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Special: Marokko

Marokko - Königreich zwischen Meer und Wüste

Zwischen Mittelmeer, Atlantik und dem endlosen Sand- und Steinmeer der Sahara, durch die in vergangenen Jahrhunderten die Kamele der Handelskarawanen als Wüstenschiffe kreuzten, erstreckt sich die stolze Atlaskette von Südwesten nach Nordosten wie ein riesiger Bindestrich zwischen Ozean und Mittelmeer.

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Tanger

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Die Weiße Taube auf der Schulter Afrikas lockt mit einer malerischen Medina und dem Flair einer Weltstadt.

Das nur wenige Kilometer von Europa entfernte Tanger übte schon immer eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Fremde aus. Nicht nur Touristen besuchen zahlreich die Stadt, auch Künstler und Schriftsteller lassen sich immer wieder für längere oder kürzere Zeit hier nieder. Es muss an der geheimnisvollen Atmosphäre des alten Schmugglernests liegen, die noch heute über den dunklen Gassen der Medina schwebt - denn Tanger besitzt ansonsten vergleichsweise wenige Sehenswürdigkeiten. Seit vielen Jahren lebt der amerikanische Schriftsteller Paul Bowles in Tanger, die Stadt inspirierte ihn zu mancher Erzählung. 1989 wurde sein bekannter Roman Der Himmel über der Wüste von Bernardo Bertolucci verfilmt.

Geschichte

Die heute 365 000 Einwohner zählende Hafenmetropole steht auf altem Kulturgebiet. Archäologische Funde zeugen von altsteinzeitlicher Besiedlung. Der phönizische, später karthagische Stützpunkt wurde 38 v. Chr. Teil der römischen Provinz Hispania. Tingis, wie der antike Name der Stadt lautet, entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Handelsstädte zwischen Spanien und Nordafrika. Monumente aus dieser Zeit sind nicht erhalten.

Nach dem arabischen Vordringen an die Nordspitze Marokkos (unter Musa Ibn Nusair 706) diente Tanger den Eroberern als Sprungbrett nach Spanien. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage war die Stadt auch in den folgenden Jahrhunderten heiß umkämpft. Nacheinander wurde sie von allen marokkanischen Königsdynastien erobert. Seit almohadischer Zeit bestanden gute Handelsbeziehungen zu den wichtigsten Hafenstädten des westlichen Mittelmeers.

1471 wurde Tanger von den Portugiesen eingenommen und gelangte in spanischen Besitz, als die Portugiesische Krone an Philipp II. (1578-1640) fiel. Ab 1643 war die Hafenstadt erneut portugiesisch, geriet aber durch die Eheschließung von Katharina von Portugal und Karl II. von England 1661 in den Besitz der Englischen Krone. 1684 schließlich gelang es den Truppen Moulay Ismails, das europäische Gastspiel in Nordafrika vorläufig zu beenden.

Im 18. Jh. war Tanger bevorzugter Stützpunkt ausländischer Händler und Diplomaten und entwickelte sich zu einem internationalen Handelszentrum. 1844 musste die Stadt die Unterstützung des algerischen Rebellenführers Abd el-Kader durch Sultan Abderrahmanbüßen: Die Franzosen bombardierten Tanger und ließen die Stadtmauern schleifen. 1892 wurden Teile der Verwaltung einer internationalen Kommission unterstellt, 1912 erklärte man die Stadt zu einer (überwiegend europäisch kontrollierten) internationalen Zone. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Hafenmetropole von Spanien besetzt, erlangte 1945 erneut internationalen Status und wurde erst nach Auflösung der Protektoratsverträge 1956 an Marokko zurückgegeben. Seit 1962 ist Tanger die Sommerhauptstadt des Königreichs.

Besichtigung

Im Zentrum Tangers, am Schnittpunkt zwischen Alt- und Neustadt, liegt die Place du 9 Avril 1947, auch bekannt als Grand Socco (1), Großer Markt. Auf dem belebten Platz, der von etlichen Cafés, Restaurants und Hotels umgeben ist, findet der größte Markt von Tanger statt. Besonders an Donnerstagen und Sonntagen lohnt der Besuch, wenn Berber aus dem Rif, unter ihnen Frauen mit breiten Strohhüten und weißrot gestreiften Tüchern (Fontas), anreisen und ihre Produkte verkaufen. Zusätzlich beleben Gaukler und Märchenerzähler das Geschäft. Das schöne, mit bunten Kacheln verkleidete Minarett der 1917 errichteten Moschee Sidi Bouabid dominiert den Platz.

