht zu lange Einweichzeit geachtet werden.
  • Überstreichtapeten: Hierbei handelt es sich um Vlies- bzw. Strukturvliestapeten, welche nach dem Verkleben überstrichen werden können. Damit bietet diese Tapetenvariante dem Heimwerker einen besonderen Gestaltungsspielraum.

Neben den bis hierhin genannten Tapetenarten gibt es einige weitere Formen, die aufgrund ihrer Besonderheiten eher in die Kategorie der Spezialtapeten fallen. Hierzu zählen unter anderem Metallic-Tapeten oder die Fototapeten.

Letztere bieten die Möglichkeit, wandhohe Wallpaper zu kreieren. Allerdings ist bei deren Verarbeitung ein sorgfältiges und genaues Arbeiten unbedingt Voraussetzung, da andernfalls sehr unschöne Effekte entstehen.

Tipp: Einige Hersteller bieten inzwischen auch selbstklebende Tapeten an. Diese können als Bordüre oder Effekt- bzw. Design-Panel verarbeitet werden.

Bei der Auswahl der Tapete für die eigenen vier Wände spielt natürlich der Preis immer eine Rolle. Allerdings entpuppt sich übertriebenes Sparen schnell als Fehler. Prinzipiell ist beim Kauf von Tapeten der Qualität die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.

Tapezieren - wie funktioniert das?

Beim Tapezieren kommt die Tapete an die Wand. Klingt einfach, ist in der Praxis aber oft komplizierter als gedacht. Grundsätzlich besteht das Tapezieren aus mehreren Schritten.

  • Schritt 1: Raummaße aufnehmen, im Handel für passende Tapeten entscheiden und die benötigte Menge kaufen. Hierbei sollten 5 Prozent bis 10 Prozent als Verschnitt geplant werden. Zum Zubehör gehören Eimer, Tapetenleim, eine weiche Bürste, ein entsprechend langes Winkelmaß, Tapezierpinsel und ein Tapeziertisch.
  • Schritt 2: Die Raumtemperatur liegt bei etwa 20° C. Wände müssen trocken und staubfrei sein, Risse o. Ä. sind im Vorfeld zu spachteln.
  • Schritt 3: Tapeziert wird allgemein vom Licht zum Schatten. Eine Ausnahme ist das Verkleben von Mustern/Strukturen. Grundsätzlich sollte die erste Bahn mit einem Lot ausgerichtet werden. Den Kleber entsprechend der Verarbeitungshinweise vorbereiten.
  • Schritt 4: Einige Bahnen können vorgeschnitten werden. Dabei auf einen Überstand von mindestens 5 cm (eher 10 cm) achten. Der Kleber wird flächig von der Mitte bis in die Ecken auf die Tapete aufgetragen. Letztere nach der Drittel-Regel einschlagen und auch bündig liegende Kanten achten.
  • Schritt 5: Beim Tapetenkleben auf etwas Überstand achten. Die Tapete wird von oben nach unten verklebt und mit der weichen Bürste angestrichen. Zum Schluss den Überstand entfernen.

Achtung: Für einige Tapeten wird der Kleber direkt auf die Wand aufgetragen. Immer auf die Herstellerangaben achten, um Fehler und damit einhergehenden Ärger zu vermeiden.

Worauf ist sonst noch zu achten?

Wer Tapete verarbeiten will, sollte einige Dinge im Hinterkopf behalten. Beispielsweise ist Durchzug zu meiden. Hierdurch verläuft die Trocknung ungleichmäßig, was zur Bildung von Blasen führen kann. Ein zweiter Aspekt betrifft das Vorbereiten der Bahnen: Immer nur so viel Tapete in Angriff nehmen, wie innerhalb von 10 Minuten bis 15 Minuten verarbeitet werden kann. Hintergrund: Trocknet der Leim auf den Bahnen an, lassen sich diese nicht mehr mit der Wand ohne Probleme verkleben.

Tapetenrolle
Die Auswahl an verschiedenen Tapeten ist heute schier grenzenlos - da ist für jeden Geschmack etwas Passendes dabei.

Fazit: Mit der richtigen Vorbereitung erfolgreich tapezieren

Tapezieren – klingt einfach, will aber trotzdem gelernt sein. Grundsätzlich ist sind Tapezieren und Malern zwei Aufgaben, die sich viele Heimwerker aus dem Stand zutrauen. Allerdings darf das Frustpotenzial nicht unterschätzt werden. Gerade beim ersten Mal droht der eine oder andere Aspekt schief zu gehen. Wer erfolgreich tapezieren will, sollte einige Punkte unbedingt berücksichtigen – und auf eine umfassende Vorbereitung achten. Nur so wird das Renovieren am Ende gelingen, auch ohne dass ein Malerfachbetrieb am Ende anrücken muss. Eines sollte nie passieren: Sich als Heimwerker selbst überschätzen. Dies kann letztlich zu bösen Überraschungen führen und die Kosten unnötig in die Höhe treiben.

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