Dreißigjähriger Krieg
Sammelbezeichnung für mehrere Kriege in Europa von 1618 bis 1648. Der Begriff Dreißigjähriger Krieg ist zeitgenössisch und fasst das kriegerische Geschehen zwischen Prager Fenstersturz (1618) und Westfälischem Frieden (1648) zusammen. Sprach man im 17. und 18. Jahrhundert auch vom Teutschen Krieg, um den Raum zu charakterisieren, der millionenfachen Tod, Verwüstung und Barbarei erlitt, so deutet die neuere Geschichtsschreibung das Ganze als Krieg in Europa, weil sich in vielen Ländern Macht-, Religions- und Wirtschaftsprobleme gewaltsam entluden. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen in den Niederlanden, zwischen Polen und Schweden, Schweden und Dänemark, Frankreich und Spanien, aber auch in England, Süditalien oder auf der Iberischen Halbinsel.
Vorgeschichte und erste Kriegsphase:
In Deutschland hatte der Augsburger Religionsfrieden 1555 den Glaubensstreit politisch geregelt. Während in Westeuropa Religions- und Bürgerkriege tobten, herrschte hier lange Frieden. Erst als sich die Protestanten von Kaiser Rudolf II. und der katholischen Gegenreformation in die Defensive gedrängt fühlten, begannen sie, das insbesondere auf den Reichstagen zwischen Kaiser und Ständen praktizierte Aushandeln einer gemeinsamen Politik zu blockieren. Die protestantische Union (1608) und die katholische Liga (1609) steuerten aber keinen direkten Konfrontationskurs.
Ausgelöst wurde die erste Phase des Dreißigjährigen Krieges, der Böhmisch-Pfälzische Krieg 1618-1623, von den evangelischen Ständen im Königreich Böhmen, die gegen ihren habsburgischen Monarchen Ferdinand II. rebellierten, weil sie in dessen gegenreformatorischer Politik einen Verstoß gegen den Majestätsbrief Rudolfs II. sahen. Sie warfen zwei königliche Statthalter aus einem Fenster des Hradschins (Prager Fenstersturz, 23. Mai 1618) und wählten - in der Hoffnung auf die Unterstützung des protestantischen Europa - mit Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz einen neuen König (Aug. 1619). Ferdinand II. verständigte sich daraufhin mit Herzog Maximilian von Bayern, dem Haupt der Liga, auf die Rückeroberung Böhmens. Dafür sollte die Pfälzer Kurwürde an die bayerischen Wittelsbacher fallen.
Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag (8. Nov. 1620) endete mit einem triumphalen Sieg des Ligaheeres unter dem Grafen Tilly. Friedrich, der „Winterkönig“, floh ins niederländische Exil. Ferdinand II. übernahm erneut die Macht in Böhmen, ließ 27 „Rebellen“ hinrichten, veranlasste große Besitzumschichtungen und eine planmäßige Rekatholisierung.
Der Krieg weitete sich aus, weil Maximilian von Bayern die Oberpfalz und schließlich Heidelberg (19. Sep. 1622) erobern ließ. Dabei wurden in den Schlachten bei Wimpfen (Mai 1622) und Höchst (Juni 1622) die protestantischen Heere besiegt. Kaiser Ferdinand II. machte Herzog Maximilian im Februar 1623 zum Kurfürsten, während er selbst im Reich die Gegenreformation fördern und seine monarchische Stellung ausbauen wollte. Die Armee der Liga zog nach Norden, siegt bei Stadtlohn (Aug. 1623) und zwang den Grafen Mansfeld 1624, sein Heer aufzulösen. Trotz des Krieges wurde zu dieser Zeit eine durch Münzverschlechterung hervorgerufene Inflation erfolgreich bekämpft - in Indiz dafür, dass das Reichssystem auch in Krisenzeiten funktionieren konnte.
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