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Special: Barcelona

Barcelona - "Das New York Europas"

Schillernd, abweisend und einladend zugleich, uralt und immer wieder prickelnd jung - so stellt sich Barcelona als quicklebendige Metropole auf engstem Raum vor. Katalanisch wird hier nicht nur aus Eigensinn gesprochen, sondern ist die erste Sprache in der Öffentlichkeit - schließlich ist Barcelona die stolze Hauptstadt der autonomen Provinz Katalonien.

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Santa Maria del Mar

Ein architektonisches Juwel der katalanischen Gotik in herber Strenge und Klarheit.

Plaça Santa Maria

Der Legende nach war der Bauplatz dieser Kirche schon seit dem frühen Christentum von besonderer Bedeutung. An dieser Stelle soll der Apostel Jakobus d.Ä. gepredigt haben, dessen Grab seit dem 9. Jh. in Santiago de Compostela hoch verehrt wird. Die Predigt war der Anlass für den Bau einer ersten, kleinen Kapelle. Um 304 wurde der gemarterte Leichnam der hl. Eulalia hier bestattet. Anfang des 8. Jh. versteckten Gläubige die Gebeine der Heiligen aus Furcht vor den Mauren dann so gut, dass man sie erst 150 Jahre später wieder entdeckte und 1339 in die Kathedrale überführte. 1329 wurde der Grundstein zu der heutigen, gotischen Kirche gelegt. Nach einer Rekordzeit von nur 55 Jahren konnte der Bau bereits 1384 geweiht werden. Santa Maria del Mar ist die einzige gotische Kirche in Barcelona, die tatsächlich ganz fertig gestellt wurde. Alle in La Ribera vertretenen Zünfte beteiligten sich am Bau. Die Lastenträger, die Bastaixos und Macips de Capçana, taten sich durch ihre eifrigen und kostenlosen Dienste besonders hervor. Ihr Einsatz ist auf einer kleinen Bronzetafel im Hauptportal und zwei schönen marmornen Reliefplatten zu seiten der Altarstufen lobend festgehalten. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die Kirche 1714 vom französisch-spanischen Heer bombardiert. Die Folge waren zerstörte Gewölberippen und Schlusssteine, die, notdürftig mit Gips restauriert, bei dem Kirchenbrand 1936 erneut herunter brachen. Die jüngsten Restaurierungsarbeiten wurden 1990 abgeschlossen. Santa Maria del Mar ist im Grunde ein politischer Bau. Nach dem Willen der mittelalterlichen Stadt sollte er zum Symbol der triumphierenden Seeherrschaft Kataloniens werden. Denn Alfons III. el Benigno (1327-36) legte den Grundstein für das repräsentative Gotteshaus unmittelbar nach der Eroberung Sardiniens, welche den 1229 mit Mallorca begonnenen Erwerb mittelmeerischen Besitzungen Kataloniens abrundete. Mit dieser Kirche gelang Baumeister Berenguer de Montagut ein Juwel der katalanischen Gotik.

Das Äußere der Kirche besitzt die typisch nüchterne Strenge dieses Stils: großflächige, nackte Ziegelmauern, unterbrochen allein von zwei schmalen, umlaufenden Gesimsen, die Öffnungen treten gegenüber der Wand zurück. Hohe kräftige Strebepfeiler gliedern die Fassade in drei Abschnitte, die den Schiffen im Innern entsprechen. Auf Strebewerk ist am Außenbau verzichtet. Die flankierenden, schlanken, achteckigen Türme schließen ohne Turmhelme oben gerade ab. Sehenswert ist das Trichterportal mit dem sitzenden, segnenden Christus im Tympanon. Zu seinen Seiten knien Maria und Johannes (Deesis). Unter Baldachinen an den Ecken sind die Heiligen Petrus und Paulus dargestellt. Der Rest der Portalskulptur fiel dem Kirchenbrand 1936 zum Opfer.

Im Inneren der Kirche öffnet sich ein weiter, hoher Hallenraum, durchflutet von gedämpftem, farbigem Licht. Ähnlich wie am Außenbau wird wieder die Wand betont, die wie eine ausgespannte Fläche wirkt. Neuartig ist das Bemühen, die Gewölbelasten zu bündeln und an wenigen markanten Punkten abzuleiten. Das Hauptschiff besitzt nur vier schlanke, oktogonale Pfeilerpaare, das fünfte verschmilzt bereits mit der Wand. Eine weitere Besonderheit sind die ganz um die Kirche herumgeführten Kapellen zwischen den nach innen gezogenen Strebepfeilern, woraus eine Art Umgang aus hohen, schmalen Spitzbogen entsteht. Die Gewölbe über den Schiffen überspannen eine lichte Weite von 13 m, für damalige Verhältnisse extrem. Höhepunkt des streng konzipierten Innenraums ist der filigrane Pfeilerkranz um die Apsis, der in ein siebenteiliges Gewölbe mit weit herabgezogenen Segeln übergeht. Die harmonische Stimmigkeit dieses leichten, hohen und weiten Raumes ist unleugbar Zeugnis für ein einheitliches und souveränes Baukonzept.

Von der ursprünglichen Ausstattung ist nach dem Kirchenbrand 1936 kaum etwas erhalten. Gleiches gilt für die Glasmalereien. Die Fensterrose, in deren Zentrum die Marienkrönung steht, ist eine Rekonstruktion nach dem Original von 1478. Original sind die beiden Fenster auf der Evangelienseite mit der Himmelfahrt und der Fußwaschung sowie einige in der Apsis mit geometrischen Motiven. Die acht Fenster im Mittelschiff stammen aus dem 19. Jh. Die großen runden Schlusssteine am Mittelschiffgewölbe sind restauriert und wieder farbig bemalt.

© ADAC Verlag GmbH

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