Kautschuk
[der; indianisch, französisch] englisch India-rubber eine hochpolymere organische Substanz, aufgebaut aus mehreren tausend Isoprenresten pro Molekül (→ Isopren); Formel: (C5H8)n. Diese Isoprenbausteine tragen jeweils zwei Doppelbindungen, an die andere Atome angelagert werden können. So entsteht z. B. durch Schwefelanlagerung Gummi (Vulkanisation) und mit Chlorgas der Chlorkautschuk. Vorkommen: Rohkautschuk ist der geronnene Milchsaft (Latex) einiger in tropischen Gegenden wachsenden Pflanzenarten, vor allem aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Hauptlieferant für Naturkautschuk ist der Baum Hevea brasiliensis (Parakautschuk). Weitere Kautschuk erzeugende Pflanzen sind verschiedene Maulbeergewächse (Assamkautschuk), Hundsgiftgewächse (Seidenkautschuk), Löwenzahn- und Korbblütlerarten. In getrocknetem Zustand ist der Kautschuk weich und elastisch, in Wasser unlöslich, aber etwas quellbar, und er beginnt bei etwa 180 °C zu schmelzen. Dieser Rohkautschuk wurde früh von den Bewohnern Süd- und Mittelamerikas zur Herstellung von Schuhen, Flaschen und Bällen benutzt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gelangte die erste genaue Kenntnis der Eigenschaften des Kautschuks nach Europa. Am Ende des 18. Jahrhunderts begann man, aus dem Material Röhren herzustellen, und im 19. Jahrhundert erkannte man seine Eigenschaft, Bleistiftstriche auszuwischen. Noch später begann die Herstellung medizinischer Geräte aus Kautschuk. Ein Wendepunkt in der Verarbeitung trat ein, als der Amerikaner C. Goodyear die → Vulkanisation einführte (1839/40). Im Zusammenhang mit dem Aufschwung der Gummi verarbeitenden Industrie (Auto- und Fahrradreifen, Gummiartikel aller Art) stieg auch der Bedarf an Rohkautschuk so stark an, dass nur der planmäßige Anbau in Plantagen den Bedarf decken konnte. © Wissen Media Verlag
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