Im benachbarten Parc de la Mendoubia (2) - der Palast war Sitz des ehem. Sultansvertreters - kann eine umfangreiche Sammlung alter Kanonen aus Spanien, Portugal und Marokko besichtigt werden. Der nahe gelegene muslimische Friedhof birgt das Grab des großen Reisenden Ibn Battuta, der im 14. Jh. bis nach Indien vordrang.

Vom Grand Socco betritt man die auf einem Hügel oberhalb des Hafens gelegene Altstadt durch das weiß getünchte Bab Fahs (3) und erreicht über die enge Rue es-Siaghin den Petit Socco (4), den Kleinen Markt. Während der Protektoratszeit (1912-56) war der Platz Treffpunkt für Schmuggler und Rauschgifthändler. Heute geht es hier beschaulicher zu. Beim Bummel durch die kleinen Läden der umliegenden Gassen ist jedoch noch immer Vorsicht geboten, denn die Waren werden häufig stark überteuert angeboten. Vom Petit Socco führt die Rue de la Marine zur Grande Mosquée (5), die im 17. Jh. begonnen und im 19. Jh. erweitert wurde. Sehenswert sind das gekachelte Hauptportal und das geschnitzte und bemalte hölzerne Vordach. Hinter der Moschee gewährt eine Aussichtsterrasse einen Überblick über den Hafen und die Befestigungsanlagen aus portugiesischer Zeit.

Am nördlichen Ende der Altstadt liegt die Kasbah. Wer es eilig hat, erreicht diese von der Großen Moschee aus auf direktem Weg über die Rue Dar el-Baroud und die Rue Maimuni. Schöner ist es aber, sich durch das malerische Gassengewirr Richtung Norden treiben zu lassen. So mancher Weg endet allerdings in einer Sackgasse. Ernsthaft verlaufen kann man sich in dem relativ kleinen Areal jedoch nicht. Beherrschendes Gebäude der Kasbah ist der Dar el-Makhzen, der ehem. Sultanspalast aus dem 17. Jh., in dem heute das Musée de la Kasbah (6) untergebracht ist (tgl. 8-12 und 14-18 Uhr). Das Museum beherbergt zwei Abteilungen, das Musée des Antiquités und das Musée des Arts Marocain.

Vom Eingangsbereich führt eine Treppe zum ehem. Schatzraum mit riesigen, im 17. Jh. gefertigten Schatztruhen aus Zedernholz sowie einem eindrucksvollen Safe aus dem 18. Jh. Die Räume der kunsthandwerklichen Abteilung im Erdgeschoss gruppieren sich um einen kleinen Innenhof. Ausgestellt werden Textilien, Kupferwaren, Silberschmuck und Keramik. Die archäologische Abteilung präsentiert in Vitrinen Funde aus der Vorgeschichte. Das Fußbodenmosaik des Innenhofs, Seefahrt der Venus mit ihrem Gefolge, stammt aus dem römischen Volubilis und zeugt vom mythologischen Interesse des Sultans. Nach diesem Mosaik wurde das Haus der Venus in Volubilis benannt. Kopien von einigen Bronzeskulpturen aus Volubilis, deren Originale sich im Museum in Rabat befinden, komplettieren die Ausstellung. In den Gängen rund um den Hof stehen frühgeschichtliche Stelen mit libyschen Inschriften.

Vom Museum aus gelangt man über die Place de la Kasbah, vorbei am ehem. Gerichtssaal (östlicher Teil der Palastanlage), zum Aussichtspunkt am Bab er-Raha (7) im Norden der Kasbah. Bei klarem Wetter scheint die Küste Spaniens zum Greifen nah. Dies hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Marokkaner dazu verleitet, auf dem Seeweg illegal nach Europa einzureisen, in der Hoffnung, fern der Heimat Arbeit zu finden. Skrupellose Schieberbanden organisieren die teure Ausreise, die häufig genug wegen der gefährlichen Strömungen am Übergang von Atlantik und Mittelmeer zwischen den in der Antike so genannten Säulen des Herkules tragisch endet. Offizielle Schiffsverbindungen zum europäischen Kontinent gibt es zwischen dem Hafen von Tanger und Tarifa (nur Personenbeförderung), Algeciras, Gibraltar, Malaga und Sète an der südfranzösischen Küste.

