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Special: Rom

Rom - die Ewige Stadt

In Italien ist Florenz mit seiner Gloriole aus goldener, herbstlicher Gotik und der Blüte der Renaissance sicher im engeren Sinn schöner als Rom. Schöner, so hört man oft, sei auch das unvergleichliche Venedig, die glänzende Serenissima, stets in ihrer Schönheit vom Tod bedroht. Dennoch war es immer gerade Rom, das den bedeutendsten Zauber ausgeübt hat, vielleicht deswegen, weil er aus vielen Facetten zusammengesetzt und für jeden ein anderer ist.

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Via della Conciliazione

Die Versöhnung - oder wie sich die Kirche vom Faschismus kaufen ließ.

Bus: 62

Tram: 19

Die Übereinkunft zwischen dem italienischen Königreich und dem Papst, ohne Zweifel eines der wenigen wirklichen Verdienste Mussolinis, wurde am 11. Februar 1929 mit der Unterzeichnung der Lateranverträge besiegelt. Federführend auf Vatikanischer Seite war Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri. Es wurden zwei Verträge geschlossen: ein Staatsvertrag mit Konkordat und die Finanzkonvention. Der Papst erhielt die volle Souveränität über den neu geschaffenen Stato della Città del Vaticano, die katholische Religion wurde als Staatsreligion anerkannt (was 1984 vom italienischen Staat einseitig, also völkerrechtlich bedenklich, wieder aufgehoben wurde), die Stellung der Priester geregelt und vieles mehr. Außerdem ließ sich Mussolini die Versöhnung 1,7 Milliarden (Gold-)Lire kosten. Seit dem Jahr 1921 war er von seinem scharf antiklerikalen Kurs abgerückt, er hoffte mit diesem Schritt die religiös-konservativen Kreise zu gewinnen und zugleich dem Liberalismus zu schaden.

Äußeres Zeichen dieser Versöhnung sollte die Prachtstraße Via della Conciliazione sein. Der Raum zwischen dem Petersplatz und dem Tiber war seit alters mit einem Gewirr von Gassen, den Borghi, angefüllt. Schon unter Papst Nikolaus V. (1447-55) wurden Pläne für eine Auffahrtsstraße zur Peterskirche gemacht. 1694 legte Carlo Fontana einen weiteren Entwurf vor. Zur Ausführung kamen aber erst die Projekte der Architekten Marcello Piacentini und Antonio Spaccarelli, die rigoros die alten Häuser der Borghi niederrissen und die heutige unverkennbar faschistoide Aufmarschstraße bauten. Sie ist 50 m breit und führt, ohne Zweifel grandios, direkt auf die Fassade der Peterskirche zu. Sie ist mit zwei Reihen etwas banaler Pilonen geschmückt. Am Beginn, am Tiberufer, steht rechts das Gebäude des Auditorio di S. Cecilia mit einem großen Konzertsaal. Die Architekten der Straße waren immerhin so geschickt, die Renaissance-Kirche S. Maria in Traspontina und den alten Palazzo Torlonia (1496-1504 von Andrea Bregno für Kardinal Adriano Castellesi erbaut) in die neue Häuserflucht einzubeziehen.

Der Eindruck, wenn man sich durch die Via della Conciliazione auf die trotz aller Schwere schwebend wirkende Fassade der Peterskirche zubewegt, ist sicher großartig. Es ist aber die Frage - Eckart Peterich wirft sie in seinem Rom-Buch auf -, ob nicht der Eindruck noch überwältigender war, als man aus dem dunklen Borgho heraustrat und plötzlich auf dem hellen, weiten Petersplatz stand. Ein wenig kann man das heute noch nachvollziehen, wenn man nämlich statt der Prachtstraße den etwa parallelen Borgo S. Spirito nimmt, sodass man vorne am Largo degli Alicorni seitlich der Kolonnaden des Bernini auf den Petersplatz kommt.

© ADAC Verlag GmbH

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