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Special: Portugal

Portugal - der Reiz des Widersprüchlichen

"Portugal ist Lissabon, der Rest ist Landschaft": So hat der Romancier Eça de Queiróz im 19. Jahrhundert das Verhältnis zwischen Stadt und Land beschrieben, und daran hat sich wenig geändert. Außer Lissabon und, mit starken Einschränkungen, Porto sind alle anderen Orte Kleinstädte oder größere Dörfer. Wer Portugal besucht, wird also in der Regel mit Lissabon beginnen. Aber damit tut man dem kleinen Land unrecht, denn nur wenige europäische Länder sind mannigfaltiger. Leider ist kaum eines weniger bekannt als das Land im äußersten Westen der Iberischen Halbinsel. Zum Artikel

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Aveiro

Bunte Azulejos und grandiose Jugendstilfassaden spiegeln sich in den Kanälen des Lusitanischen Venedig.

Nach vielen Jahrhunderten hatte es der Rio Vouga endlich geschafft und durch Ablagerungen eine 60 000 ha große Binnenlagune gebildet. Südlich von Porto erstreckt sich ein bizarres Lagunengebiet mit weiß schimmernden Salinenfeldern und Meersalzpyramiden. Man sieht ein fantastisches Labyrinth von Kanälen, auf denen bunt bemalte Boote mit Vierecksegeln fahren. Lang gestreckte Sandhaffs dringen mit ihren Kanälen, Flüssen und Bächen krakengleich bis in die Stadt vor und machen Aveiro zu einer Wasserstadt mit einem Hauch von Amsterdam und Venedig: versteckte Grachten und majestätische Kanäle, bucklige Brücken und verspielte Veduten, so weit das Auge reicht. Und überall glitzern weiße Pyramiden, Salzberge, einst Gewinn bringende Einnahmequelle. Von den 267 Salinen, aus denen in den 30er-Jahren des 20. Jh. noch jährlich 80 000 t Salz gewonnen wurden, sind heute nur noch 50 in Betrieb.

Wie einst das römische Aviarium, so lebt auch das portugiesische Aveiro vom Meer. Hauptschlagader der Stadt (32 000 Einwohner) ist der malerische Canal da Cidade - in der Hochsaison ein beliebter Ausgangspunkt für Rundfahrten in die nähere Wasserumgebung. Der Stadtkanal trennt die südlich gelegene und früher dem Adel vorbehaltene Vila Velha (Altstadt) mit Kathedrale und ehem. Convento de Jesus von der nördlichen Fischerstadt Vila Nova (Neustadt) aus dem 15. Jh. Weitere malerische Kanäle sind der Canal das Pirâmidas, Canal de São Roque, Canal dos Santos Mártires und Canal do Matadouro.

Aveiro ist aber auch ein Jugendstil- und Azulejo-Paradies: Sehenswert sind besonders die Fliesen an der Estação (Bahnhof) am Ende der Avenida Dr. Lourenço Peixinho, an der Casa do Major Pessoa in der Rua de Barbosa de Magalhães, an den Gebäuden in der Rua João Mendonza und an den Häusern in der Rua do Rato.

Geschichte

Die Ria und Aveiro, ihr urbanes Zentrum, sind Portugals jüngstes urbar gemachtes Stück Land. Im Zeitalter der Entdeckungen verließen die Karavellen den Hafen der Stadt, um die terra nova, die Neue Welt zu entdecken. Die Bürgerstadt wurde im 15. und 16. Jh. wohlhabend durch das Salz, das aus den flachen Pfannen der Ria gewonnen wurde, sowie durch den Kabeljaufang vor Neufundland. Als der Rio Vouga immer mehr Sand ablagerte, wurde die Hafenstadt landeinwärts gedrängt, sodass in den folgenden Jahrhunderten der Kanal zwischen Jacinto und Barra versandete. Das führte zum Ende der Schifffahrt und der Fischerei.

