Widerstandsbewegung

allgemein die organisierte Gegnerschaft gegen ein diktatorisches Regime oder eine Fremdherrschaft; im engeren Sinne Sammelbezeichnung für die Opposition gegen den politisch-weltanschaulichen Totalitätsanspruch, die Gewaltherrschaft und die Kriegspolitik des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945.

Widerstand aus politischen, weltanschaulichen und ethischen Gründen gegen das NS-Regime manifestierte sich in vielfältiger Gestalt und Intensität. Aktiver Widerstand sollte die Diktatur Hitlers untergraben und zielte letztlich auf seinen Sturz ab, konnte deshalb aber nur geheim und in kleinen Gruppen betrieben werden. Eine andere Grundform des Widerstandes zeigte sich in individueller wenig oder nicht politisch motivierter, gewissermaßen passiver Verweigerung gegen Ansprüche und Maßnahmen des Regimes. Solche Verweigerung konnte auch institutionelle Formen annehmen, z. B. in Kreisen der Kirchen, der Bürokratie, der Wehrmacht oder bei Jugendgruppen. Manche Schriftsteller und Künstler wählten den Rückzug in die weltanschauliche innere Emigration.

Die deutsche Widerstandsbewegung umfasste Gruppen und Kreise unterschiedlicher weltanschaulicher und politischer Orientierung, die nur wenig Kontakt miteinander hatten: Kommunisten (u. a. Franz Jacob, Anton Saefkow); die Rote Kapelle (u. a. Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen); Sozialdemokraten (u. a. Julius Leber, Carlo Mierendorff, Adolf Reichwein); Gewerkschafter (u. a. Wilhelm Leuschner, Jakob Kaiser); bürgerlich-konservative Kreise (u. a. Carl Friedrich Goerdeler, Ulrich von Hassell); Geistliche beider Konfessionen (u.  a. Alfred Delp, Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller, Kardinal von Galen), Jugendliche und Studenten (u. a. Edelweißpiraten, Geschwister Scholl bzw. Weiße Rose), Einzeltäter (Georg Elser), Offiziere (u. a. Ludwig Beck, Erwin von Witzleben). Ein loses Vermittlungszentrum der Widerstandsbewegung bildete der Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke u. Peter Graf Yorck von Wartenburg, der eine moralisch-ethisch begründete Überwindung des nationalsozialistischen Unrechtsstaates anstrebte.

Nach 1933 versuchten zunächst vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten trotz hoher Opfer, im Untergrund weiterzuarbeiten. Dabei bestand zwischen den beiden Gruppierungen, deren Parteien sich schon in der Weimarer Republik bekämpft hatten, wenig Verbindung. Die deutschen Sozialdemokraten leiteten ihren Kampf gegen das NS-Regime zunächst vom Exil in Prag, dann von London aus. Widerstandsgruppen aus bürgerlichen, national-konservativen Kreisen u. aus dem Offizierskorps entstanden überwiegend nach dem Übergang des Regimes zur offenen Expansionspolitik seit 1938.

Den militärischen Widerstandskreisen kam besondere Bedeutung zu, weil sie noch am ehesten über Mittel verfügten, die gegen das Regime eingesetzt werden konnten. Pläne, Hitler zu verhaften, zerschlugen sich im September 1938 und November 1939 aufgrund ungünstiger äußerer Umstände und innerer Zweifel. 1943/44 missglückten mehrere Attentatsversuche (H. von Tresckow). Zur treibenden Kraft wurde seit 1943 C. Schenk Graf von Stauffenberg, der enge Verbindung zu Beck und Goerdeler aufnahm und als Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheeres direkten Zugang zu Hitler hatte. Er unternahm in dessen Hauptquartier bei Rastenburg in Ostpreußen am 20. 7. 1944 einen Bombenanschlag. Da die Verschwörer Stauffenbergs Anwesenheit in Berlin als unerlässlich für den Ablauf des Umsturzplanes ansahen, verließ er das Hauptquartier vor der Explosion. Hitlers Überleben führte zum Scheitern des Umsturzversuchs. In den folgenden Monaten nahm das Regime durch die Verfahren vor dem Volksgerichtshof blutige Rache an der Widerstandsbewegung

Auch in den von deutschen Truppen besetzten Ländern entstanden Widerstandsbewegungen, z. B. in Frankreich die Résistance. Ihre Aktivitäten richteten sich außer gegen die Besatzer auch gegen die Kollaboration einheimischer Kreise. Die Widerstandsgruppen wurden durch Exilvertretungen und die Kriegsgegner der Achsenmächte unterstützt und gewannen durch Partisanentätigkeit und Sabotage in den letzten Kriegsjahren eine gewisse militärische Bedeutung. In den nicht von der Sowjetunion besetzten Ländern spielten Angehörige der Widerstandsbewegungen beim politischen Wiederaufbau nach der Befreiung eine erhebliche Rolle.

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