Es Vedrà und Es Vedranell
Inselchen mit Mythen und Legenden.
Ein Traummotiv für Fotografen bietet sich, wenn die niedrig stehende Sonne in den Wintermonaten die Inseln Es Vedrà und Es Vedranell vor der Südwestküste von Ibiza in rot glühendes Licht taucht.
Die beiden Felseneilande sind Naturschutzgebiete, Lebensraum für Kormorane und Basstölpel ebenso wie für eine spezielle Eidechsenart mit blauem Bauch und gelbem Rücken, die auf Es Vedrà endemisch ist. 382 m ragt der höchste Felsen der gut 0,5 km2 kleinen Insel aus dem Meer. Hier gibt es kein Süßwasser, keine Quellen, und die einzigen größeren Bewohner sind wilde Ziegen, die in kleinen Herden über die Insel ziehen. Bis heute werden sie von ihren einstigen Besitzern regelmäßig versorgt.
Zahlreichen Mythen und Sagen diente Es Vedrà, einer der geheimnisumwobensten Orte der Balearen, als Quelle der Inspiration. So soll die Insel einst Wohnort der Sirenen gewesen sein, welche, Homers ›Odyssee‹ zufolge, die Seeleute durch ihren Gesang so verzauberten, dass deren steuerlose Schiffe schließlich an den Riffen zerschellten. Es Vedrà, so heißt es auch, sei die Spitze der versunkenen Stadt Atlantis. Esoterikern gilt das Eiland als Kraftort, als Stätte, an der sie besondere Schwingungen empfangen, sich in Einklang mit der Natur und sich selbst befinden. Auch Mike Oldfield war vom magischen Zauber Es Vedràs gefesselt. So versicherte er, dieser Ort habe ihn zur Komposition seiner mystischen ›Tubular Bells‹ angeregt. Der bekannte Musiker und Komponist hat lange in Cala d’Hort mit Blick auf die Insel gewohnt und diese sogar auf dem Cover der CD ›Tubular Bells III‹ abbilden lassen. Sein Haus hat er übrigens im Januar 2000 für 3,6 Mio. Euro an Noel Gallagher von der Gruppe ›Oasis‹ verkauft.
Auch weniger Prominente haben jeden Sonntag Gelegenheit, von Cala d’Hort aus mit einem Fährboot in einigen Minuten zur Insel überzusetzen, wo man gut schnorcheln oder Vögel beobachten kann. Manch einem passiert es, dass er bei der Überfahrt vom Steuermann darüber informiert wird, Es Vedrà sei ein Orientierungspunkt für UFOs.
Auf dem benachbarten, noch kleineren und wesentlich flacheren Felseneiland Es Vedranell, das man nur mit einem Privatboot ansteuern kann, hatten Bauern vor Jahren ebenfalls versucht, Ziegen auszusetzen. Die Tiere blieben allerdings immer nur kurze Zeit am Leben - für Esoteriker ein Hinweis darauf, dass dieser winzigen Insel die besondere, lebenspendende Energiequelle Es Vedràs fehlen würde. Auch dort kann man die Unterwasserwelt schnorchelnd erforschen.
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