Besichtigung

Ausgangspunkt für einen Rundgang durch Aveiro ist die Praça da República mit Rathaus und Kirche. Die Igreja da Misericórdia, die vermutlich nach Plänen des Italieners Filippo Terzi zwischen 1599 und 1622 errichtet wurde, besitzt ein grandioses Portal in der Form eines zweistufigen Renaissancealtars. Die Fassade des Gotteshauses wurde in der 2.Hälfte des 19. Jh. mit Azulejos verkleidet. Im Innenraum befindet sich ein prächtiger Renaissance-Hochaltar (Ende 17. Jh.) mit den Holzskulpturen der Senhora da Conceição und des Ecce Homo. Vor der Kirche erhebt sich Portugals wohl schönstes Wegekreuz, der Cruzeiro de São Domingos.

Im ehem. Convento de Jesus am Rande der Altstadt von Aveiro richtete 1911 der Kunstkritiker Marques Gomes im Auftrag der Stadtverwaltung das Museu de Aveiro ein (Di-So 10-12.30 und 14-17 Uhr). Unter den ausgezeichneten Exponaten sind besonders das Nuno Gonçalves zugeschriebene Porträt der Hl. Prinzessin (15. Jh.) erwähnenswert. Im Aveiro-Saal werden unter anderem eine Moliceiro-Barke und die typischen Arbeitsgeräte der Tangfischer ausgestellt. Das Jesuskloster in Aveiro verdankt seinen Ruhm der Prinzessin Joana (1452-1490), die 1472 als Schwester in das Dominikanerinnenkloster eintrat, wo sie niedrigste Klosterdienste auf sich nahm. Von den ständigen Kasteiungen im Dienste Gottes geschwächt, starb die bescheidene Prinzessin am 12. Mai 1490. Die Zelle der Joana (zugleich ihr Sterbezimmer) wurde 1734 mit vergoldeten Holzwänden verschalt, naive Bilder illustrieren ihr Leben. Sehenswert ist vor allem das 1711 von João Antunes im italienischen Stil gestaltete barocke Prunkgrab der Santa Joana.

Ausflug

Das Schwemmland und seine Seen zwischen Aveiro und den langen Nehrungen heißt Ria de Aveiro. Die Ria breitet sich zwischen Ovar und Mira aus und ist See und Meer zugleich. Heute beträgt der Abstand zur Küste schon 8 km. Um die Lagune vor weiterer Versandung zu retten, unternimmt man große Anstrengungen. Das ca. 60 000 ha große Haff, das wegen seiner vielarmigen Ausdehnung von den Einheimischen pólipo aquático (Seepolyp) genannt wird, ist auch heute noch ein Ort für Träumer und Poeten, inzwischen aber auch für Windsurfer und Segler - und natürlich für Naturfreunde, die auf Booten die 45 km lange, durchschnittlich 7 km breite Lagunenlandschaft durchqueren. Die Rota da Luz (Tourismusbüro) organisiert vom 15. Juni bis 15. September Kanalfahrten, vorbei an Salzgärten mit ihren typischen Salzkegeln, Reisfeldern und Badestränden. Beliebtes Postkartenmotiv sind die barcos moliceiros, die hochgeschnäbelten Boote der Tangfischer. Jedes Jahr im März findet ein Wettbewerb um das am prächtigsten bemalte Boot statt, leider beeinträchtigt durch den Gestank aus einer benachbarten Zellstofffabrik.

Praktische Hinweise

Information:Posto de Turismo, Rua João Mendonça, 234 42 36 80, Fax 234 42 83 26

Hotels

****Villa Duparchy, Luso-Mealhada, Tel. 231 93 91 20. Etwas außerhalb, in der Nähe der Floresta do Buçaco, liegt dieses kleine Herrenhaus, das mit portugiesischen und englischen Möbeln geschmackvoll möbliert wurde.

***Pomba Branca, Rua Luís Gomes de Carvalho, 23, Tel. 23 42 25 29, Fax 234 38 14 44. Elegantes Bürgerhaus aus den 30er-Jahren des 20. Jh., das zu einem ganz besonderen Hotel im altportugiesischen Stil umgebaut wurde.

© ADAC Verlag GmbH

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