San Pietro in Vincoli
Ob die ›vincoli‹ (Ketten) Petri, die hier aufbewahrt werden, echt sind, ist die Frage; echt ist eines der Hauptwerke Michelangelos, der eindrucksvolle ›Moses‹ vom Grabmal für Papst Julius II. Piazza di S. Pietro in Vincoli Metro B: Cavour Bus: 75, 84 Tram: 3
Die dreischiffige Kirche, auch Basilica Eudossiana genannt, geht auf eine Gründung durch Kaiserin Eudoxia zurück, die Frau Kaiser Valentinians III. (425-455). Die Weihe des ersten Baus erfolgte 439 durch Papst Sixtus III. Umbauten wurden im 8. und 9. Jh. vorgenommen. Zuletzt ließ sie Kardinal Giuliano della Rovere, dessen Titelkirche die Basilika war, durch Francesco Fontana im Stil der Renaissance umgestalten. Das war kurz bevor der Kardinal 1503 zum Papst gewählt wurde, als der er den Namen Julius II. annahm. Am Marmorportal ist das Wappen des Kardinals angebracht.
Ein Glasbehälter unter der Confessio birgt die Ketten (vincoli), die zumindest seit 439 als diejenigen gelten, mit denen laut der Apostelgeschichte Petrus in Jerusalem im Gefängnis gefesselt war. Die Mutter der Stifterin, ebenfalls eine Eudoxia, Frau des oströmischen Kaisers Theodosius II., hatte die Ketten in Jerusalem gefunden und ihrer Tochter geschenkt, die zur Aufbewahrung der Reliquie die Basilika errichten ließ.
Ein Meisterwerk der Renaissance-Skulptur schmückt das Grabmal Papst Julius II., Michelangelos berühmte Figur des Moses (1513-16). Die Planungen für das Grabmal zogen sich lange hin und das Konzept wurde mehrfach verändert, wie die Entwürfe Michelangelos dokumentieren. Letztlich wurde es in reduzierter Form fertig gestellt. Michelangelo hat für das Monument außer der großartigen Marmorskulptur des Moses auch die (z. T. unvollendeten) Sklaven geschaffen, die heute in der Accademia von Florenz und im Pariser Louvre gezeigt werden. Die beiden in den seitlichen Nischen des Grabmals stehenden anmutigen Figuren der Rahel (links) und Lea (1542-45) hat Michelangelo ebenfalls entworfen, ausgeführt wurden sie wohl hauptsächlich von Raffaello da Montelupo.
Über die Figur des gehörnten Moses, den die Zeitgenossen als terribile apostrophierten, ist viel gerätselt worden. Es wurde behauptet, Moses sei in dem Augenblick dargestellt, als er im Begriff ist, angesichts des ungehorsamen Volkes Israel in heiligem Zorn aufzuspringen und die Gesetzestafeln zu Boden zu schleudern. Sigmund Freud hat der Skulptur 1914 ein Essay gewidmet, in dem er nachweist, dass Michelangelo Moses mitnichten kurz vor dem Aufspringen zeige, sondern im Augenblick großer innerer Bewegung, und wie ihm im Moment der Erkenntnis über die Undankbarkeit seines Volkes die Gesetzestafeln zu entgleiten drohen.
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