Über die Rue Riad Sultan und das Bab el-Kasbah verlässt man die Medina. Von der außerhalb der Altstadt gelegenen Place du Tabor ist es nicht weit zur Villa Forbes (8) in der Rue Shakespeare. In dem großzügigen Palast residierte während der Protektoratszeit der amerikanische Milliardär Malcolm Forbes. Das bis vor kurzem hier untergebrachte Museum mit einer Sammlung von 115 000 Zinnsoldaten ist geschlossen, doch bietet sich von hier oben über der Steilküste eine schöne Aussicht zur südspanischen Küste.

Südlich der Medina laden die modernen Boulevards Pasteur und Mohammed V. zum Bummeln ein.

Ausflüge

Von der Place Mohammed V. führen die Rue de Belgique und die Rue Habib Bourguiba über das Viertel La Montagne nach 14 km zum nordwestlichsten Punkt Afrikas, dem landschaftlich reizvollen Cap Spartel. Hier kann man einen Blick auf die Meerenge von Gibraltar und die spanische Küste werfen. Nach weiteren 4 km gelangt man direkt am Meer zu den Grottes dHercule. Ein Teil der Grotten kann besichtigt werden. Der Eingang einer der zeitweise überfluteten Höhlen zeichnet den Umriss einer umgekehrten Karte Afrikas.

Praktische Hinweise

Tel.-Vorwahl Tanger: 039

Information: ONMT, 29 Bd. Pasteur, Tel. 94 80 50

Busbahnhof: Gare Routière an der Place el-Jamia el-Arabia, im Südosten (Straße nach Tetouan), Tel. 94 66 82

Bahnhof: Moghagha, Straße nach Tetouan, 7 km vom Zentrum entfernt, Tel. 95 25 55

Flughafen: Aéroport Tanger-Ibn-Batouta, 15 km von Tanger entfernt, nur per Taxi zu erreichen, Tel. 39 34 82, Fax 39 36 76. Royal Air Maroc, Place de France, Tel. 93 55 01, Fax 93 26 81.

Hotels

El Minzah *****L, 85 Rue de la Liberté, Tel. 93 58 85, Fax 93 45 46. Traditionsreiches Luxushotel mit großzügiger Innenausstattung und tropischem Garten sowie stilvoller Bar.

Intercontinental ****A, Parc Brooks, Bd. de Paris, Tel. 93 01 50, Fax 93 01 51. Gutes, aber durch die benachbarte Diskothek häufig etwas lautes Hotel.

Rembrandt ***A, Av. Mohammed V., Tel. 93 78 70, Fax 93 04 43. Hotel mit schöner Lobby und großzügigen Zimmern, die mit alten Möbeln stilvoll eingerichtet sind.

Mamora **B, 19 Rue Mekhtar Ahardan, Tel. 93 41 05. Einfache, aber saubere Unterkunft. Von der Terrasse Blick auf die Straße von Gibraltar.

Camping

Chez Addou, 18 km südlich der Herkules-Grotten, schöne Strände.

Robinson Plage, am Cap Spartel, gegenüber den Herkules-Grotten, Tel. 93 77 65. Großes sauberes Gelände, der einzige Campingplatz der Umgebung, der sich für einen längeren Aufenthalt anbietet.

Restaurants

Dar Tajine, 29 Rue du Commerce, Tel. 94 77 09. Marokkanische Spezialitäten.

LEucalyptus, Straße nach Cap Spartel, bei km 6, Tel. 93 66 70. Fisch und Meeresfrüchte.

Le Matisse, 10 Rue Velasquez, Tel. 934 00 50. Französische Spezialitäten.

Raihani, 10 Rue Ahmed Chaouki, Tel. 93 71 79, Marokkanische Spezialitäten in einem angenehmen kleinen Restaurant mit maurischer Einrichtung.

Romero, 12 Av. Prince Moulay Abdallah, Tel. 91 30 31. Paella und andere Fischgerichte immer frisch zubereitet.

San Remo, 15 Rue Ahmed Chaouki, Tel. 93 84 51. In dem ruhigen Restaurant im modernen europäischen Stil werden italienische Spezialitäten serviert.

© ADAC Verlag GmbH

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